Aktuelle Phalbau-Forschungen am Attersee und Mondsee

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Verlorene/überzählige Ufersiedlungen am Attersee?

Johann Offenberger (BDA) berichtet 1997 gemeinsam mit Elisabeth Ruttkay (NHM) in → "Pfahlbauforschung in den österreichischen Salzkammergutseen" von 23 Ufersiedlungen am Attersee; insgesamt für Österreich von 29 Ufersiedlungen. [Quelle: Schlichtherle, Helmut (Hrsg.): Pfahlbauten rund um die Alpen. Sonderheft 1997 der Zs. Archäologie in Deutschland; Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1997; S. 76–80.]

Auch Karl Czech, der Leiter der operativen Tauchergruppe UTC Wels, schreibt 2013 in seinem abschließenden → 13. Bericht zur Bestandsaufnahme des Unterwasserkulturerbes: "Im Attersee sind 23 Siedlungen bekannt, von denen erst 13 vermessen sind."

Damit zählen Offenberger und auch Czech für den Attersee um 2 Stationen mehr als das "Kuratorium Pfahlbauten", und um 4 Stationen weniger als "Taylor".


Das "Kuratorium Pfahlbauten" gibt in seinem → Fact Sheet als derzeit wissenschaftlich gesichert eine Anzahl von 27 derzeit bekannten prähistorischen Pfahlbaustätten in Österreich an und teilt diese wie folgt auf: Attersee 21, Mondsee 3, Keutschacher See 1, Hafnersee 1 und Traunsee 1.

Timothy Taylor et al. zeichnen in der Grafik → "Beyond Lake Villages" gezählte 27 Ufersiedlungen allein für den Attersee ein.


Offenberger führt (S. 79 f.) weiters zu den einzelnen Stationen aus, dass "von den 29 Siedlungen 11 als zerstört gelten und für eine wissenschaftliche Auswertung nicht oder kaum mehr heranzuziehen sind. Weitere 11 Siedlungen sind verhältnismäßig stark beeinträchtigt, nur 7 Objekte anähernd gut erhalten."

Forschungen von Kuratorium Pfahlbauten und Site Management OÖ

Kuratorium Pfahlbauten und Site Management OÖ

Dworsky 2013, Cyril: → Ein UNESCO-Weltkulturerbe vor dem UYCAsDie prähistorischen Pfahlbauten des Attersees - Verankert in der Geschichte. In: Logbuch 2013 - Union-Yacht-Club Attersee. S. 29–35.

Dworsky 2015, Cyril: → Die urgeschichtlichen Pfahlbauten in Österreich. In: Mitt. der Ges. für Landeskunde und Denkmalpflege OÖ. H. 1, 2015. Seite 6.

Dworsky 2023, Cyril: → Versunkene Landschaften und Siedlungsgebiete. Zur Rückeroberung von archäologischen Unterwasserstätten Internet Archaeology 62. → Übersetzung des englischen Artikels von C. Dworsky

  • Dworsky sieht aktuell die Pfahlbauten bedroht durch Seeeinbauten, den Tourismus und „invasive Arten, die erhebliche Schäden verursachen. Inzwischen müssen wir eine Vielzahl von Neozoen (gebietsfremde Tiere) und Neophyten (gebietsfremde Pflanzen) als potenzielle Feinde unseres Unterwassererbes betrachten.“ So identifiziert er auch den Zander, den Europäischen Edelkrebs und die Dreikantmuschel im Keutschacher See. Aber auch der Biber und das Schweizer Laichkraut und die heimischen Armleuchteralgen stellten Bedrohungen dar.

Forschungen der → Unterwasser-Ausgrabungskampagnen

ÜbersichtSite Management (Henrik Pohl: 36 Veröffentlichungen): Monitoring, Prospektion, Grabungen

Forschungsberichte aus Österreich

Pollak 2011, Marianne: Erstmalige Unterschutzstellung der → Pfahlbaustationen Abtsdorf I–III und Litzlberg Süd: FÖ Bd. 50, 2011; S. 37.

Neubauer 2011, Daniel: Beschreibung der → Umrisslinien der Stationen Seewalchen und Kammer: FÖ Bd. 50, 2011; S. 350.

Pohl 2014, Henrik: → Monitoring Seewalchen; viele angekündigte Maßnahmen! FÖ 53, 2014; S. 1; S. 299–300.

Pohl 2015, Henrik: → Abtsdorf I (bronzezeitlich: 1700 v.Chr.); Litzlberg-Süd FÖ 54, 2015. S. 294–296. S. 305–306.

Pohl 2016, Henrik → Seewalchen, Sprungturm, UW-Archäologie; und Weyregg II; Planung genauerer Untersuchung bekannter Seeufersiedlungen nächste vier Jahre; FÖ 55, 2016, S. 398–401; 407–409.

Gruber 2017, Heinz: → Projekt »Denkmalgerechte Bojen im Attersee« und Projekt "Pfahlbaustation Seewalchen I–II", Sicherung Sprungturmgrube Strandbad Seewalchen«; Weyregg II. FÖ 56, 2017, S. 31 und 32; S. 398

Pohl 2018, Henrik: Fundstelle Mooswinkel; und Weyregg II. FÖ 57, 2018, S. 337–339 und 341–345.

Pohl 2019, H. u. Seidl da Fonesca, H.: → Fundstelle Mooswinkel; Liste der höchstrangigen archäologischen Denkmale Österreichs (Stand 2020) Attersee a.A.: Stationen Attersee, Abtsdorf I und III; FÖ 58, 2019, S. 271–273.

Hebert 2020, Bernhard: → Setzen der Ankerverbotsschilder vor der Pfahlbaustation Abtsdorf. FÖ 59, 2020; S. 14.


Konkrete Forschungen des Site-Management OÖ

14. Oktober 2015: Link zur Ankündigung: → Neustart der Pfahlbauforschung in Oberösterreich.

Zitat: "In Vorbereitung der Landesausstellung 2020 „Versunken – Aufgetaucht“ wird die Pfahlbauforschung in OÖ neu gestartet. Zu den Forschungen, die sich seit Beginn dieses Jahres der 6000-jährigen Siedlungskultur in der Seeregion widmen, zählen "Zeitensprung" mit der ersten umfassenden unterwasser-archäologischen Grabung in Österreich seit fast 30 Jahren, das Projekt "Jenseits der Seeufersiedlungen", eine internationale Forschungsinitiative zu den Pfahlbausiedlungen und ihrer Umwelt, sowie das Sparkling-Science-Projekt "Doing Welterbe – Welterbe begreifen". An dem Projekt sind die drei Partner: OÖ Landesmuseum, Universität Wien und Kuratorium Pfahlbauten beteiligt."

Pohl 2006, Henrik: → Einbaumfunde aus dem Salzburger Land. Archaeologia Austriaca , June 2006. 31 Seiten, viele Bilder.

Pohl 2016, Henrik: → Drei Jahre unterwasserarchäologisches Monitoring an den österreichischen UNESCO-Welterbestätten „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. Archäologie Österreichs 27/1, 2016; S. 29–35. Darin sind auch Altersdatierungen enthalten:

  • See (Mondsee): Sedimentkernprobe KP-III-30; Datierungen 3.10.2014 (2-Sigma-Kalibrierung):
    • A: 3655–3630 cal BC und 3580–3530 cal BC; B: 3650–3625 cal BC und 3580–3525 cal BC; C. 3735–3655 cal BC; 3755–3655 cal BC
  • Litzlberg-Süd: Sedimentkernprobe KP-II-50; Datierungen 13.7.2015 (2-Sigma-Kalibrierung):
    • A: 3655–3630 cal BC und 3555–3535 cal BC; B: 3640–3515 cal BC und 3395–3385 cal BC; C: 3640–3520 cal BC
  • Aufham III (Probe 2013): zwischen ca. 3.690 und 3.540 v.Chr.

FÖ 2017 - Zitat: "Für die inhaltliche Gestaltung der OÖ Landesausstellung 2027 zum Thema Pfahlbauten werden dringend neue Forschungsergebnisse benötigt, die eine moderne Sicht auf das Phänomen Pfahlbauten ermöglichen. Parallel zu den Vorbereitungen zur Landesausstellung wurde deshalb ein 5-jähriger Forschungsplan mit dem Namen „Zeitensprung“ zu den prähistorischen Seeufersiedlungen initiiert, der gleichzeitig Forschungslücken schließen wird und eine interdisziplinäre Forschungsinitiative für das Land OÖ darstellt. Dieser Forschungsplan umfasst ein Pilotprojekt im Jahr 2015 und nachfolgend von 2016 bis 2019 die genauere Untersuchung bekannter Seeufersiedlungen zu den Themen: Dorfstrukturen, Umwelt, historische Abfolge." (aus: Einleitung zu Grabung Weyregg II; FÖ 2017; s.u.)

Pohl 2013, Henrik: → Bericht unterwasserarchäologische Prospektion Station See 2013; 20 Seiten mit Bildern. FÖ 2013.

Pohl 2016, Henrik: → Bericht zur unterwasserarchäologischen Ausgrabung Sprungturmgrube Seewalchen/Attersee 2015. MNR. 50319.15.01. Fundberichte aus Österreich 55, 2016; 27 Seiten.

Pohl 2016, Henrik: → Bericht zur unterwasserarchäologischen Grabung Weyregg II / Attersee 2016, MNR 50329.16.01. Fundberichte aus Österreich. 27 Seiten.

Pohl 2017, Henrik: → Bericht zur unterwasserarchäologischen Grabung Weyregg II / Attersee 2017, MNR 50329.17.01; Fundberichte aus Österreich 2018, 47 Seiten.

Pohl 2020, H. und Seidl da Fonseca, H.: → Unterwasserarchäologische Grabung Mooswinkel/Mondsee. FÖ 2020, 35 Seiten

Pohl 2020, H. und Seidl da Fonseca, H.: → Bericht zur unterwasserarchäologischen Grabung Mooswinkel/Mondsee 2020. 35 Seiten

Pohl 2020, Henrik: → Bericht zur unterwasserarchäologischen Prospektion Station See / Mondsee 2020. 10 Seiten.

Pohl 2021, Henrik: → Unterwasserarchäologische Prospektion Station See/Mondsee. FÖ 2021, 11 S.

Archäologische Forschungen der Uni Wien zu Pfahlbauten in OÖ

Geologische Situation

Geologische → Karte des Wolfgangseegebietes ((Salzburg, OÖ: Benno Plöchinger; 1:25.000; 1973)

Geologische Karte des Wolfgangseegebietes: → Erläuterungen (Salzburg, OÖ: Benno Plöchinger; 92 Seiten, 16 Abbildungen, 2 Tafeln)

Projekt "Archäologische Prospektion oö Pfahlbauten"

304 km Fächerecholot- und Sedimentsonarmessungen

Timothy Taylor und Team führten 2018 im Rahmen des Projekts "Archäologische Prospektion oberösterreichischer Pfahlbauten" hochauflösende unterwasserarchäologische Prospektionen oberösterreichischer Pfahlbauten und Seen mit Fächerecholot und Sediment-Sonar durch. Leider konnten ausgerechnet die Uferstreifen mit potentiellen Pfahlbauresten wegen Niedrigwasser nicht gescannt werden.

Vorläufige Ergebnisse und Ausblick: "Seit Mai 2018 ist der Seeboden des Mondsees fast vollständig mit Fächerecholotmessungen (vgl. Abb.) kartiert worden, mit Ausnahme der extrem flachen Uferbereiche aufgrund des niedrigen Wasserstandes im Sommer 2018. Die bathymetrischen Daten sind nicht nur aus archäologischer und historischer Sicht von großem Interesse, sondern auch hinsichtlich der Seemorphologie, Sedimentologie und Geologie. Die Multibeam-Sonar-Datenschwaden des Mondsees, die eine Gesamtfläche von mehr als 13 km2 abdecken, werden verarbeitet, um ein optimiertes dreidimensionales Modell des Seebodens zu erstellen. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien wird die Software OPALS (Orientation and Processing of Airborne Laser scanning data), die für die Verarbeitung und Streifenanpassung von Airborne-Laserscanning-Daten entwickelt wurde, für die Anwendung auf Multibeam-Sonardaten angepasst. Die Multibeam- und Sedimentsonardatenerfassung wird 2019 am Mondsee und Attersee fortgesetzt. Mit diesem Projekt werden wesentliche Grundlagendaten für die wissenschaftliche Erforschung dieser Seen, für Umweltmonitoringprojekte und gezielte unterwasserarchäologische Untersuchungen sowie geologische und limnologische Forschungen generiert."

Folge-Veröffentlichung 2019 mit einigen ersten Auswerte-Bildern: "Der extreme Föhnsturm in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2018 hat bedauerlicherweise zum Sinken des Messbootes wie auch der Havarie zahlreicher anderer Boote am Attersee geführt. Es wird derzeit daran gearbeitet ein Ersatzboot zu beschaffen und nach abgeschlossener Befundung der Messgeräte mit der Vermessung der Seen fortzusetzen. Die Daten sollen nach erfolgter Bearbeitung im Rahmen des Projekts „Archäologische Prospektion oberösterreichischer Pfahlbauten“ publiziert und im Rahmen der geplanten Landesausstellung der Öffentlichkeit anschaulich präsentiert werden."

Quelle: Taylor (2019), Timothy, Trinks, I., Neubauer, W., Leskovar, J., Wallner, M., Loecker, Kl.: → High-resolution underwater archaeological prospection of Upper Austrian pile dwellings and lakes using multi-beam and sediment sonar. 13th Concerence on Archaeological Prospection. Irland 2019.

Trinks (2019), Immo; Neubauer, W.; Taylor, T.; Wallner, M.; Löcker, Kl.; Leskovar, Jutta: → Hochauflösende unterwasserarchäologische Prospektion oö Pfahlbauten und Seen mit Fächerecholot und Sediment-Sonar. Dreiländertagung der DGPF, der OVG und der SGPF in Wien; Publ. der DGPF, Bd. 28, 2019.

Erste Ergebnisse:

Taylor 2018, Timothy; Daxer Chr.; Moernaut J.; Haas, J.; Strasser, M.: → Late Glacial and Holocene sedimentary infill of Lake Mondsee (Eastern Alps, Austria) and historical rockfall activity revealed by reflection seismics and sediment core analysis. In: Austrian Journal of Earth Sciences 2018; p. 111–134. (study was supported by the FWF–DACH Project "Beyond lake villages", FWF Project No. I-1693)

Archäologische Grabungen am Buchberg und in Lenzing

Taylor 2015, Timothy; Maurer, J.; Bochatz, D.: → Bericht zur Ausgrabung Buchberg im Attergau 2015; (Forschungen zum besseren Verständnis des Hinterlandes der prähistorischen Seeufersiedlungen)

Taylor 2017, Timothy; Maurer, J.: → Bericht zur Ausgrabung Buchberg-Nordwest 2017; (Forschungen zum besseren Verständnis des Hinterlandes der prähistorischen Seeufersiedlungen)

Taylor 2020, Timothy; Maurer, J.: Lenzing-Burgstall. → Kupferzeitliche Spornsiedlung im Hinterland des Attersees. (37./36 Jh; 29. Jh. v. Chr.) Konferenz „Beiträge zur Kupferzeit am Rande der Südostalpen“ 2016, VML-Verlag 2020, S. 211-222.

Lane 2020, Dominik: → Der Hortfund "Attersee I" im Kontext des Zentralortes Buchberg im Attergau. 221 Seiten, Masterarbeit, Univ. Wien, Histor.-Kulturwiss. Fakultät: Betreuer: Timothy Taylor.

Jakobitsch 2022, Thorsten; Heiss, A.; Kowarik, K.; Maurer, J.; Trebsche, P.; Taylor, T.: → Food and farming beyond the Alpine lake zone: the archaeobotany of the Copper Age settlements of Lenzing-Burgstall and Ansfelden-Burgwiese in Upper Austria, and an early occurrence of Triticum spelta (spelt). Vegetation History and Archaeobotany, Apr. 2022, p. 123–136. (Anm.: Lenzing hat einen generell schlechten Erhaltungszustand)

Archäologische Landschaftsanalysen

Taylor (2020), Timothy; Kowarik, Kerstin; Klammer, Julia; Seidl da Fonseca, Helena; Maurer, Jakob: → From lakeshore to hilltop. Investigating Copper Age landuse in the Attersee-Mondsee region. In: Hafner, A. et al.: Settling Waterscapes in Europe. The Archaeology of Neolithic and Bronze Age Pile-Dwellings. Open Series in Prehistoric Archaeology Bd. 1. Bern and Heidelberg: Propylaeum, 2020. pp. 233–250. [Inhalt: S. 233-236: Historie der Pfahlbauforschung in Österreich; S. 236-239: Forschungsgegend; S. 239-246: Landschaft, Sichtbarkeit, Wegbarkeit, Stationswahl; S. 247-250: Literatur.]

Längauer (2019), Julia Maria: → Eine archäologische Landschaftsanalyse zweier Voralpenseen im Vergleich - die prähistorischen Fundstellen der nördlichen Attersee-Region, Oberösterreich und des Tegernsees. Masterarbeit bei Timothy Taylor; Universität Wien, Histor.-Kulturwiss. Fak., 2019. (105 Seiten, 69 MB; Neolithikum, Bronzezeit, Eisenzeit, Hügelgräber)

  • Abstract: Die ersten Pfahlbauten am Attersee wurden 1870 entdeckt. Im Zuge des darauf einsetzenden „Pfahlbaufiebers“ konzentrierte sich die Forschung über lange Zeit fast ausschließlich auf die Seeufersiedlungen. Erst seit kurzem wird durch das internationale Projekt: „Beyond Lake Villages“ auch das Hinterland einiger Seen erforscht, sowie Lehrgrabungen der Universität Wien durch Timothy Taylor im Hinterland des Attersees durchgeführt. Ziele dieser Masterarbeit sind zum einen eine landschaftsarchäologische Analyse anhand ausgesuchter, geeignet erscheinender Geofaktoren, um potenzielle, diachron unterschiedliche, Siedlungssystematiken aufzuzeigen, zum anderen, die Möglichkeit, diese Ergebnisse auf einen bisher unerforschten See, den Tegernsee in Bayern zu übertragen. Es zeigt sich, dass im Hinterland des Attersees für das ausgewählte Gebiet ein deutlich unterschiedliches Siedlungsverhalten zumindest für das Spätneolithikum und die mittlere Bronzezeit festgestellt werden kann. Die Siedlungen der Mittelbronzezeit liegen im Schnitt höher im Gelände und näher am Attersee als die spätneolithischen. Ebenso wurden die großteils undatierten Hügelgräber bearbeitet, um mögliche Bezüge zueinander aufzuzeigen. Die Sichtachsen könnten hier eine chronologische Abfolge der Erbauung implizieren. Streufunde im ausgewählten Gebiet erwiesen sich nur als bedingt aussagekräftig und wurden nur bearbeitet, wenn sie durch ihre Lage und Bezug zu Siedlungen sinnvoll erschienen. Dabei konnte für die Urnenfelderkultur eine regelhafte Deponierung im Attersee mit Bezug auf die Siedlung am Buchberg herausgearbeitet werden. Ein Umlegen der Ergebnisse auf den Tegernsee stellte sich als schwierig heraus und ist nur bei gleicher Datenmenge und Qualität möglich. Dennoch konnten durch Begehungen rund um den Tegernsee einige potenzielle Siedlungsstellen entdeckt werden. Wünschenswert wäre, diese in Zukunft durch noninvasive Methoden wie geomagnetische Messungen zu untersuchen.

(Leider) keine Volltext-Freigabe für die Masterarbeiten durch die Verfasser*innen:

  • Mayr (2017), Andreas: Kupferzeitliche Fundstellen im Umfeld von Attersee und Mondsee - Modellierung und Entdeckung. Masterarbeit, Universität Wien, Histor.-Kulturwiss. Fak., 2017. 249 Seiten. Betreuer: Timothy Taylor
    • Abstract: In dieser Arbeit geht es darum, das Hinterland der neolithischen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen (Pfahlbaustationen) der Mondseekultur im oberösterreichischen Seengebiet des Attersees und Mondsees nach weiteren Aktivitätszonen des Menschen, zu untersuchen. Als Grundlage diente die Erarbeitung eines Merkmalkataloges von bereits bekannten Landsiedlungen der Mondseekultur in Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark und Niederösterreich. Die typischen Merkmale, die für diese Landsiedlungen der Mondseekultur herausgearbeitet wurden, betreffen im Besonderen naturräumliche Faktoren. Der 220 m2 große Untersuchungsraum wurde mit Hilfe von Luftbildern und insbesondere von ALS (Airborne Laser scanning) Bildern abgesucht, und Verdachtsflächen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine menschliche Nutzung darstellen, ermittelt. In der Folge wurden die Verdachtsflächen begangen, die Topographie und Umweltbedingungen genauer untersucht, als auch Oberflächenfunde (Keramik, Steingeräte etc.) dokumentiert. Die Verdachtsflächen wurden beschrieben, ein tabellarischer Merkmalkatalog erstellt, indem alle Daten erfasst wurden, und die Verdachtsflächen sind weiters in einem Katalog digitaler Karten zusammengestellt. An acht der 65 untersuchten Verdachtsflächen konnten neolithische bzw. bronzezeitliche Artefakte oberflächlich festgestellt werden. Der in dieser Arbeit ermittelte Verdachtsflächenkatalog bietet eine gute Grundlage für in der Folge geophysikalische Prospektionen und archäologische Ausgrabungen, um den Forschungsstand des Hinterlandes der Seeufersiedlungen zu erhöhen. Interaktionen der Pfahlbaustationen, von denen drei in Oberösterreich und eine in Kärnten am Keutschacher See seit 2011 Weltkulturerbe sind, mit dessen Umfeld können dadurch besser evaluiert werden
  • Seidl Da Fonseca (2019), Helena: Prehistoric lakeshore settlements’ landscape analysis - the cases of Attersee and Mondsee, Upper Austria. (Eine Landschaftsanalyse der urgeschichtlichen Seeufersiedlungen am Attersee und Mondsee in OÖ)) Masterarbeit Univ. Wien, Histor.-Kulturwiss. Fak., 2019. 171 Seiten; Betreuer: Timothy Taylor
    • Abstract: "Urgeschichtliche Seeufersiedlungen sind einzigartige Fundschätze und ein vielversprechendes Forschungsfeld für die Archäologie. Die Aufnahme 111 solcher Feuchtbodensiedlungen um die Alpen ins UNESCO-Welterbe zeigt deutlich welchen internationalen Wert diese Fundstellen nicht nur im Bereich der Wissenschaft sondern auch für die Öffentlichkeit hat. Seit 2011 ist auch Österreich mit 5 Fundstellen im Weltkulturerbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ vertreten. Durch die Ernennung zum UNESCO-Welterbe besteht nach einem 20 jährigen Stillstand der Forschung im Bereich der Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie erstmals wieder ein Anstoß zu neuen wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Forschungsfeld. Die vorliegende Master-Arbeit ist ein Beitrag zur Aufarbeitung der vorhergegangenen Forschungen in Oberösterreich und behandelt die bereits bekannten Seeufersiedlungen im Raum Attersee und Mondsee mit Hilfe aktueller Techniken in einem neuen Licht. Die Durchführung einer archäologischen Landschaftsanalyse setzt die Unterwasserfundstellen in Verbindung mit ihrem Hinterland. Mit Hilfe eines Geoinformationssystems (GIS/Arcmap) wurden bestimmte Geofaktoren innerhalb der direkten Einzugsgebiete der bekannten Fundstellen untersucht. Mittels solcher Umfeld-Analysen konnte die Landschaft in Verbindung mit Seeufersiedlungen statisch ausgewertet werden. Die Ergebnisse bieten Input für verschiedene Forschungsfragen im Bezug auf die Mensch-Umwelt Beziehung im Neolithikum und der Bronzezeit. Zudem führten die Analysen zu einer Definition von Siedlungstypen deren Standorte ähnliche Landschaftsmerkmale aufweisen. Die Eigenschaften des am häufigsten vertretenen Typs wurden als Parameter für die Erstellung eines Vorhersagemodells herangezogen das zukünftiger Forschungen dienlich sein soll. Die präsentierte Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam des internationalen D-A-CH Forschungsprojekt „Beyond lake villages: Studying Neolithic Environmental changes and human impact at small lakes in Switzerland, Germany and Austria“ (FWF - I 1693)."

Accumulated Viewshed Analyses

Taylor (2014 -2019), Timothy: Case Study - Accumulate Viewshed Analyses As A Method To Value - → The Impact Of Dominating Landscape Features On Prehistoric Societies. (DACH-FWF-Project I-1693: Beyond Lake Villages - »Jenseits der Seerandsiedlungen«, Austrian projectpart; EURO 491.159,51)

Taylor (2019), Timothy; Julia Klammer, Kerstin Kowarik: Accumulated Vieiwshed Analyses: → Seltene Grafik und Überblick zu den Pfahlbauten an Attersee und Mondsee. FWF- und BDA-Projekt; International Colloquium on Digital Archaeology in Bern, 4th – 6th February 2019: © Beyond Lake Villages (FWF I-1693)

Taylor (2019), Timothy; Julia Klammer: → Lake View Has Always Been An Issue; 2019, Poster; Digital Archaeology Bern 2019

Kowarik (2022), Kerstin; Klammer, J.; Seidl da Fonseca, H.; Maurer, J.: Taylor, T.: → From lakeshore to hilltop. Investigating Copper Age landuse in the Attersee-Mondsee region. (FWF project number FWF-I-1693.) In Publication: Hafner et al. (Ed.) Settling Waterscapes in Europe. The Archaeology of Neolithic and Bronze Age Pile-Dwellings, 2022. Journal: Open Series in Prehistoric Archaeology 1; p. 233–250. Sidestone Press 2022. 290 p. (CC BY-SA 4.0 – kein Copyright); die wesentlichen Ergebnisse werden dargestellt auf:

  • S. 240: "Gemeinsame (Landschafts-)Aussichten"-Karte der Stationen am Attersee und Mondsee.
  • S. 242: Gehzeiten-Karte der Seenstandorte; berechnet vom Ufer von Attersee und Mondsee.
  • S. 243: Gehgeschwindigkeits-Karte um die einzelnen Stationen.
  • S. 245: Einzugsgebiete bei Gehzeiten von 30 min und 60 min für die Stationen am Mondsee.
  • S. 246: (Landschafts-)Aussichts- und Gehzeiten-Karten für das Siedlungsgebiet Abtsdorf I-III.

Schlussfolgerungen: "Indem wir auf visuelle Muster, Landschaftsverbindungen und Standortwahl abzielen, arbeiten wir daran, die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt im 4. Jahrtausend durch eine "räumliche Brille" zu charakterisieren. Die von uns angewendeten Methoden stellen ein leistungsfähiges Instrument zur Erforschung der vergangenen menschlichen Landnutzung dar, zumal sie die Kombination verschiedener Perspektiven ermöglichen, z. B. auf Standort- und Landschaftsebene. Durch die Anwendung der beschriebenen Analyse sind Gebiete mit besonderen topographischen Eigenschaften in den Blickpunkt gerückt. Diese müssen im Feld und durch diachrone [Anm.: veralteter engl. Begriff der Sprachwissenschaft] Analysen weiter untersucht werden."

Neolithische Landnutzung (D-A-CH; Weyregg)

Taylor (2020), Timothy; Hafner, Albert et al.: → How many, how far? Quantitative models of Neolithic land use for six wetland sites on the northern Alpine forelands between 4300 and 3700 BC. Vegetation History and Archaeobotany, Springer 2020, p. 621–639. (Schweiz, Schwaben, Österreich: Weyregg); → Supplementary file2 (DOCX 38 kb) – Daten und Modell, Literatur

Weitere Ergebnisse in Seewalchen, Weyregg II, Mooswinkel und See

Seewalchen

Pohl 2016, Henrik: → Bericht zur unterwasserarchäologischen Ausgrabung Sprungturmgrube Seewalchen/Attersee 2015. MNR. 50319.15.01. Fundberichte aus Österreich 55, 2016; 27 Seiten. (Anm.: Die Kulturschichten sind durch Seekreide voneinander getrennt.) Altersangaben:

  • SE2 … 3.800–3.500 v. Chr.
  • SE3 … 4.400–4.100 v. Chr. („erste Siedlungsperiode“; ist aber kein „Pfahlbau“)
  • SE3 … 6.045–5.980 kal. v. Chr. (Eschen-Halbstamm)
    • Stehender Pfahl P 125: 6.222–6.051 kal. v. Chr. (S. 21; wäre noch vor Ausbreitung der Neolithiker; „mesolithische“ Fischfangstation?)

ÖAI 2016: → Pflanzenreste aus der Seeufersiedlung Seewalchen. Österreichisches Archäologisches Institut 2016: S. 87 f.: Es wurde verkohltes Korn der Spelzgerste (Hordeum vulgare) sowie nicht-verkohlt erhaltener Leinsame (Linum usitatissimum) gefunden.

Literatur

OFFEN Leskovar J., Dworsky C. (eds) (in preparation): Die Pfahlbaustationen Seewalchen und Weyregg im Attersee. OÖ - Projekt “Zeitensprung” 2015–2017. OÖ Landesmuseum, Linz

Weyregg II

Seidl da Fonseca: Link zur ©–Darstellung der → beiden Hälften des Bohrkerns 7 der Station Weyregg II; zeigt die Kulturschichten, auch Holzbauelemente sind erkennbar (Foto: Kuratorium Pfahlbauten/Helene Seidl da Fonseca). [Anm.: Die Kulturschichten erscheinen schwarz aufgrund ihres hohen Anteils an organischen Resten.]

ÖAI 2019:Umwelt und Landwirtschaft der Seeufersiedlungen am Attersee (Weyregg II), S. 129 f. sowie auch → ÖAI 2017, S. 97 f.; Österreichisches Archäologisches Institut 2017 und 2019: Alle Kulturschichten liegen im 36. Jh. v. Chr., wobei die älteste aus 3.600 v. Chr. stammt. Zwischen den Schichten gibt es eine Besiedlungslücke. An Kulturpflanzen kommen vor: Einkorn, Emmer und Brotweizen, aber auch Sanduri-Weizen, der heute nur mehr im Kaukasus vorkommt. Gerste ist selten. Lein/Flachs konnte als Öl- und Faserpflanze nachgewiesen werden; es wurden auch die ölreichen Samen des Schlafmohns gefunden. Es gibt Samen von Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren, aber auch die Schalen von Haselnüssen und sehr viele Reste von Wildäpfeln. Anhand von Exkrementen konnten Schafe/Ziegen nachgewiesen werden.

Paläoökologische Analysen

Ries (2018), → CVI Marie-Claire und: → Analyses and interpretation of human-environment interactions at the lacustrine Neolithic settlement of Weyregg II, Lake Attersee, Upper Austria: palaeoecology and archaeology. freiwillig (?) gesperrte Masterarbeit, Univ. Wien, Histor.-Kulturwiss. Fak., 2018. Betreuer: Timothy Taylor

  • Abstract: "In der Masterarbeit werden erstmals Sedimente aus Bohrkernen von Weyregg II interdisziplinär analysiert. Es werden paläoökologische, archäobotanische, sedimentologische und archäologische Methoden eingesetzt. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Untersuchung von sogenannten Non-Pollen Palynomorphs, mikroskopischen Objekten wie Algen oder Pilzsporen. Es ist Ziel der Arbeit, detaillierte Kenntnisse zur prähistorischen Mensch-Umwelt-Beziehung zu erlangen. Ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt sind die lokalen Sedimentationsverhältnisse. Zudem wird versucht die Siedlung paläoklimatisch einzuordnen."
Je Station: Zahl gezählter Parasiten-Eier; N = Zahl der untersuchten Proben
Link zur Liste der hier angeführten → Darmparasiten und deren Pathologien

Maicher 2019, Celine:Mensch und Parasiten wd. des Neolithikums in Weyregg: Die Menschen und Tiere in Weyregg II hatten vergleichsweise zu anderen – und vor allem späteren – Stationen wenig Befall mit Parasiten (vgl. z.B. ZPO = Zürich-Parkhaus-Opera; Serteya/RUS, ZR = Zug-Riedmatt/CH, Passel/F, La Draga/ESP). Sie litten ansonsten vor allem unter dem Peitschenwurm (Trichuris) und dem Fisch-Bandwurm (Diphyllobothrium). Der erste wurde durch Eier in den ausgeschiedenen menschlichen Fäkalien, die als Dung verwendet wurden, übertragen; der andere durch den Verzehr von rohem, schlecht gegartem oder unzureichend geräuchertem Fisch. Der erste Parasit führte bei starkem Befall zu Bauchschmerzen, der zweite konnte zu Zwölffingerdarm-Entzündung, Anämie und einen Vitamin B12-Mangel führen, da der Parasit im Darm vor allem das Vitamin B12 aufnimmt. Der Peitschenwurm kommt auch in spezifischen Arten von Schwein, Ziege/Schaf und Hund vor und löst bei diesen Schmerzen, Durchfall und Krämpfe aus.

Maicher identifiziert anhand der Parasiten das Vorhandensein von Hund, Schwein, Rind sowie Schaf und Ziege. Sie kommt zum Ergebnis, dass die Jagd neben der Landwirtschaft und Viehzucht von größerer Bedeutung war, sodass die Ansteckung der Einwohner und Tiere mit Darmparasiten nur recht begrenzt war.

Sie stuft die Schichten SE4 und SE6 als trocken ein, jene von SE5 aber als überschwemmt. Dazu schreibt sie: "Die Schicht SE5 (3670 cal. BC) entspricht einer Ablagerung von Seekreide. Die Beschaffenheit der Sedimente deutet auf eine Periode mit hohem Seepegel hin, was dann einer Phase entsprechen könnte, in der die Stätte verlassen wurde."

Literatur zur Station Weyregg II

OFFEN Kühn M, Ismail-Meyer K, Wick L (in preparation): Mikromorphologische und archäobotanische Untersuchungen (Makroreste und Pollen) einer potentiellen Dungprobe von der jungneolithischen Fundstelle Weyregg II, Attersee, OÖ. In: Leskovar J, Dworsky C. (eds): Die Pfahlbaustationen Seewalchen und Weyregg im Attersee. OÖ - Projekt “Zeitensprung” 2015–2017. OÖ Landesmuseum, Linz

Ries (2018), Marie-Claire: → Analyses and interpretation of human-environment interactions at the lacustrine Neolithic settlement of Weyregg II, Lake Attersee, Upper Austria: palaeoecology and archaeology. freiwillig (?) gesperrte Masterarbeit, Univ. Wien, Histor.-Kulturwiss. Fak., 2018. Betreuer: Timothy Taylor

Ries (2019), Marie-Claire (freiwillig veröffentlichte Kompaktfassung): → Von Pollen, Pilzsporen und Parasiteneiern - Paläoökologische Analysen in oö Seeufersiedlungen (Weyregg) in: Fines Transire 28, 2019; S. 201-219.

Maicher 2019, Céline: → Évolution des relations homme/parasite/environnement au Néolithique: approche intégrée et premiers essais de spatialisation sur les sites lacustres européens (Entwicklung der Beziehungen zwischen Mensch, Parasiten und Umwelt während des Neolithikums: integrierter Ansatz und erste Verortungstests an europäischen Seenstandorten.) → Dissertation: Sociologie. Université Bourgogne Franche-Comté Paris 2019; 293 S. HAL open science.

Maicher 2019, Céline & Le Bailly Matthieu. Gastrointestinal parasite markers as evidence for waste management and dietary: the site of Weyregg II. Journée scientifique Projet « Zeitensprung ». Linz, 27 mai 2019. (Communication orale).

Mooswinkel

Fische, Frösche und Muscheln

Link zur Langfassung → Fische, Frösche und Muscheln in Mooswinkel

Verteilung der Fischarten und Fundanzahl in Mooswinkel

Nikolaidou und Galik berichten 2021: Neben wichtiger pflanzlicher Nahrung nutzten die prähistorischen Bewohner der Seeufersiedlungen auch das tierische Protein ihrer Haustiere. Daneben spielte die Jagd sicher eine gewisse Rolle für die Ernährung. Wenn man an einem Gewässer lebt, dann nutzt man, sofern man über die technischen Fertigkeiten verfügt, auch die in Gewässern vorkommenden Lebewesen für die Ernährung so gut es geht. Das Projekt „Zeitensprung“ ermöglicht Antworten auf die Frage, welche Fische in prähistorischer Zeit im Mondsee gefangen wurden. Dadurch erkennt man die damaligen Fischbestände und kann auch herausfinden, wie gefischt wurde und welche Fische für die Nahrung der Menschen eine Rolle spielten.

Die Bestimmungen der Fischknochen ergaben viele verschiedene Fischarten. Hauptsächlich wurden aber Karpfenartige/Weißfische, Hechte und Salmonidenartige (Forellen, Renken) gefunden. Flussbarsch, Zander, Bartgrundel, Aalrute und Perlfisch konnten dagegen nur in recht geringem Umfang nachgewiesen werden.

Schon bei der groben Durchsicht des sorgfältig geborgenen Fundmateriales fiel auf, dass darin auch außerordentlich viele Froschknochen (ca. 2.500 Stück) vorhanden sind.

Daneben wurden auch viele Überreste von Flussmuscheln gefunden

Vieh und Pflanzen in Mooswinkel

Gefundene Samen von Pflanzenarten in Mooswinkel

Jakobitsch 2023, Thorsten; Dworsky, C.; Heiss, A.; Kühn, M.; Rosner, S.; Leskovar, Jutta: → How animal dung can help to reconstruct past forest use: a late Neolithic case study from the Mooswinkel pile dwelling (Austria) - (Wie Tierdung zur Rekonstruktion der früheren Waldnutzung beitragen kann: eine spätneolithische Fallstudie aus dem Pfahlbau Mooswinkel). Archaeological and Anthropological Sciences, Feb. 2023. 18 pages. CC-Attribution 4.0.

Legende zu nebenstehender Abbildung: Ausgewählte geborgene Samen aus Düngerschichten und Dung. 1 Hänge-Segge (Carex pendula); 2 Fuchsschwanzgras (Alopecurus cf. Aequalis), von Kuhdung; 3 Sumpf-Rispengras (Poa cf. Palustris); 4 Wolliger Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus); 5 Holzapfel (Malus sylvestris); 6 Kratzbeere (Rubus caesius); 7 Wilde Brombeere (Rubus fruticosus); 8 Himbeere (Rubus idaeus); 9 Brennnessel (Urtica dioica); 10 Sauerampfer (Rumex conglomeratus); 11 Leimkraut (Silene cretica); 12 Oregano (Origanum vulgare); 13 Gemeine Braunelle (Prunella vulgaris); 14 Schafgarbe (Achillea millefolium); 15 Klette (Arctium nemorosum lappa); 16 Löwenzahn (Taraxacum officinale); 17 Wilde Karotte (Daucus carota), von Kuhdung; 18 Petersilienwurzel (Pastinaca sativa); 19 Klettenkerbel (Torilis japonica). Der jeweils angeführte Vergleichs-Maßstab beträgt 1 mm.

Abstract des Artkels: In dieser Fallstudie untersuchen wir die Auswirkungen der spätneolithischen Viehhaltung auf den Wald um den Pfahlbau "Mooswinkel" am österreichischen Mondsee durch die Analyse von botanischen Makroresten, Insektenresten sowie mikrohistologischen Analysen von botanischen Resten im Tierdung. Saisonale Pflanzenteile im Dung weisen darauf hin, dass Rinder, Ziegen und/oder Schafe im Winter offensichtlich zum Schutz innerhalb der Siedlung gehalten wurden. Tagsüber durften sie in der Umgebung der Siedlung auf Nahrungssuche gehen. Das Winterfutter bestand aus getrocknetem Laubheu, Heu von Gräsern und Kräutern, Blüten von früh blühenden Sträuchern und frischen Zweigen immergrüner Arten wie Tanne (Abies alba), Efeu (Hedera helix) und Mistel (Viscum album).
("Diese Forschung ist einzigartig, und eine vergleichbare, eingehende Analyse wie die hier vorgestellte wurde in Österreich bisher nur an der Pfahlbausiedlung Weyregg 2 am Attersee durchgeführt (Kühn et al. in Vorbereitung)").

Grundlage dieser Veröffentlichung zu Vieh und Pflanzen:

Jakobitsch 2020-2023, Thorsten: Dissertation 2020-2/2023 an BOKU Wien: „Maintenance or cultivation? Woodland management strategies in the late Neolithic pile dwellings of Lakes Mondsee and Attersee and in surrounding settlements.“; 73 Seiten. Es wurden die Kulturschichten der Seeufersiedlung Mooswinkel am Mondsee untersucht. Das Ziel war, die Art und Intensität der Waldnutzung im Spätneolithikum zu erforschen. Dazu wurden an der Pfahlbausiedlung Mooswinkel Kulturpflanzenreste, Sämereien, Hölzer und Pflanzenreste aus Tierexkrementen archäobotanisch untersucht. Zusätzlich wurden mit der Universität Wien Pollenanalysen an den Kulturschichten vorgenommen. (Anm.: an BOKU kein Abstract der Dissertation verfügbar.)

Jakobitsch 2021, Thorsten: Youtube-Video → Maintenance or Cultivation? Woodland Management Stategies in Late Neolithic Pile Dwellings., Jan. 2021

See am Mondsee

Darstellung der Station

ausgezeichnete Abbildung der Weltkulturerbestätte See

[übersetzt nach Block 2017, Dworsky et al.]: Die Pfahlbausiedlung "See am Mondsee" ist vielleicht die bekannteste kupferzeitliche Fundstelle Österreichs. Sie stammt aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. [Ruttkay et al. 2004]. Die Fundstelle wurde 1872 von Matthäus Much entdeckt. Er untersuchte sie in den 1880er-Jahren und etablierte den Begriff "Mondseekultur". Elisabeth Ruttkay (✝2009), eine der bedeutendsten Forscherinnen des europäischen Neolithikums in Österreich, untersuchte die Mondseekultur ab den 1990er-Jahren und kam zu der Überzeugung, dass es sich bei dem Mondseematerial um eine Untergruppe der neolithischen Trichterbecherkultur handelt und nicht um eine eigenständige lokale Kultur. Daher wurde der Begriff "Mondseekultur" im wissenschaftlichen Diskurs durch die treffendere Bezeichnung "Mondseegruppe" ersetzt.

Mondseekeramik mit Kalkinkrustination; Sonnensymbole

Ähnliche wie die von Much entdeckten Artefakte (Abb.) wurden auch an etwa zwanzig weiteren Unterwasserfundstellen am Attersee und Mondsee sowie an Landfundstellen in den Bundesländern Nieder- und Oberösterreich, Salzburg und – auf der Alpensüdseite – in der Steiermark gefunden [Maurer 2014]. Das Material der Mondseegruppe ist charakteristisch für die neolithischen Pfahlbausiedlungen des österreichischen Salzkammergutes [Ruttkay 1981].

Das reiche Fundinventar, darunter auch gut erhaltenes organisches Material, der Siedlung "See am Mondsee" stellt die bisher umfassendste Quelle zur wissenschaftlichen Erforschung neolithischer Pfahlbaukulturen in Österreich dar. Nach Muchs Sammeltätigkeit untersuchten L. Franz und R. Bernhart 1938 den Fundplatz. 1951 unternahmen K. Willvonseder und K. Schaefer die ersten Tauchuntersuchungen, 1961 erfolgten die Bergungen durch den Mondseer Heimatbund unter W. Kunze. In den Jahren 1967/68 begutachtete das Bundesdenkmalamt die Station und von 1982-86 unternahm J. Offenberger eine Oberflächendokumentation und Fundbergungen [Hirmann 1999].

Seit 1989 unterstützt der österreichische Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung FWF interdisziplinäre Projekte zu den prähistorischen Ufersiedlungen in Oberösterreich. Dies hat die Erforschung von Handelskontakten und den Vergleich mit zeitgenössischen Pfahlbaukulturen ermöglicht. So wurden beispielsweise Objekte aus dem sogenannten "Mondseekupfer", das einen hohen Anteil an Arsen enthält, überall in Europa gefunden [Dworsky 2016]. Die Station erhielt 2011 den Status als UNESCO-Weltkulturerbe.

Lage und Ausdehnung der Welterbestätte See/Mondsee
Pfahlfeld und prähistorisches Material auf dem Seegrund

Im Jahr 2013 begann das Kuratorium Pfahlbauten mit der Einführung eines Monitoringsystems in jeder der österreichischen Weltkulturerbestätten. Die Ergebnisse zeigen sehr unterschiedliche topografische und hydrographische Situationen bei den fünf Stätten und damit unterschiedliche Erhaltungszustände. Das Ufersiedlung "See am Mondsee" liegt am östlichen Ende des Mondsees, in einer kleinen Bucht nahe dem Seeabfluss (Abb. 3).

Der Abfluss des Mondsees, die Seeache, mündet in das südliche Ende des Attersees. Die ständige Strömung des Abflusses bewirkt im Bereich der prähistorischen Siedlung Erosion, vor allem in Zeiten starker Regenfälle und hoher Wasserstände [Pohl 2014]. Daher und im Gegensatz zu besser erhaltenen Ufersiedlungen liegt "See am Mondsee" in einem sehr dynamischen und sich beständig verändernden Umfeld von Sedimentationsprozessen und damit unter schwierigen Erhaltungsbedingungen; prähistorische Pfähle sind sichtbar und Kulturschichten mit prähistorischem Material liegen frei an der Oberfläche (Abb. 4). Trotz dieser schwierigen Umstände sind prähistorische Kulturschichten in einigen Bereichen noch bis zu einer Mächtigkeit von etwa 50 Zentimetern erhalten [Pohl 2016].

Um künftige Schutzmaßnahmen zu fördern und zu verbessern, muss mehr Nachdruck auf ein detailliertes Oberflächenmodell des Seebodens, eine präzise Dokumentation der Erosions- und Sedimentationsprozesse und die Ermittlung der genauen Lage der am stärksten gefährdeten Bereiche des Gebiets gelegt werden.

Forschungen

Pohl 2013, Henrik: → Bericht unterwasserarchäologische Prospektion Station See 2013; 20 Seiten mit Bildern. FÖ 2013.

Pohl 2016, Henrik: → Drei Jahre unterwasserarchäologisches Monitoring an den österreichischen UNESCO-Welterbestätten „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. Archäologie Österreichs 27/1, 2016; S. 29–35. Darin sind auch Altersdatierungen der Sedimentkernprobe KP-III-30 enthalten; Datierungen 3.10.2014 (2-Sigma-Kalibrierung):

  • A: 3655–3630 cal BC und 3580–3530 cal BC; B: 3650–3625 cal BC und 3580–3525 cal BC; C: 3735–3655 cal BC; 3755–3655 cal BC

Pohl 2020, Henrik: → Bericht zur unterwasserarchäologischen Prospektion Station See / Mondsee 2020. 10 Seiten.

Pohl 2021, Henrik: → Unterwasserarchäologische Prospektion Station See / Mondsee. FÖ 2021, 11 S.

Der "Mondsee-Tsumami"

Breitwieser 2010, Rupert: → Der „Mondsee-Tsunami“ – Fakt oder Mediengag? Nachrichtenblatt Arbeitskreis Unterwasserarchäologie NAU 16, 2010; S. 85–91

Literatur

OFFEN Akyurt 2021, Elvan: → The paleoenvironment of the Mondsee region and lateglacial developments of the catchment. Masterarbeit, Uni _Graz; 73 S. (HQ: Geologie; frühere Uferlinie usw.)

Block 2017, M.; Dworsky, C.; Löw, C.; Seidl da Fonsexa, H.; Gehmlich, B.; Wittchen, D.; Görsch, N.; Suchowska, P.; Ducke, B.: → Underwater Videogrammetry with Adaptive Feature Detection at “See am Mondsee”, Austria. In: Studies in Digital Heritage, Vol. 1, No. 2, Dec. 2017, 547-565

Knapper Forschungsstand zur Pflanzen-Wirtschaft

Antolin 2020, Ferran; Jacomet, St.; Brombacher, Chr.; Kühn, M.; Steiner, B.; Bleicher, N.: → Late Neolithic plant economy north of the Alps. In: Albert Hafner et al. (Eds.) Settling Waterscapes in Europe. pp. 157–159. Open Series in Prehistoric Archaeology, sidestonepress. (CC BY SA 4.0)

Wir werden uns in unseren Ausführungen auf die Westalpen konzentrieren, da die Forschung nördlich der österreichischen Alpen noch nicht in einem guten Zustand ist (Jacomet, 2006), obwohl von laufenden Projekten deutliche Verbesserungen erwartet werden.

Jacomet 2006, Stefani:Plant economy of the northern Alpine lake dwellings - 3500-2400 cal. BC. Environmental Archaeology Vol. 11, Issue 1; pp. 65–85.

Einleitung: Die hier behandelte Region erstreckt sich von den Westalpen über den französischen Jura bis nach Ost(nieder)bayern. Die wenigen Fundstellen mit quantitativen archäobotanischen Daten aus dem österreichischen Voralpenraum am Mondsee und Attersee, werden nicht berücksichtigt, da eine genaue Datierung dieser Fundstellen nicht möglich ist und außerdem eine Überarbeitung der Getreide-Identifikationen erforderlich ist, wie eine kürzlich durchgeführte Überprüfung dieser Funde ergab (Kohler-Schneider, im Druck).

Kohler-Schneider 2007, M.: → Early agriculture and subsistence in Austria—a review of Neolithic plant records. In: Colledge & Conolly (eds): The origins and spread of domestic plants in southwest Asia and Europe. Left Coast Press, California.

Ranseder 2016, Bärbel: → Die Pflanzenfunde der Pfahlbauten in See / Keutschach / Abtsdorf I / Seewalchen I im Tabellenvergleich zu Robenhausen (CH) und Federsee (D). Abschlussarbeit Univ. Zürich. CAS-Lehrgang Ethnobotanik und Ethnomedizin Frühjahr 2016


Hofmann, E. (1924). Pflanzenreste der Mondseer Pfahlbauten. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien (Math.-Naturwiss. Klasse) 133, 379–409.

Hoffman, E. (1927). Die pflanzlichen Reste aus der Station See. In L. Franz and J. Weninger (Eds.), Die Funde aus den prähistorischen Pfahlbauten im Mondsee, pp. 87–97. Mat.Urgesch.Öst 3.

Kral, F. (1976). Erste Ergebnisse palynologischer und karpologischer Untersuchungen von Proben aus den Pfahlbausiedlungen im Mondsee und Attersee. In Mitscha-Märheim et al. (Hrsg.): Festschrift für Richard Pittioni zum siebzigsten Geburtstag, Archaeologia Austriaca, Beiheft 13, pp. 277–278. Franz Deuticke Wien.

Schmidt, R. (1986). Palynologie, Stratigraphie und Großreste von Profilen der neolithischen Station See am Mondsee, OÖ. Archaeologia Austriaca 70, 227–235.

Pawlik, B. (1993). Die botanische Untersuchung der jungneolithischen Feuchtbodensiedlung See am Mondsee, OÖ. Unpublizierter FWF-Projektbericht für das NHM Wien (Projektleiter E. Ruttkay).