Zur Zeitstellung der Pfahlbauten an Attersee und Mondsee
Zeitstellung der Pfahlbauten an Attersee und Mondsee
Erste Chronologisierung der Kulturen und die erstmalige "lange Chronologie"

Diese hoch bedeutsame Arbeit von Eda Gross aus 1991 (!) hat unser Verständnis von der Prähistorie völlig neu geprägt. Mithilfe der Dendrochronologie erkannte man, dass 14C-Datierungen zu junge Altersangaben produzieren, was mit dem in der Vergangenheit anderen CO2-Gehalt der Atmosphäre zusammenhängt. In den früheren Zeitstellungen dachte man das Entstehen die Pfahlbauten etwa gleichzeitig mit dem Beginn der Kultur Ägyptens. Nun stellte sich aber heraus, dass die Pfahlbauten der Schweiz etwa 1.300 Jahre vor Ägypten entstanden waren.
Literatur: → Gross 1991, Eda; Ruoff, Ulrich: → Die Bedeutung der absoluten Datierung der jungsteinzeitlichen Kulturen in der Schweiz für die Urgeschichte Europas. In: Lichardus, J. (ed.): Die Kupferzeit als historische Epoche. Symposium Saarbrücken und Otzenhausen, Saarbr. Beitr. zur Altertumskunde 55, Bd. 1, 1991:401–420.
Die erstmalige „lange Chronologie“ von Eda Gross 1991
Die hier gebrachte Arbeit von → Eda Gross hat besondere forschungsgeschichtliche Relevanz, da sie mit dieser ihrer Arbeit erstmals – in einem damals noch durch und durch ablehnenden Milieu (v.a. Lichardus, Kossack) – die Sichtweise der langen Chronologie vertreten hat.
Dabei hat sie erstmals vorhandene 14C-Daten mit den dendrochronologischen Daten der Schweizer Pfahlbauten miteinander verknüpft und damit eine Umrechnung von 14C-Daten in die Absolutchronologie der Baumringalter ermöglicht – und damit erstmals eine realitätsnahe Kalibrierung der Radiokohlenstoffmethode geschaffen.
Diese Sichtweise stieß bei damaligen "Autoritäten" auf heftigen Widerstand, da dadurch viele chronologische Annahmen um Jahrtausende verschoben wurden – und damit Lehrmeinungen geändert und Lehrbücher umgeschrieben werden mussten.
Die Abbildung zeigt die enormen Auswirkungen der „langen Chronologie“ gegenüber der „kurzen Chronologie“, wenn man allgemein bis zu dieser Veröffentlichung davon ausgegangen ist, dass Egolzwil zeitgleich mit der 1. Dynastie Ägyptens (3000 v. Chr.) gewesen sei. Die Frühdynastie I in Mesopotamien und Troja Ia (2700 v. Chr.) hätten dem jüngeren Cortaillod entsprochen. Das Frühminoisch I von Kreta und das Frühhelladisch I von Griechenland (um 2600 v. Chr.) hätten parallel zum Pfyn der Schweiz bestanden.
Demgegenüber bestand Egolzwil 1.300 Jahre vor der 1. Dynastie Ägyptens, 1.600 Jahre vor Mesopotamien und Troja und 1.700 Jahre vor Kreta und Hellas. Die Kulturen von Cortaillod und Mondsee/Attersee blühten ein Jahrtausend vor der 1. Dynastie Ägyptens, 1.300 Jahre vor Mesopotamien und Troja Ia und 1.400 Jahre vor Kreta und Hellas.
Die Mondsee-Kultur blüht ein Jahrtausend vor Ägypten

Die nächste Abbildung rückt mehrere frühere – und zeitlich zumeist zu "kurze" – Chronologien in ein völlig neues und realitätsnäheres Bild.
Eda Gross hat mit dieser Arbeit erstmals realistische chronologische Daten zu den einzelnen Kulturen sowohl von Schweiz, Deutschland, DDR, CSSR, Polen und Österreich sowie von den südöstlichen Ländern Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien und Griechenland auf eine gemeinsame Basis gestellt und diese sogar mit den bis dahin „ältesten Kulturen“ Ägypten, Mesopotamien, Troja, Kreta, Griechenland in einen neuen, einheitlichen Zeitrahmen gestellt.
Der von Eda Gross im Jahre 1991 eingeführte wissenschaftlich fundierte Ansatz zur Kalibrierung von 14C-Daten besteht bis heute weiter und wird für die Kalibrierung von 14C-Daten weiterhin intensiv eingesetzt.
Damit wurden viele grundlegende österreichische Arbeiten (Pittioni 1954, Ruttkay 1981 usw.) zu den Pfahlbauten an den Salzkammergutseen und die daran beteiligten Kulturen in einen neuen Zeitrahmen gestellt und viele Annahmen wurden "über den Haufen" geworfen.
So beginnt die Epi-Lengyel-Gruppe in Österreich um etwa 4.100 v.Chr. – was mit dem Abbruch der Kulturen in Bulgarien, Rumänien und Jugoslawien um 4.200 v. Chr. gut zusammenpasst. Mondsee I startet um 3.900 v. Chr. und läuft bis 2.600 v. Chr. Die Baden-Kultur beginnt erst um 3.400 v. Chr.
In der Schweiz liegt die Egolzwiler Gruppe um 4.300 v. Chr. ziemlich richtig; die Cortaillod-Gruppierung folgt gleich auf Egolzwil; parallel zu dieser entwickelt sich die Pfyn-Gruppe etwas zeitverzögert, gefolgt von Horgen ab etwa 3.700 v. Chr.
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14Ccal / Dendrochr. (CH) 14Ccal / histor.data Egypt
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14Ccal-Daten der Länder CH, DDR, CSSR, PL, AT
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14Ccal-Daten der Länder HU, JU, BG, RU, EG, TR
Die erste Abbildung bringt den Vergleich der kalibrierten 14C-Daten mit der dendrochronologischen Datierung des schweizerischen Neolithikums (linke Spalte) und den Vergleich der kalibrierten 14C-Daten aus historisch datierten Komplexen Ägyptens mit der historischen Chronologie (rechte Spalte).
Die mittlere Abbildung bringt kalibrierte 14C-Daten der neolithischen Kulturen in Schweiz, BRD, DDR, CSSR, Polen und Österreich; die rechte Abbildung jene von Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Anatolien und Ägypten.
Chronologische Terminologie des Neolithikums: Österreich und Nachbarländer

Ruttkay bringt 1981 in ihrer → "Terminologie des Jungneolithikums" (in Samonigg) die Abfolge von Kulturen in OÖ, NÖ, Ktn, Stmk und Süd-Bgld. Für den oö Raum überrascht, dass Ruttkay vor dem Auftreten der Pfahlbauern keine mit einem Namen bezeichnete Kultur angibt.
Ruttkay postulierte ursprünglich eine Verwandtschaft unserer Pfahlbauern mit der bairischen Altheimer-Kultur; das trifft aber wahrscheinlich nicht zu.
In der rezenten Veröffentlichung von (unserem) Florian Reitmaier 2019 über → Die Erdwerke der Altheimer Kultur kommt überhaupt keine Ähnlichkeit oder Verwandtschaft mit den Pfahlbauern Oberösterreichs zum Vorschein: deren begrenztes bairisches Verbreitungsgebiet kommt mit Siedlungen auf besonders fruchtbaren Löß-Siedlungen vor durchwegs mit Bau von Erdwerken an Bächen u.ä.
Zum gleichen Ergebnis kommen Meyer 2006, M. u. Raetzel-Fabian, D. in: → Neolithische Grabenwerke in Mitteleuropa. Ein Überblick; wobei sie die beiden Kulturen einzeln behandeln:
- Michelberger Kultur (4.200–4.000 v.Chr.; später: 3.700–3.600 v.Chr.) auf S. 21-28
- Altheimer Kultur (3.800–3.400 v.Chr.); auf S. 32-34; diese siedeln aber eher auf Anhöhen.
Auch die in Samonigg´s Grafik für den südbairischen Raum weiters angeführten Autoren Süß (1976) und Matuschik (1992) sehen keine Verwandtschaft der Altheimer Gruppe mit der Mondseekultur. Konkret beschäftigt sich Ludwig Süß in der zitierten Literatur aber mit der Münchshöfener Gruppe in Bayern (Böhlau, Wien 1976; S. 1 – 121) und nicht mit Altheim/Mondsee.
Exkurs 1: Epilengyel-Kultur am Keutschacher See / Kärnten

Eine umfassende, kompakte Darstellung zur Pfahlbaustation am Keutschacher See bringt Cichocki (2013) in → Fines Transire 22, 2013:25–51.
Diese Epilengyel-Kultur (also: "Nach"-Lengyel-Kultur) existierte in Keutschach (dendrochronologisch 3.947 und 3.871 v. Chr.) vor den Pfahlbauten in Oberösterreich (rd. 3.800 v. Chr.). Als zeitlicher Rahmen der Siedlung ist der mittels Dendrochronologie ermittelte Zeitraum von ca. 4.100–3.700 v. Chr. – also vor den oberösterreichischen Pfahlbauern – anzusetzen. Wie den nebenstehenden 14C-Altersangaben zu entnehmen ist, war diese Siedlung auf der Keutschacher Insel um Jahrhunderte älter als jene der oö Seen.
In der Arbeit → Die Pfahlbaustation am Keutschacher See (2003) von Samonigg wird neben der Typologie der Keramik (ab S. 49) auch dargestellt, dass diese Kultur einen völlig anderen kulturellen Hintergrund als die Pfahlbauern in Oberösterreich hatten.
1990 befasste sich Ruttkay als Leiterin des Pfahlbauprojektes auch mit dem Keutschacher See. Sie wies auf die Eigenständigkeit dieser Keramik gegenüber den Salzkammergutstationen hin.

Die Einflüsse, die zum Entstehen der Keutschacher Pfahlbauernsiedlung führten, kamen aus dem Bereich des Epilengyel-Komplexes, der Lasinja-Kultur und der Vasi a bocca quadrata-Kultur. Deren Keramik konnte einem jungneolithischen Zeithorizont zugewiesen werden, der durch die dendrochronologischen Ergebnisse bestätigt wurde. Die zu den oberösterreichischen Seen gänzlich unterschiedliche Kultur zeigen auch die Abbildungen der völlig disjunkten Keramikformen in → Das Epilengyel / Lengyel IV als kulturhistorische Einheit von Pavuk (2000). Auch die Chronologie-Tabelle auf S. 18 zeigt die disjunkte Stellung dieser Kultur. Einzelne ähnliche Keramik-Formen der Jordansmühler Gruppe (vgl. die Grafik) deuten – trotz völlig anderer Verzierung – auf eine Verbindung dieser Gruppen nach Südosteuropa hin.
Die Tierknochen wurden von E. Pucher umfassend ausgearbeitet und belegen eine jahreszeitlich unabhängige, ständige Anwesenheit des Menschen in der Siedlung in der Mitte des Sees. Sie lebten ganzjährig auf ihrer Insel - wohl als Schutz vor Bedrohungen. Die Viehzucht wurde bereits am Beginn der Siedlung praktiziert und Viehzucht und Jagd wurden nebeneinander betrieben. Eine zugehörige Landsiedlung oder zumindest Umzäunungen oder Unterstände für das Vieh konnten bisher nicht nachgewiesen werden.
Exkurs 2: (Verborgene ?) Pfahlbausiedlung im Hafnersee / Kärnten
Der oberösterreichische Site-Manager Mag. Pohl vom "Kuratorium Pfahlbauten" berichtet zu seinem Tauchgang vom Jahr 2017 mit: → "Der Hafnersee - Unbekannte Pfahlbauten:"
"Der Seegrund liegt dort in 6 bis 7 m Tiefe und unten ist es dann schon sehr dunkel. Vom Seegrund taucht man auf eine kleine Untiefe – so wie im Keutschacher See. Die Ausdehnung der Untiefe ist jedoch im Hafnersee viel geringer, etwa 10 m². Ähnlich wie im Keutschacher See liegen auf der Oberfläche der Kuppe viele Steine, ihre Größe reicht von 10 cm bis zu größeren Platten mit 60 cm. Auf der Kuppe der Untiefe stehen auch zahlreiche Pfähle mit einer Höhe zwischen 10 und 40 cm. Auf der Untiefe gibt es keinen Bewuchs. Ungewöhnlich ist, dass wir dort keinerlei Kulturschicht und Keramik gefunden haben. Das war bisher allerdings auch nur ein Erkundungstauchgang, da sind noch weitere Forschungen notwendig."
Die Kärntner Sitemanagerin Meyer vom "Kuratorium Pfahlbauten" berichtet unter "Verborgener Schatz im Hafnersee" in der → Kleinen Zeitung Kärnten vom 7.1.2021:: Andere Überreste, wie etwa Werkzeuge und Nahrungsreste der ehemaligen Bewohner, konnten nicht gefunden werden. „Die Pfahlbausiedlung im Hafnersee gehört nicht zum UNESCO-Welterbe, ist aber wissenschaftlich interessant und spannend“, sagt Meyer. Daher sei geplant, "in größeren Abständen im Hafnersee Kontrolltauchgänge durchzuführen. Um die "wissenschaftlich bestätigten (?) Pfahlbautensiedlungen" vor Zerstörung, Diebstahl oder Veränderung zu schützen, besteht im gesamten Seegebiet – wie im Keutschacher See – ein Tauchverbot."
Absolut-Chronologie mit 14C-Altersbestimmung
14C wird in der Erdatmosphäre durch Kernreaktionen in den oberen Schichten der Erdatmosphäre ständig neu gebildet. Wenn die kosmische Strahlung auf Atome der Atmosphäre trifft, werden Neutronen freigesetzt. Wenn das in der Atmosphäre mit Abstand häufigste Stickstoff-Isotop 14N von einem solchen Neutron getroffen wird, so kann folgende Kernreaktion erfolgen: Das Neutron wird vom Stickstoffatom eingefangen, wobei aber gleichzeitig ein Proton abgespalten wird. Dadurch entsteht aus dem (147N-Kern + Neutron) ein (146C-Kern + Proton). Das Proton entspricht einem ionisierten Wasserstoffatom in der Atmosphäre.
Das neu gebildete (schwerere) 146Kohlenstoffatom verhält sich wegen der gleichen Anzahl von Protonen im Kern (6) chemisch völlig ident zu dem leichteren 126Kohlenstoffatom und wird damit bei jedem Photosynthesevorgang in die Pflanzen eingebaut - und klarerweise auch in die Gewebe von Pflanzen fressenden Tieren.
Der radioaktive Kohlemstoff 14C zerfällt mit einer Halbwertszeit von 5.730 ± 40 Jahren wieder zu Stickstoff 14N. (Mathematische Formel: der Anteil von 14C gegenüber 12C verringert sich mit e–λt im Zeitverlauf, wobei e die Euler’sche Zahl [= 2,72], λ die Zerfallsrate [= 1,21.10-4/a] und t die Zeit [in Jahren] ist.)
In biologischem Material (Holz, Getreide, Fleisch usw.) ist zum Zeitpunkt von dessen Bildung ein bestimmtes Verhältnis von 14C zu 12C - entsprechend jenem der Atmosphäre - vorhanden. Mit dem Tod des biologischen Materials (gefällter Baum, Getreidekörner, Knochen usw.) beginnt die 14C-Uhr zu ticken: Nach 5730 Jahren ist vom ehemaligen 14C nur mehr die Hälfte vorhanden. Indem man nun in dem Prüfling das Verhältnis von 14C zu 12C bestimmt, kann man auf das Alter des Prüflings schließen.
Ist das Verhältnis von 14C zu 12C nur mehr die Hälfte der Ausgangsrelation, so ist das Material 5730 ± 40 Jahre alt; beträgt dieses Verhältnis nur mehr ein Viertel, dann ist das Material 11.460 ± 80 Jahre alt, beträgt dieses Verhältnis nur mehr ein Achtel, dann ist das Material 17.190 ± 110 Jahre alt; also jeweils eine Halbierung des 14C zu 12C-Anteils alle 5730 ± 40 Jahre.
In der Atmosphäre beträgt das Verhältnis von 14C-Atomen zu 12C-Atomen nur: 1 14C-Atom zu 1,000.000,000.000 12C-Atomen (1 zu 1000 Milliarden). Je älter nun Proben sind, umso geringer wird dieses Verhältnis: nach fünf Halbwertszeiten (28.650 Jahre) ist das Verhältnis auf 3 % der ursprünglichen Relation gefallen.
Da diese Altersbestimmung auf dem physikalisch bestimmten Verhältnis von 14C zu 12C beruht, nennt man die Ergebnisse „Absolut-Chronologie“.
14C-Alter der Pfahlbauten am Attersee und Mondsee

Im Folgenden werden die Untersuchungsergebnisse des "Vienna Radium Institute" (VRI) gebracht. Diese beziehen sich durchwegs auf Holzproben und wurden von unterschiedlichen Forschern an das VRI (Dr. Felber et. al.) herangetragen. Tatsächlich gibt es mehr Proben als die hier angeführten 30 Stück (25 von Attersee und Mondsee, 5 von Keutschacher See und Hafnersee); diese konnten aber nicht dem Neolithikum zugeordnet werden und wurden deshalb hier weggelassen.
Die nebenstehende Tabelle ist zusammengestellt aus:
- Friesinger 1997,Herwig; Kutschera, W.; Stadler, P.; Eva Wild:→ 14C Daten des Neolithikums und der Frühen Bronzezeit in Österreich. → Homepage: Projekt Quantitative Methoden in der Archäologie, 14C Theorie und Praxis. → Absolute Chronology for Early Civilisations in Austria and Central Europe using 14C Dating with Accelerator Mass Spectrometry. → Status of Absolute Chronology for Austria’s Pre- and Protohistory
- Stadler 1995, Peter: → Ein Beitrag zur Absolutchronologie des Neolithikums in Ostösterreich aufgrund der 14C-Daten In: Lenneis, Neugebauer-Maresch, Ruttkay: Jungsteinzeit im Osten Österreichs. Fo.-berichte zur Ur- und Frühgeschichte 17. NÖ Pressehaus-Verlag, Wien, 1995: S. 210-224. → Zweite Original-Quelle
- Stadler 1995, Peter: → Zur Absolutchronologie der Linearbandkeramik aufgrund von 14C-Daten. Zs. Archäologie Österreich 1995, S. 3-12.
Übersicht: 14C-Chronologie am Attersee und Mondsee

Die erste Besiedlung von Attersee und Mondsee ist absolut-chronologisch wohl um ~ 4.900 bp (before present = 14C-Alter) zur gleichen Zeit erfolgt. Das entspricht in Kalenderjahren der Zeit um ~ 3.900 kal.v. Chr. = 5.900 Jahre vor heute.
Bei beiden Seen erfolgte gleich zu Beginn eine Besiedlung der Ausflüsse (#2: 4.910 ± 130 BP See/Mondsee; #3: 4.910 ± 110 BP Seewalchen/Att.).
Von besonderem Interesse ist für diesen Zeitraum (#5: 4.800 ± 90 BP) ein Pfahl aus dem Ausfluss des Mondsees (vgl. hierzu auch die Funde von Janik beim Parkplatz der Möbelfabrik); möglicher Zweck:
→ See-Regulierung? Vorabsenkung vor Sommerniederschlägen?
→ Funktion des Mondsees als Rückhaltebecken für den Attersee zu Starkregenzeiten?
4.870 – 4.750 BP: In diesem Zeitraum gibt es vor allem Nachweise am Mondsee, aber auch am Attersee.
4.720 – 4.560 BP: Dieser Zeitraum wird vor allem von Datierungen am Attersee bestritten, aber auch am Mondsee.
→ 4.550 – 4.450 BP: Mit 100 Jahren längster Zeitraum ohne 14C-Daten: Siedlungshiatus oder Fundlücke?
4.450 – 4.390 BP bringt Funddatierungen von Misling und Kammer am Attersee, aber auch von Mooswinkel/Mondsee.
4.350 – 4.260 BP zeigt die Besiedlung von Mooswinkel/Mondsee (über 90 a) und dazwischen von Nußdorf/Attersee.
Die Besiedlung der Station Abtsdorf I um 3.180 ± 90 BP gehört bereits zur Zinn-Bronzezeit.
Geringe 14C-Untersuchungsdichte je Station
Die Untersuchung von heimischen Pfahlbau-Stationen und die Anzahl der Altersbestimmung je Station sind im Vergleich zu jenen der Schweiz (vgl. Bielersee) nur rudimentär. Betrachtet man die Stationen mit mehreren Proben, so sieht man, dass sich für diese wiederkehrende Besiedlungszeiten ergeben (Ausnahme: Weyregg).

Mehrere 14C-Probenbestimmungen gibt es für diese sieben Pfahlbau-Stationen:
Scharfling/Mondsee (vier: 4.940, 4.870, 4.780, 4.660): mehrere Besiedlungszeiträume, endet mit See,
See am Mondsee (drei: 4.910, 4.750, 4.660): Besiedlung über rd. 250 Jahre, endet mit Scharfling,
Mooswinkel/Monds. (vier: 4.560, 4.430, 4.350, 4.260): beginnt nach See/Scharfling, letzter Pfahlbau,
Misling am Attersee (vier: 4.710, 4.610, 4.450, 4.390): hier sind ebenfalls mehrere Abschnitte zu erkennen,
Attersee/Attersee (zwei: 4.720, 4.610): Besiedlung parallel mit Abtsdorf; vor und nach Weyregg,
Weyregg/Attersee (zwei: 4.660, 4.640): beide Proben aus gleicher Siedlungsphase, nun auch eine noch ältere Phase,
Abtsdorf/Attersee (zwei: 4.680, 3.180): die erste Besiedlung ist neolithisch, die zweite aus der späten Bronzezeit.
Nur eine mittels 14C-Methode bestimmte Altersangabe gibt es für die übrigen Stationen: Seewalchen/Attersee (4.910), Mondsee-Ausfluss/Mondsee (4.800), Kammer/Attersee (4.420) und Nußdorf/Attersee (4.310). Dabei ist für Nußdorf mittlerweile bekannt, dass es zumindest zwei Kulturschichten gibt.
Bei Betrachtung der Zeitabfolge in der Liste sticht die insgesamt hohe Beständigkeit der Besiedlungsdaten ins Auge: es hat den Anschein, dass die beiden Seen über rd. 700-800 Jahre regelmäßig besiedelt waren und es nur wenige (nicht wahrscheinlich: keine) Siedlungsunterbrüche gab.
Dies wäre analog zu den stratigraphischen Untersuchungen am "Kleinen Hafner" in Zürich und den Ergebnissen von Peter Suter zu den Stationen am gesamten Bieler See genauer zu untersuchen. Es ist zu vermuten, dass sich bei ähnlichen stratigraphischen Untersuchungen wie am Kleinen Hafner oder den Stationen am Bielersee viele zusätzliche und detailliertere Ergebnisse auch bei den anderen Stationen am Attersee finden ließen. (Anm.: Dies wäre wohl eine recht relevante Erweiterung der archäologischen Kenntnisse.)
Ganz grundsätzlich ist analog zu den Gegebenheiten am Bieler See davon auszugehen, dass bei einem Seespiegel-Tiefstand (zumindest) am Attersee nicht nur eine einzelne Station besiedelt war, sondern diese günstige Gegebenheit auch zu Stationen bei den anderen günstigen Stellen führte.
Dies gilt besonders für so günstig gelegene Stationen wie Abtsdorf (wofür ja auch die einzige zusätzliche Besiedlung während der Bronzezeit spricht), aber auch für Kammerl, Seewalchen am See-Ausfluss usw. Vermeintliche Gegenbeispiele wie das recht ungünstig gelegene Misling (wenig Raum, Beschattung von Feldern usw.) sind eher eine Bestätigung dieser Annahme. Auch in Nußdorf liegt die nachgewiesene Station wettermäßig (Süd-Stürme) sehr exponiert und es gäbe in Nußdorf mehrere viel attraktivere Standorte. Ähnliches gilt für die Strandplatten von Attersee und Weyregg.
Mooswinkel und Misling sind ob ihrer Anlage und örtlichen Gegebenheiten eher als un-/außergewöhnliche Pfahlbaustationen anzusehen.
(Absolute) Radiokarbondaten und Kalibrationskurven

Das Verhältnis von 14C zu 12C in der Atmosphäre unterliegt im Zeitverlauf natürlichen Schwankungen. Diese werden durch die Veränderung der kosmischen Strahlung durch die Sonnenaktivität, die die Neu-Produktionsrate von 14C beeinflusst, aber auch sehr stark durch die Änderung des Erdmagnetfeldes hervorgerufen.
Falls nun in historischen Zeiten dieses 14C zu 12C-Verhältnis höher als heute war, so scheint bei heutiger Altersbestimmung weniger 14C zerfallen zu sein und es wird damit scheinbar ein geringeres Alter des untersuchten Materials angezeigt.
Damit sind die „absoluten“ physikalischen Ergebnisse der Altersbestimmung anzupassen. Dies geschieht z.B. durch die Bestimmung des Alters von Hölzern mittels der Dendrochronologie (Altersbestimmung anhand der Jahresringe von Bäumen) im Vergleich zu der Altersbestimmung desselben Baums mittels der 14C-Methode.
Wie der nebenstehenden Grafik von Stuiver (1998) zu entnehmen ist, wird bei einem tatsächlichen, kalendarischen Proben-Alter von 6.000 Jahren ein 14C-Alter von nur rd. 5.000 Jahren - und damit zu wenig - angezeigt.
Pernicka (1990) bringt auf Seite 32 eine ganz ähnliche Grafik in seiner diesbezüglichen Veröffentlichung: → Gewinnung und Verbreitung der Metalle in prähistorischer Zeit und formuliert, dass im Altersbereich von etwa 3.000 bis 10.000 v.Chr. die 14C-Alter rund 1.000 Jahre zu niedrig sind.14C-Altersbestimmungen mit Proben vom Ende der letzten Eiszeit zeigen sogar ein um ~ 2.000 Jahre zu geringes Alter.
Diesen Korrektur-Vorgang nennt man „Kalibrierung der absoluten Chronologie“. Derart kalibrierte Alters-Angaben werden mittels des Zusatzes „(cal)“ oder „(kal)“ gekennzeichnet.
Durch Vergleichsmessungen konnten bisher sogar für die letzten 48.000 Jahre die relativen Abweichungen des 14C / 12C -Verhältnisses gegenüber der heutigen Relation bestimmt werden.
Die aktuellsten Kalibrikationsdaten können der folgenden Veröffentlichung entnommen werden: IntCal20 Northern Hemisphere Radiocarbon Age → Calibration Curve (0–55 cal kBP). Zs. Radiocarbon, Volume 62, Issue 4: IntCal20: Calibration Issue, August 2020, pp. 725–757. CC- BY. Available to download at → http://intcal.org.
Deterministische vs. stochastische Altersangaben


Eine diesbezüglich sehr erhellende graphische Darstellung bringen → Maurer und Krondorfer in ihrer Veröffentlichung in "Fines Transire" 2019, S. 219 (siehe nebenstehende Abbildung).
14C-Altersangaben geben aufgrund der physikalischen Untersuchung deterministisch ("bestimmt") das Alter von Proben mit einem zugehörigen Wahrscheinlichkeitsbereich (± x Jahre; in Form einer Glockenkurve) an. Vgl. hierzu in der Abbildung die Kurve des rot eingefärbten Radiokarbonalters.
Der CO2-Gehalt der Atmosphäre unterlag im Zeitverlauf natürlichen Schwankungen. Die blaue Kurve gibt den Zusammenhang zwischen dem Radiokarbonalter und dem Alter in Kalenderjahren an, wie er in der Abbildung abzulesen ist.
Man erkennt z.B. auch, dass der CO2-Gehalt um 2.820 v.Chr. gerade so hoch war, dass bis zum Jahr 2.600 v.Chr. gerade so viel Kohlenstoff radioaktiv zerfallen ist, dass man heute nicht entscheiden kann, von welchem der beiden Jahre die Probe stammt: Das Radiokarbonalter wird in beiden Fällen mit 4.100 Jahren angegeben.
Das physikalisch ermittelte Alter der Probe samt deren Verteilung um diesen deterministischen Wert ist nun mit diesen schwankenden CO2-Kurven des Zeitraums zu "verschneiden".
Der physikalisch ältest-mögliche Bereich von 4.210 Radiokarbon-Jahren entspricht 2.880 Kalenderjahren v.Chr., aber nur mit einer recht geringen Wahrscheinlichkeit. Der physikalisch jüngst-mögliche Bereich von 4.100 Radiokarbon-Jahren entspricht 2.830 Kalenderjahren v.Chr. - oder eben auch 2.620 Kalenderjahren v.Chr. Das Minimum der CO2-Kurve bei 2.830 Kalenderjahren v.Chr. liegt außerhalb des physikalisch möglichen Zeitraums.
Hieraus ergeben sich für die einzelnen Kalenderjahre bestimmte stochastische Wahrscheinlichkeiten für ein bestimmtes kalendarisches Ursprungsjahr v.Chr. dieser Probe und damit die "gebirgige" Kurve, wie in der Abb. dargestellt ist. (Anm.: griech. "stochas" = "Vogelflug"; in Anspielung auf den nicht völlig geradlinigen, sondern mit Wahrscheinlichkeiten behafteten Verlauf.)
Riedhammer, Karin bringt eine → absolute Datierung des Südostbayerischen Mittelneolithikums westdeutscher Prägung, der Stichbandkeramik und der frühen Lengyel-Keramik Mährens und Ostösterreichs. 2016, 83 Seiten. (vgl. die nebenstehende Abbildung).
Aktuelle IntCal20 Kalibrationskurve für die nördliche Hemisphäre
Artikel: The IntCal20 Northern Hemisphere Radiocarbon Age Calibration Curve (0–55 cal kBP) Zs. Radiocarbon 62. doi: 10.1017/RDC.2020.41. Download des Artikels: → als HTML und → als PDF
Datenquelle für die Kalibrationskurve: https://www.intcal.org/ → https://www.intcal.org/data.html → https://www.intcal.org/curves.html → https://www.intcal.org/curves/intcal20.14c.


Die weiter unten auszugsweise angegebenen Daten der IntCal20-Kalibrationskurve werden in der Grafik für die Jahre 6.500 bis 4.500 Jahre vor heute dargestellt. Dabei erkennt man einerseits, dass die 14C-Daten ein um 600 - 850 Jahre zu geringes Alter gegenüber dem kalendarischen Alter ausweisen, andererseits dass es zu jedem 14C-Alter mehrere kalendarische Alter gibt.
Den unten angegebenen 14C-Daten von IntCal20 kann ebenfalls entnommen werden, dass diese Daten nicht für einen bestimmten Zeitpunkt X (den wahrscheinlichen Erwartungswert) sondern nur für einen bestimmten Zeitraum angegeben werden können. Diese Abweichungen vom physikalisch ermittelten Zeitpunkt X werden mittels Standardabweichung um diesen Wert (X ± σ = X ± Sigma) angegeben.
Beispiel aus dem IntCal20-Datensatz: (mit: 0-Punkt calBP = 1950 n. Chr.)
calBP, 14C age, Sigma, Delta 14C, Sigma (Daten durch Beistriche getrennt)
6000,5276,17,71.4,2.3
5995,5248,16,74.5,2.2
5990,5228,16,76.6,2.2
5985,5207,16,78.7,2.1
5980,5200,16,79.0,2.1
5975,5207,17,77.4,2.3
5970,5218,18,75.3,2.4
5965,5230,17,73.1,2.3
5960,5239,17,71.1,2.3
5955,5244,18,69.9,2.4
5950,5242,18,69.5,2.4
usw.
Kalibriertes Pfahlbauten-Alter (~3.900 v.Chr.) österreichischer Stationen

Antl-Weiser 1995, Walpurga u. Holzer, Veronika: → Neue Ergebnisse der Pfahlbauforschung in Österreich; Zs. des Vereins für Pfahlbau und Heimatkunde. 4/1995:10–21. (Anm.: auch guter Überblick zu Textilien und Silexmaterial)
S. 10: „Einundzwanzig Stationen vom Mond- und Attersee gehören der jungneolithischen Mondsee-Gruppe an. Nur die im Jahr 1976 im Attersee entdeckte Siedlung Abtsdorf I stammt aus der Bronzezeit und wird anhand von 14C-Daten in das 16. Jh. v. Chr. datiert. Die Mondsee-Gruppe zählt heute zum jungneolithischen nordalpinen Kreis nach Driehaus und ist für die österreichische und die neuere ausländische Forschung eine mit Altheim eng verwandte Gruppe". Sie wird (lt. Ruttkay) in drei Abschnitte unterteilt: einen älteren typologisch problematischen Abschnitt um 3.800 v. Chr., einen vollständig entwickelten Abschnitt von 3.700 bis 3.300 v. Chr. und einen dritten Abschnitt, der um 3.000 v. Chr. anzusetzen ist (Ruttkay 1981, Raetzel-Fabian 1986, 66, Obereder et al. 1993.“ (Antl-Weiser erwähnt in dieser 10-seitigen Veröffentlichung 23 x den Begriff "Altheim".)
Antl-Weiser bezieht sich bei ihrer Zeitstellung auf die Veröffentlichung von Obereder, Pernicka u. Ruttkay: "Die Metallfunde und die Metallurgie der kupferzeitlichen Mondseegruppe. Ein Vorbericht" in der Zeitschrift Archäologie Österreichs 4/2, 1993, S. 5-9. Die dortige Kalibrierung der 14C-Daten erfolgte mithilfe des → Groningen Radiocarbon Calibration Program; 1993
- (Anm.: Ihre hier von Ruttkay (1993) übernommene Meinung ("eine mit Altheim eng verwandte Gruppe") ist wenig belegbar; die Altheimer-Gruppe hat keine Beziehung zur Bewirtschaftung von Seen und deren hydrologische Beherrschung. Das einzige, was auch bei der Altheimer-Gruppe vorkommt, ist die Anlage von tiefen und langen Gräben - allerdings auf dem Trockenen rund um ihre Siedlungen. Dass sich dabei Ruttkay vor allem auf unpublizierte Clusteranalysen von Strahm Chr. stützt und die österreichischen Beile unhinterfragt als "Altheim-Beile" bezeichnet, ist für Ruttkay ungewöhnlich.)
- Auch der Arbeit von Saile (2014): "Ein Kampf um Altheim? Zur Unschärfe vorgeschichtlicher Lebensbilder." kann keine Ähnlichkeit zur Mondsee-Gruppe entnommen werden.
Baldia 2001, Maximilian bringt in seinem Internet-Archiv eine detaillierte Auflistung von → 20 14C-Daten vom Mondsee und Attersee und deren Kalibrierung samt Angabe der unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten für einzelne Zeitspannen und als erster eine → grafische Darstellung der kalibrierten 14C-Daten.
Die Radiokohlenstoff-Daten von Scharfling (VRI-311 und VRI-312), See/Mondsee (VRI-37) und Seewalchen (VRI-723) weisen auf den gleichen Zeitraum.

Dworsky 2004, Cyril u. Reitmaier, Thomas: → Moment, da war doch noch was! Neues zur Pfahlbauarchäologie im Mond- und Attersee. 1854–2004: 150 Jahre Entdeckung der Pfahlbauten. Archäologie Österreichs 15/2 2004. S. 4–15.
Dworsky bezieht sich hier auf Pfahlproben aus der Station Scharfling; es wurde versucht, neben 14C-Daten auch dendrochronologische Ergebnisse aus der Schweiz zu erhalten. Die acht Pfahlproben - fünf davon sind Fichte (Picea abies), drei Weißtanne (Abies alba) - weisen ein individuelles Alter von 25 bis 150 Jahren auf. Es konnte aber keine absolute Datierung vorgenommen werden.
(Anm.: Dass von den Pfahlbauern Bäume mit einem Alter von bis zu 150 Jahren - wie von den Autoren S. 13 angegeben - verwendet wurden, ist wenig glaublich: Fichten haben mit 150 Jahren Stammdurchmesser von 158 cm: Tannen/Weißtannen mit 150 Jahren Stammdurchmesser von 106 cm. [Quelle: → Baumportal.de).
S. 13 f.: „Aufgrund der gewonnenen 14C-Daten ist somit eine Zuweisung ins 38. und 37. Jahrhundert v. Chr. wahrscheinlich, womit neben dem dokumentierten Profil auch die naturwissenschaftlichen Ergebnisse klar eine Mehrphasigkeit der Station Scharfling fassbar machen. Trotz der vorerst ausbleibenden bzw. noch zu erwartenden endgültigen Resultate zeigt bereits die Analyse weniger Hölzer das hohe Potential der Dendrochronologie, und es gilt, noch weit mehr in diese Methode zu investieren und weiteres Probenmaterial zu entnehmen.“

Pernicka 2012, Ernst u. Frank Carolin: → Copper Artefacts of the Mondsee Group and their Possible Sources. Chapter 5 in: Lake Dwellings After Robert Munro. pp. 113–132; Altersgrafik p. 114; viel Literatur pp. 132–138. Leiden 2012. → zweite Quelle
- S. 114: Stationen der Mondseegruppe um Attersee und Mondsee (nach Dworsky und Reitmaier 2004:4, Abb. 1)
- S. 115: 14C-dates for the sites of Mondsee group compiled from Reiter (2008:36), Dworsky and Reitmaier (2004:13) and Breitwieser and Stradal (2001:94) calibrated with Oxcal 4.1.7.
S. 115 (übersetzt): "Die absolute Chronologie der Mondseegruppe basiert hauptsächlich auf mehr als dreißig in der Literatur publizierten Radiokohlenstoff- und dendrochronologischen Daten, mit ausführlichen Datumslisten in Stadler (1995, 218) und der RADON-Datenbank von Rinne (2011). Die beigefügte Abbildung enthält dreißig mit Oxcal 4.1 kalibrierte Daten, die aus den oben genannten und anderen Publikationen zusammengestellt wurden.
In einer kürzlich veröffentlichten Zeittafel, die die neolithischen Kulturgruppen Ostösterreichs auf der Grundlage von Radiokarbondaten und stratigraphischen Überlegungen darstellt (Krenn-Leeb 2006), wurden die ersten beiden Horizonte der Mondseekultur (I und II) zwischen ca. 3.800 cal BC und 3.000 cal BC platziert, wobei Mondsee III - der jüngste Horizont - als regionale Manifestation der Chamer Kultur angesehen wird und auf ca. 3.000 cal BC bis 2.900 cal BC datiert wird."

Swierczynski 2013: Abbildung 3 (Seite 1606): "Chronologie der Siedlungsperioden am Mondsee. Zwölf publizierte AMS-Radiokarbondaten von drei neolithischen Pfahlbaufundstellen ("See", "Scharfling" und "Mooswinkel") wurden kalibriert und als Eingabeparameter für die Periodenmodellierung mit OxCal 4.1 (Ramsey, 2009) verwendet. Es können zwei verschiedene Siedlungsperioden unterschieden werden: Siedlungsperiode SP I von ca. 3800 bis 3250 cal. yr BC (Before Christ - kalibriert) und Siedlungsperiode SP II von ca. 3400 bis 2700 cal. yr BC."
→ Link zu: Swierczynski-Veröffentlichungen
Swierczynski et. al. unterscheiden klar zwischen der initialen Siedlungsphase "See/Mondsee und Scharfling" und der späteren Siedlungsphase "Mooswinkel".
Aus der Abbildung ist auch zu entnehmen, warum es keine "exakten" Zeitpunkte auch nach Kalibrierung gibt, weil sich das 14C zu 12C-Verhältnis in der Vergangenheit auch kurzfristig stark geändert hat: damit gibt es diese "verwaschenen" Zeitpunkte für die einzelnen Proben.
Besiedlungsperioden und -ende (~2.700 v.Chr.) an Mondsee und Attersee
Den obigen Daten von Antl-Weiser (1995), Baldia (2001), Pernicka (2012) und Swierczynski (2013) können grob drei Besiedlungsperioden entnommen werden:
- die Pionier-Besiedlung am Mondsee und Seewalchen um 3.900/3.800 v.Chr.
- die Mondsee und Attersee umfassende Besiedlung 3.700 bis 3.300 v.Chr.
- die letze Besiedlung beider Seen mit Siedlungsende um 2.700 v.Chr.
Wie den Zeitstellungen von Antl-Weiser (1995; vorletzte und letzte der senkrechten Zeitdatierungen: 2. und 1. von rechts)), Swierczynski (2012) und Pernicka (2012) zu entnehmen ist, endet die Pfahlbauzeit nach über einem Jahrtausend etwa mit 2.700 v.Chr. mit den Stationen Mooswinkel/Mondsee, Misling, Nußdorf und Kammer am Attersee mit dem Auftauchen der Schnurkeramiker in unserem Raum (um ca. 2.800), wie in der Arbeit von (Włodarczak 2012: → Die Gliederung der Schnurkeramik im Zürcher Raum und in Mitteleuropa für den Zürichsee gezeigt wird. Damit ist auch eine Tradierung des Namens des Attersees durch die indoeuropäisch sprechenden Schnurkeramiker vereinbar.