Herkunft und Abstammung der Pfahlbauern und der Europäer

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Inhaltsverzeichnis

Früheste Hominiden in Europa (Neandertaler)

Die frühesten Hominiden in unserem Gebiet waren über 100.000 Jahre lang die "klassischen Neandertaler", die vor etwa 35-40.000 Jahren ausstarben. Der Name geht auf Joachim Neander zurück, nach dem das Tal der Auffindung der ersten Fossilien benannt ist. Sie waren entfernte Verwandte des homo sapiens und hatten mit diesem vor rd. 700.000 Jahren einen gemeinsamen Vorfahren. Die Neandertaler stellten Werkzeuge aus Holz und Stein her und ernährten sich – je nach klimatischen Gegebenheiten – teils von Jagdbeute, teils von Pflanzen. Sie beherrschten das Feuer, konnten sich → sprachlich verständigen und waren zur Symbolbildung befähigt. Die Neandertaler waren spezialisierte Jäger, die Großwild wie Wisente oder Mammuts immer wieder an denselben Stellen auflauerten und erlegten. In Deutschland fanden sich zusammen mit tausenden Steinwerkzeugen Knochenreste von 86 erjagten Rentieren als beredtes Zeugnis für die ausgezeichneten Jagdfähigkeiten der Neandertaler. Mittelgroße Säugetiere wie Pferd und Ren wurden oft einzeln erlegt, zerlegt und die Teile zu den Wohnplätzen geschafft. In Österreich deutet die 70.000 Jahre alte Kulturschicht in der Gudenushöhle (Kleines Kremstal, Niederösterreich) auf die Jagd auf Mammuts, Wollnashörnern, Rentieren, Wildpferden und Höhlenbären hin.

Erste homo sapiens (Cro-Magnon-Menschen – Jäger und Sammler)

Neandertaler / Cro-Magnon-Menschen / Neolithiker / Indoeuropäer (Kurgankultur)

Die frühesten anatomisch modernen Menschen (homo sapiens) in unserem Raum waren bis zum Neolithikum (Jungsteinzeit) die aus Afrika nach Europa eingewanderten alt-europäischen Jäger und Sammler. Diese werden nach dem Fundplatz → Cro-Magnon-Höhle in Frankreich als "Cro-Magnon"-Menschen bezeichnet; der Begriff ist auch ein Synonym für den eiszeitlichen homo sapiens. "Cro" bedeutet "Mulde, Halbhöhle", "Magnon" war der Name des Besitzers der Höhle.

Die Prozesse, die zur Entstehung der genetischen Landschaft der heutigen menschlichen Populationen in Europa und Asien geführt haben, sind nach wie vor umstritten. Jüngste Studien → (Population genomics of Bronze Age Eurasia; Nature, 2015) haben ergeben, dass sich Westeurasier und Ostasiaten außerhalb Afrikas zwischen 45 und 36 Jahrtausenden vor unserer Zeitrechnung auseinanderentwickelt haben und dass Ostasiaten, nicht aber Europäer, von den Resten einer früheren Migration australischer Ureinwohner nach Asien zu einem Zeitpunkt vor 20.000 profitieren konnten. Es gibt Hinweise darauf, dass der westeurasische Zweig eine Meta-Population bildete, die sich von Europa bis nach Zentralasien erstreckte und dass er Gene sowohl zu den heutigen Westeurasiern als auch zu den frühen amerikanischen Ureinwohnern (Indianern) beitrug. Die frühen Europäer erhielten während der Neolithisierung (Übergang vom Jagen und Sammeln zum Ackerbau) um 8.000-5.000 Jahren Genfluss aus dem Nahen Osten und möglicherweise auch aus Nordasien.

Nach jüngsten Berechnungen gab es in der Zeitspanne von etwa 42.000-33.000 Jahren vor heute gleichzeitig maximal 3300 Menschen in West- und Mitteleuropa. Diese Cro-Magnon-Menschen lebten rund 10.000 Jahre gemeinsam mit den Neandertalern, vermischten sich mit ihnen und trugen damit auch einen geringen Anteil von Neandertaler-Genen in sich, die ihnen z. B. hellere Haut (gut für die Produktion von Vitamin D in höheren Breiten) und lange Haare (gut bei kaltem Klima) bescherten. Wie in genetischen Studien → The genetic history of Ice Age Europe herausgearbeitet wurde, trugen diese ersten Menschen einen Anteil von rd. 5 % Neandertaler-Genen in sich. Dieser Anteil an Neandertaler-Genen nahm später aufgrund neuer Gen-Einträge (zugewanderte Neolithiker, Jamnaja-Leute) immer mehr ab: vgl. die Darstellung in dem beigefügten → Link aus der Zs. "Nature". Auch wir heutigen Europäer tragen so noch 1 bis 2 Prozent Neandertaler-Gene in uns.

Die künstlerische Begabung dieser Menschen ersieht man in den → Höhlenmalereien von → Lascaux, und von → Altamiraund der weltweit ältesten Darstellung des menschlichen Körpers mit der elfenbeinernen → Venus vom Hohlefels (2008 in Baden-Württemberg entdeckt; 40.000-35.000 Jahre alt) und der kalksteinernen → Venus von Willendorf (Niederösterreich; 29.000 Jahre alt). An diesem Fundort wurde aber auch schon früher - vor 43.500 (!) Jahren - gesiedelt: in gleicher Seehöhe und klimatischen Verhältnissen wie den oberösterreichischen Alpenrandseen. Daneben gab es auch Darstellungen von “Löwenmenschen“ – die Darstellung von Mischwesen – die in der Natur nicht vorkommen: ein Mensch mit Löwenkopf: dies gibt einen Einblick in die Gedankenwelt der damaligen Menschen und vielleicht auch in ein Glaubenssystem. Aus dieser Zeit gibt es auch Funde von Musikinstrumenten wie Flöten (aus den Röhrenknochen von Vögeln). Die damaligen Menschen haben also Kunst erschaffen, Schmuck getragen, Geschichten erzählt und musiziert (Nicholas Conrad, Uni Tübingen).

Vor rund 25.000 Jahren gab es am Höhepunkt der Eiszeit einen Bevölkerungs-"Flaschenhals" → Maier, A., Population and settlement dynamics from the Gravettian to the Magdalenian. 2017, p. 87 mit nur mehr ca. 700-1500 (!) Jägern und Sammlern in ganz Europa und unsere alten europäischen Vorfahren standen damit knapp vor ihrem Aussterben. Diese Jäger und Sammler bekamen auch nur etwa alle 3-4 Jahre Nachwuchs (wg. des Hormons Prolactin: Rebay-Salisbury, S. 15 f.), sodass gegen Ende des Mesolithikums um ~ 6500 v.Chr. maximal 1 Million Menschen als Jäger und Sammler in Europa lebten (Rebay-Salisbury, S. 16).

Anatolische Neolithiker (erste Bauern und die Pfahlbauern: unsere ursprünglichen Vorfahren)

Die ursprüngliche Heimat der Neolithiker

Wanderung: Anatolien, Marmarameer, Griechenland, Europa

Wie der nebenstehenden Grafik von → Mariana Diniz (2021) zu entnehmen ist, stammen die ersten Neolithiker aus Anatolien, das Gebiet rund um das Marmara-Meer war bereits um 9500 Jahren vor heute neolithisch besiedelt. Die farbigen Flächen stehen für die verschiedenen neolithischen Kulturen, und die schwarzen durchgezogenen Linien stellen die Gebiete dar, in denen nach Jean Guilaine (2001) eine kulturelle und chronologische Neuzusammensetzung stattgefunden hat.

Im Neolithik-Workshop der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: "The Central/Western Anatolian Farming Frontier", Wien April 2016, gingen Jean Guilaine mit “The Neolithisation of Europe: An Arrhythmic Process.” und Mehmet Özdogan mit → "An Alternative Look at the Neolithisation Process of Western Anatolia – from an old Periphery to a New Core." detailliert auf die zeitliche Ausbreitung des Neolithikums ein. Özdogan terminisiert in seinen → beiden Grafiken auf S. 147 in der

Abb. 1: Schematic map of the formative zones of primary neolithisation (12.400 - 9.300 vor heute). Mit der ersten neolithischen Ausbreitungswelle wird das Marmarameer bereits vor mehr als 9.500 Jahren rundherum besiedelt.

Abb. 2: Schematic map of initial expansion of Neolithic cultures (9.300 - 8.600 vor heute): Nach dem Marmarameer und der Schwarzmeer-Sintfluten sind nun ist auch die Ägäis, Nordgriechenland und die Westküste des Schwarzen Meeres neolithisch besiedelt.


Anm.: Alle Frühen Europäischen Bauern (EEF) haben aus genetischer Sicht einen gemeinsamen Ursprung im neolithischen Westanatolien, vertreten durch nur fünf Individuen aus Menteşe Höyük und 21 Individuen aus → Barcın Höyük im Nordwesten - alle unmittelbar neben dem Marmara-Meer (Haak et al. 2015; Anthony & Brown 2017).



Zur Vorgeschichte des Raums

Die geologischen Entstehung von Bosporus und Dardanellen

Die Entstehung des Schwarzen Meeres begann mit dem Ozean Thetis (nach der Meeresgöttin Thetis benannt), die sich vor etwa 300 Millionen Jahren an der Stelle des heutigen Mittelmeers, Marmarameers, Schwarzen Meeres, Asowschen Meeres, Kaspischen Meeres und des Aralsees befand. Vor 8-10 Millionen Jahren bildete sich durch Plattentektonik ein riesigwes Süßwassermeer, das aus dem heutigen Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer bestand. Da das Mittelmeer gegenüber der Verdunstung zu geringe Zuflüsse hat, gab es dorthin einen Zustrom von Wasser aus diesem ehemaligen großen Meer – eben über Bosporus-Marmarameer-Dardanellen.

Bosporus und Dardanellen sind offensichtlich diese in geologischen Zeiträumen eingeschnittenen Flusstäler. Anders sind deren geologische Gegebenheiten, nämlich die umgebenden durchschnittlich um 100 m hohen Berge, nicht erklärbar. Da die Flusssohle des Bosporus höher als jene der Dardanellen liegt, ist davon auszugehen, dass die erodierende Flussrichtung vom Norden nach Süden verlaufen ist. Mit der ursprünglich höheren Lage dieses Flusses – vor seiner Erodierung – ist neben dem Schwarzen Meer auch das Kaspische Meer einbezogen gewesen.

Eine Diskussion der möglichen geologischen und hydrologischen Gegebenheiten wird in den folgenden – sehr frühen – Veröffentlichungen der k.u.k. Akademie der Wissenschaften gegeben. Rezentere Veröffentlichungen zu dieser Fragestellung sind nur schwer aufzufinden.

  • Hoernes Rudolf: → Das Bosporusproblem. Sitzungsberichte der k.u.k. Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. 26. Oktober 1911.

Den Eingang zu den Dardanellen und damit zum Schwarzen Meer bewachte und beherrschte am kleinasiatischen Ufer das indoeuropäische Troja mit seiner (kurganischen) Pferde-Armee – vgl. die Ilias und die Odyssee von Homer im "Projekt Gutenberg".

  • Homer: → Ilias mit: Troja, die "Stadt der Rosse", aber noch ohne das "Trojanische Pferd"
  • Homer: → Odyssee 8. Gesang, ab Zeile 490: "Trojanisches Pferd" [ ... timeo Danaos et dona ferentes ...]
  • Homer: → Odyssee Troja → S. 44

Zeus, Bosporus und Europa

Europa und der Stier, Fresko aus Pompeji

Der Name Bosporus (altgriechisch Βόσπορος Bosporos ‚Kuh-, Rinderfurt‘, von altgr, βοῦς boũs ‚Rind, Ochse‘ und altgr. πόρος póros ‚Weg, Furt‘) stammt daher, dass nach der Sage die in eine Kuh verwandelte Io hier auf ihrer Flucht nach Asien hinüberschwamm.

Zeus verliebte sich einst in Io, eine Priesterin der Hera, und verführte sie. Dies bemerkte jedoch seine eifersüchtige Gattin Hera. Um die Tat zu vertuschen, verwandelte Zeus Io in eine weiße Kuh. Hera entdeckte dies jedoch und forderte die Kuh als Geschenk, was Zeus ihr nicht abzuschlagen vermochte. Hera ließ die Kuh von dem hundertäugigen Riesen Argos bewachen. Aus Mitleid mit Io entsandte Zeus den Himmelsboten Hermes zu Argos mit dem Auftrag, ihn zu töten. Dieser schläferte ihn mit seinem Flötenspiel ein und schlug ihm dann den Kopf ab, sodass Io – immer noch in Tiergestalt – entfliehen konnte. Der befreiten Io sandte Hera aber eine Rinder-„Bremse“ die sie unablässig verfolgte und durch die ganze Welt trieb. Auf der Flucht überquerte Io das Meer, das später nach ihr benannt wurde (Ionisches Meer) und schwamm durch die Furt, die ihr ihren Namen verdankt (Bosporus, griechisch für Kuh- oder Rinderfurt), von Europa nach Asien. Schließlich ließ sich Hera besänftigen, und Io, mittlerweile am Nil angelangt, erhielt ihre menschliche Gestalt zurück und gebar den Epaphos.

Europa (altgr. Εὐρώπη Eurṓpē) ist mythologisch die Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa. Zeus verliebte sich in sie und darauf verwandelte er sich wegen seiner argwöhnischen Gattin Hera in einen Stier. Sein Bote Hermes trieb eine Stierherde (mit dem Zeus-Stier) in die Nähe der am Strand von Sidon spielenden Europa, die der Zeus-Stier auf seinem Rücken entführte. Er schwamm mit ihr nach Matala auf der Insel Kreta, wo er sich zurückverwandelte. Der Verbindung mit dem Gott entsprangen drei Kinder: Minos, Rhadamanthys (arg. "nth" ein alteuropäischer Name) und Sarpedon. Auf Grund einer Verheißung der Aphrodite wurde der fremde Erdteil nach Europa benannt.

Der griechische Schriftsteller und Geograf Herodot verwendete im 5. Jh. v. Chr. den Begriff Eurṓpē, der geografisch zunächst nur die Peloponnes bezeichnete, auch für das Land nördlich von Mittelmeer und Schwarzem Meer, das er so von Asien (Asía) und Afrika (Libýe) unterschied. Im oströmischen Byzanz und späteren Konstantinopel hieß der Bezirk, über den man nach Europa gelangte, ebenfalls "Europa".

Die kleinere aber schnellere Sintflut des Marmarameeres vor rd. 12.500 Jahren

Nacheiszeitlicher Anstieg der Weltmeeresspiegel

Der Name der Dardanellen leitet sich vom "Fluthelden"''Dardanos''"Δάρδανος" ab, dem mythischen Sohn von Zeus und Elektra (der Tochter des Atlas). Wie seiner mythischen Geschichte auch zu entnehmen ist, steht Dardanos zwischen den Alteuropäern (Göttermutter-Kult: der Name seines Sohnes Zyakinthos – das "nth" deutet auf einen alteuropäischen Namen) und den indoeuopäischen Trojanern. Eine ausführliche, umfassende Darstellung ist enhalten in: Eduard Thraemer → "Dardanos", in "Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft", Stuttgart 1901, Sp. 2164–78. (Diese Quelle ist in den sehr beachtenswerten → acht Bänden zu griech. u. röm. Kultur beinhaltet.)

Dardanos - der mit einem Floß auf die kleinasiatische Seite entkommen sei - soll wie auch → ''Deukalion'', Sohn des Prometheus, dem Stammvater der Hellenen und → ''Ogygos'', dem ersten König der ältesten griechischen Stadt Theben eine Sintflut überlebt haben. Auch eine Siedlung, die von ihm in der Nähe von Troja – also auf der kleinasiatischen Seite – gegründet wurde, hatte den Namen Dardanos. Mit seiner zweiten Frau Bateia hatte er den Zakynthos, den Ilos und den Erichthonios, dessen Sohn Tros der Vater des Ilos (den Gründer von Troja) werden sollte.


Tiefenverhältnisse im Marmarameer, k.u.k. AdW 1895

Das Marmarameer hat ein Volumen von 3378 km³ und nur drei direkte Zuflüsse: Biga, Gonen und Susurluk im Süden. Das Marmarameer war während der letzten Eiszeit wegen der Abtrennung von Mittelmeer und Schwarzem Meer und des zu geringen direkten Zuflusses mehr als 100 m tief trocken. Wegen der höheren Temperaturen (+1°C je 100 Tiefen-Meter) waren Bereiche des heutigen Meeres vor allem während und auch nach der Eiszeit temperaturmäßig besonders begünstigt. Diese Tiefseebecken liegen nördlich der Marmara-Insel mit einer Tiefe von 1358 m unter NN und durch einen Sattel getrennt südlich von Konstantinopel mit einer Tiefe von 1250 m unter NN (siehe die nebenstehende Grafik). Bezüglich der Temperaturen vergleiche den beigefügten Link zu den winterlichen Minima rund um 6.000 v. Chr. in der → Grafik von Maria Ivanova-Bieg (Univ. Wien, Projekt → "Farmers without Borders"), die das trocken gefallene Gebiet des Marmarameeres in diesem Raum als besonders begünstigt ausweist.

Erosionskanal westlich von Marmara, k.k. AdW 1895

Wie den Tiefenlinien der Grafik in: → Natterer, Konrad: Tiefseeforschungen im Marmarameer entnommen werden kann, gab es aufgrund des steigenden Weltmeeresspiegels nach dem Ende der letzten Eiszeit und mit dem Erreichen der Dardanellen-Sohlschwelle (heute durchschnittlich -55 m unter NN) – die tiefer als jene des Bosporus liegt – durch den plötzlichen Wasserzustrom in das westliche Tiefseebecken einen deutlich erkennbaren Erosionskanal zwischen der Marmara-Insel und dem westlich gelegenen Festland zu den tiefsten Bereichen des Marmarameeres. Bei der Annahme einer gleichen Zuflussmenge pro Jahr wie später in das Schwarze Meer wird die Wassermenge von deutlich weniger als 3378 km³ (abzüglich verbliebenes Rest-"Meer"; abzüglich 40 m Wassertiefe gegenüber heutigem Weltmeeresspiegel wegen der Sohlschwelle) in wenigen Jahren zugeführt – wahrlich eine Sintflut ! Die dabei überschwemmte Fläche mag wohl 5.000 km² von den 11.573 km² der Gesamtfläche des Marmarameeres ausgemacht haben. Damit umfasste diese Überschwemmungskatastrophe gegenüber der späteren vom Schwarzen Meer zwar nur ein Zehntel der Fläche, ereignete sich deshalb aber zehn Mal schneller.

Wahtscheinlich waren es zwei Sintfluten: a) die erste in das Tiefseebecken nördlich der Marmara-Insel und bei Erreichen der dazwischen liegenden Sattelhöhe b) die zweite in das Tiefseebecken südlich von Konstantinopel. Diese beiden Sintfluten waren sehr schnell, da die sich auffüllenden Becken nur geringere Flächen aufweisen. Die stärkste war wohl jene der Auffüllung des Marmara-Tiefseebeckens, die unter Umständen innert eines Jahres erfolgte, da der Zustrom anfangs ja nur dieses eine Becken auffüllte. Die Auffüllung des Konstantinopel-Beckens verlief nur mehr halb so schnell wegen der verdoppelten Wasserfläche. Erst nach Auffüllung der beiden Tiefseebecken wurden auch die großflächigen Schelfgebiete des Marmarameeres vergleichsweie langsamer (aber immer noch viel schneller als später das Schwarze Meer) aufgefüllt, bis auch die Sohlschwelle des Bosporus erreicht wurde.

Gegen eine so tiefe Regression des Marmarameeres sprechen aber Tiefsee-Bohrkerne auf dem Sattel zwischen den beiden Tiefseebecken, die kein Trockenfallen zeigen.



Nacheiszeitliche Besiedlung der Schelf-Platten des Schwarzen Meeres

Aktuelles Buch → The Archaeology of Europe’s Drowned Landscapes Springer online 10. April 2020; Open Access: CC-BY (Geoff Bailey, Nena Galanidou, Hans Peeters, Hauke Jöns, Moritz Mennenga) mit dem

Kapitel 20 zu Bulgarien p. 393: Preslav P. et al.: → Bulgaria: Sea-Level Change and Submerged Settlements on the Black Sea. und dem anschließenden

Kapitel 21 zur Ukraine p. 413: „… but the expectation that the Ukrainian shelf harbours Late Upper Palaeolithic sites is strengthened by the presence of occasional flint artefacts in sediment cores recovered from the shelf area during geological surveys.“
"... aber die Erwartung, dass der ukrainische Schelf spät-frühpaläolithische Fundstellen beherbergt, wird durch das Vorhandensein gelegentlicher Feuersteinartefakte in Sedimentkernen, die während geologischer Untersuchungen aus dem Schelfgebiet geborgen wurden, bestärkt."

Bulgaria, p. 398; Zitat: „The earliest Neolithic cultures known in Bulgaria appear at about 8450 cal BP and have obvious affinities with the Neolithic in Anatolia. The distribution of sites is concentrated along the major river systems in central, western and northern Bulgaria ..."
Übersetzung: "Die frühesten bekannten neolithischen Kulturen in Bulgarien treten etwa 8450 cal BP (Anm.: 8450 Jahre vor heute, dem Frühneolithikum in Bulgarien – also einige Jahrhunderte nach der Wieder-Auffüllung des Schwarzen Meeres) auf und haben offensichtliche Ähnlichkeiten mit dem Neolithikum in Anatolien. Die Verteilung der Fundstellen konzentriert sich auf die großen Flusssysteme in Zentral-, West- und Nordbulgarien. In der (heutigen) Küstenregion des Schwarzen Meeres findet man bis zum Eneolithikum fast keine Hinweise auf eine Besiedlung. Wie für das Mesolithikum stellt sich auch für das Neolithikum die Frage nach einer möglichen neolithischen Präsenz auf dem heute überfluteten Gebiet, was die Seltenheit der früh- und mittelneolithischen Fundstellen in der Küstenregion erklären könnte. Bisher wurden jedoch noch keine versunkenen Siedlungen vor dem Neolithikum gefunden, was möglicherweise daran liegt, dass die älteren Fundstellen in größerer Tiefe liegen als die bisher gefundenen Unterwasserfundstellen und unter einer größeren Dicke von Fluss- und Seesedimenten begraben sind."



Offenbar gibt es in Bulgarien neolithische Siedlungen – vor allem an den größeren Flusssystemen, aber auch an den Seen (Varna usw.). Es gibt auch Siedlungen in geringer Wassertiefe an der bulgarischen Schwarzmeerküste – alle in größerer Wassertiefe bis zu 9 m. Wie den beiden letzteren Veröffentlichungen zu entnehmen ist, ging der Anstieg des Weltmeeresspiegels und damit des Mittelmeers und des Schwarzen Meeres erst vor etwa 4600 Jahren zu Ende.


Geht man vom Beginn der Auffüllung des Schwarzen Meeres mit ca. 9.400 Jahren vor heute aus, so dauerte die restliche Auffüllung (etwa 5-8 m über der Sohlschwelle des Bosporus bis zur heutigen Bosporus-Tiefe von 38 m) – mit abnehmender Geschwindigkeit – fast 4000 Jahre aufgrund des weiteren Abschmelzens von Eismassen weiter (vgl. den folgenden Abschnitt).

Damit waren die Schelfbereiche bis in eine Wassertiefe von ca. 30 m über Jahrtausende einer intensiven erodierenden Wirkung von Meeres-Brandungswellen ausgesetzt, sodass bis zu dieser Tiefe wohl wenig Hinterlassenschaften zu finden sein werden.

Da aber die erste Auffüllung des Schwarzen Meeres bis zum Erreichen des Weltmeeres-Spiegels um 8.300 Jahren vor heute recht rasch erfolgte, wären unterwasserarchäologische Untersuchungen erst unter dieser Wassertiefe von 30 m zielführend, da es unter dieser Wassertiefe zu nur geringerer Erosion gekommen ist.


Die Diskussionen in der Literatur 1997–2022 um die Schwarzmeer-Flut 7.400 v. Chr.

Nacheiszeitlicher Anstieg der Weltmeeresspiegel

Heute ist das Schwarze Meer mit dem Ägäischen Meer und damit mit dem Mittelmeer über eine Passage mit zwei schmalen Meerengen verbunden, zunächst mit dem Bosporus und dann mit den Dardanellen, zwischen denen sich das Marmarameer befindet. Das Marmarameer ist tief, aber sowohl am Bosporus als auch an den Dardanellen gibt es relativ flache Schwellen. Da mehrere große Flüsse (die Donau, der Dniepr, der Dniestr, der Don, der Kuban, der Sacharja und der Südliche Bug) in das Schwarze Meer münden, fließt eine für den Beobachter deutlich sichtbare, überwiegend aus Süßwasser bestehende Strömung durch den Bosporus und dann das Marmarameer in Richtung Ägäis. In tieferen Schichten gibt es aber eine entsprechende Salzwasserströmung in die entgegengesetzte Richtung, von der Ägäis zum Schwarzen Meer. Ein ähnliches Zweischichtsystem findet sich im Schwarzen Meer selbst, und das Fehlen einer Durchmischung bedeutet, dass der Luftsauerstoff, der sich in der oberen, salzarmen Schicht löst, niemals in die darunter liegende, salzigere Schicht eindringt, so dass die Tiefen anoxisch, d. h. sauerstoffarm bleiben.

Palmer Tr. (2009):Katastrophale Überschwemmungen des Schwarzen Meeres und die Geschichte von Noah; Chronology and Catastrophism Review 2009, pp. 45 - 54.

Palmer bringt einen ausgezeichneten Überblicksartikel über weltweite Sintflut-Mythen und deren konkrete reale Hintergründe (Ostsee, Zweistromland, Rotes Meer, Indonesien, Australien usw.). In der Folge geht er auf die Historie der Forschungen zur Überschwemmung des Schwarzen Meeres und deren Gegentheorien - von Ryan über Aksu bis Yanko-Hombach u. a. - detailliert ein und zeigt eine Möglichkeit für die Integration der einzelnen, nachfolgend dargestellten Ansätze auf. (8 Seiten)

Ryan, William et al. (1997):An abrupt drowning of the Black Sea shelf; Marine Geology, 138 (1997), pp. 119-126. → Wesentlicher Inhalt von Ryan

Nach Ansicht von Bill Ryan und Walter Pitman gab es zu der Zeit, als die großen Eisschilde am Ende der Jüngeren Dryas zu schmelzen begannen, überhaupt keine Verbindung zwischen der Ägäis und dem Schwarzen Meer, weil die Wasserstände auf beiden Seiten der Bodenschwelle am Bosporus viel zu niedrig waren, um eine Verbindung herzustellen. Der Meeresspiegel der Ägäis ist mehr als 100 Meter unter dem heutigen Niveau gelegen, und Schwarze Meer war damals ein Süßwassersee, bei dem der Zufluss von Wasser aus den Flüssen durch die Verdunstung ausgeglichen wurde. Das Schmelzwasser des nördlichen Eisschildes wurde in dieser Zeit nach Westen in Richtung der neu entstandenen Nordsee geleitet und nicht nach Süden. Während das Schmelzwasser in den Atlantik strömte, stiegen die Pegel des Mittelmeers, der Ägäis und des Marmarameers weiter an, bis schließlich ein natürlicher Sedimentdamm, der sich über der Felsenschwelle am Bosporus gebildet hatte, auf katastrophale Weise durchbrochen wurde. Salzwasser strömte in den Süßwassersee und veränderte seine Beschaffenheit und Größe, so dass innerhalb von etwa zwei Jahren 150.000 Quadratkilometer des umliegenden Landes überflutet wurden. Ryan und Pitman haben am Schwarzen Meer Sedimentkerne entnommen und stellten fest, dass die Weichtierschalen in den unteren (d. h. älteren) Schichten von Süßwasserarten stammten, während die Weichtieren in den höheren (jüngeren) Schichten stets Salzwasserformen waren, die vermutlich beim Bruch des Bosporus-Damms eingeschleppt worden waren. Die Radiokohlenstoffdatierung der jüngsten Süßwasser-Molluskenschalen ergab 7.500 Jahre vor heute.

Aksu (2002); bearbeitet für Vergleich mit Aksu (2022)

Aksu, A.E. et al. (2002):Persistent Holocene outflow from the Black Sea to the Eastern Mediterranean contradicts Noah's Flood hypothesis GSA Today, 12 (5) (2002), pp. 4-10. → Wesentlicher Inhalt von Aksu (2002)

Aksu und Hiscott legten Nachweise vor, die ein anderes Szenario für die Geschichte des Schwarzen Meeres während des Holozäns nahelegten. Sedimentkerne aus dem Marmarameer zeigten, dass sich bereits vor etwa 11.000 Jahren ein organischer Faulschlamm unter anoxischen Bedingungen gebildet hatte, was bereits auf ein zweischichtiges System hinweist. Seismische Studien weisen auf ein Delta vom Bosporus ins Marmarameer hin. Radiokarbondaten zeigen ein Alter von 9-10.000 Jahren. Sie schlugen folgendes Szenario vor: Das Marmarameer war während der Jüngeren Dryas sowohl von der Ägäis als auch vom Schwarzen Meer isoliert. Bald jedoch wurde der Kontakt mit der Ägäis wieder hergestellt, da die Dardanellenschwelle etwa 70 Meter unter dem heutigen Meeresspiegel lag. Das Marmarameer stieg dann im Einklang mit dem Anstieg des Welt-Meeresspiegels an. Das Schwarze Meer stand zu dieser Zeit kurz davor, das Niveau der Bosporusschwelle zu erreichen. Schließlich begann salzarmes Wasser über die Bosporus-Schwelle ins Marmarameer zu fließen und zwar in der entgegengesetzten Richtung zu der von Ryan und Pitman vorgeschlagenen und mehrere tausend Jahre früher. Dieser salzarme Zufluss dauerte so lange, wie der Agäis/Marmarameer-Spiegel unter der Bosporusschwelle lag und dauerte rund 1.000 Jahre. Das erklärt die Existenz des Deltas.

Aksu (2022); bearbeitet für Vergleich mit Aksu (2002)

Aksu, A.E. et al. (2022):Persistent Holocene outflow from the Black Sea to the eastern Mediterranean Sea still contradicts the Noah's Flood Hypothesis: A review of 1997–2021 evidence. Earth-Science Reviews, Volume 227, April 2022, 56 p. → Wesentlicher Inhalt von Aksu (2022)

Aksa´s Vergleich der schematische Wasserstandsverläufe des Schwarzen Meeres, Marmarameers und der Ägäis gemäß der Fluthypothese

Aksu (2022) verlegt den Zeitpunkt des Bosporus-Durchbruchs nun auf das Jahr 9.300, was 2.000 Jahre (7.300 BP) früher ist als Aksu (2002). Die Höhe des Sedimentdammes am Bosporus sinkt von (2002) -15 m unter NN auf (2022) nunmehr -35 m unter NN.

In Aksa (2002) sinkt der Wasserspiegel des Schwarzen Meeres kontinuierlich; jenes des Marmarameere ebenfalls, wenn auch langsamer. Um 12.000 BP liegen die Wasserspiegel der drei Meere gemeinsam auf gleicher Höhe und das Marmarameer verbindet sich mit der Ägäis. In Aksa (2002) steigen ab 12.000 BP die miteinander verbundene Ägäis und das Marmarameer laufend an, jedoch ohne Wasser in das Schwarze Meer zu liefern, da die Sohlschwelle des Bosporus auf -15 m unter NN gelegen sei. Demgegenüber sinkt der Wasserspiegel des Schwarzen Meeres durch Verdunstung bis -160 m Tiefe. Erst mit dem Durchbruch des Marmarameeres um 7.300 BP wird das Schwarze Meer mit einer Katastrophe plötzlich aufgefüllt.

In Aksa (2022) sind seit 25.000 BP sowohl das Schwarze Meer als auch das Marmarameer bis ca. -90 m trocken gefallen, wobei die beiden Meere nicht miteinander verbunden sind und das Marmarameer eine bessere Wasserzufuhr zu haben scheint; das Weltmeer liegt auf -120 m unter NN. Mit der beginnenden Eisschmelze um 18.000 BC kommt es für 2.000 Jahre durch den Schmelzwasserzustrom zu einem starken Anstieg des Schwarzmeerwasserspiegels, das auch in das Marmarameer ausfloss. In der Folge fällt das Schwarze Meer rapide bis auf -160 m trocken. Ab 14.000 BP ist das Marmarameer mit der Ägäis verbunden und beide haben den gleichen Anstieg der Wasserspiegel. Im Jahr 9.470 (sic!) vor heute erreicht das Marmarameer die Sohle des Bosporus in -30 m unter NN und füllt das Schwarze Meer in kürzester Zeit um 90 m Höhendifferenz auf.


Yanko-Hombach, Valentina et al. (2007):Controversy over the great flood hypotheses in the Black Sea in light of geological, paleontological, and archaeological evidence.; Quaternary International; Volumes 167–168, June 2007, Pages 91-113. → Wesentlicher Inhalt von Yanko-Hombach

Ein weiteres Element wurde dann von Wissenschaftlern aus der ehemaligen Sowjetunion in die Kontroverse eingebracht. Sie und ihre Kollegen waren der Ansicht, dass es tatsächlich eine katastrophale Überschwemmung des Schwarzen Meeres gegeben hatte, die jedoch fast 10 000 Jahre früher stattfand als Ryan und Pitman angenommen hatten. Sie brachte Nachweise, dass das Abschmelzen des Eises während des Spätpleistozäns vor etwa 18.000 Jahren zu einer erheblichen Ausdehnung des Schwarzen Meeres führte und brachten das folgende Szenario: Das schnelle Abschmelzen des nordeuropäischen Inlandeises vor 18-17.000 Jahren führte zu einem massiven Abfluss von Wasser in die nach Süden fließenden Flüsse. Der Pegel des Kaspischen Meeres stieg um mehr als 100 Meter an und erreichte einen Wert, der etwa 50 Meter über dem heutigen lag. Dadurch wurde die Mündung der Wolga zurückgedrängt, was schließlich zu einem immensen Wasserabfluss in die Hochwasserentlastungsrinne Manych und von dort über das Asowsche Meer ins Schwarze Meer führte, wo sich das Wasser aus den eigenen Zuflüssen addierte. Infolgedessen stieg der Pegel des Schwarzen Meeres von seinem tiefsten Punkt aus um etwa 100 Meter an und lag zu Beginn der Jüngeren Dryas vor etwa 12.900 Jahren etwa 20 Meter unter dem heutigen Stand und floss damit in das Marmarameer ab. Der Landverlust in der Region könnte die damals dort lebenden Jäger und Sammler gezwungen haben, in andere Gebiete umzuziehen, wodurch die Bevölkerungsdichte zunahm und der Übergang zu einer bäuerlichen Kultur begünstigt wurde; außerdem entstand die Legende von der großen Flut. Während der kalten, trockenen Jüngeren Dryas sank der Pegel des Schwarzen Meeres um etwa 15 Meter, und die Verbindung, die während der großen Überschwemmungen durch den Bosporus zum Marmarameer hergestellt worden war, wurde wieder unterbrochen.


Einfügung: Zwischenzeitlich hatte Ryan einige seiner Ansichten geändert. Da bekannt war, dass sich die Strontium-Isotopenverhältnisse in Meeresumgebungen von denen in Süßwasser unterscheiden, wurde er durch Messungen der 87Sr/ 86Sr-Verhältnisse in Muscheln davon überzeugt, dass der katastrophale Durchbruch des Mittelmeers ins Schwarze Meer vor 9.400 Jahren stattgefunden habe.

[Anm.: Das Datum "9.400 Jahre" scheint nun wie in Stein gemeißelt und nicht mehr in Frage gestellt.]


Yanchilina, Anastasia et. al. (2017):Zusammenstellung geophysikalischer, geochronologischer und geochemischer Daten deutet auf eine rasche Überflutung des Schelfs des Schwarzen Meeres durch das Mittelmeer und eine anschließende erhebliche Versalzung im frühen Holozän hin - Compilation of geophysical, geochronological, and geochemical evidence indicates a rapid Mediterranean-derived submergence of the Black Sea's shelf and subsequent substantial salinification in the early Holocene. Marine Geology Volume 383, 1 January 2017, Pages 14-34. → Wesentlicher Inhalt von Yanchilina

Yanchilla kam nach enorm aufwändigen Untersuchungen zu einem (mithilfe von Stalagmiten-Daten von Fleitmann: siehe die folgende Literaturstelle) zu einem kalendermäßig ermittelten Datum für den Durchbruch des Schwarzen Meeres mit 9.300 Jahre vor heute, das sie später wegen methodischer Kritik auf eher 9.350 bis 9.375 Jahre anhoben.

Fleitmann, D., et al. (2015):Umwelt- und Klimadynamik während der letzten beiden Glaziale und Interglaziale in der Schwarzmeer/Nordanatolischen Region in Buch: Integrated Analysis of Interglacial Climate Dynamics (INTERDYNAMIC) (S.121-126) November 2015. → Wesentlicher Inhalt von Fleitmann


Diskussionen zur Neolithisierung Westanatoliens und Griechenlands (~ 7.400 v. Chr.)

Brami/Heyd verschieben griechischen Beginn um 1.000 Jahre auf 6.450 v. Chr.

Brami, M. u.Heyd, V. (2011). → The origins of Europe's first farmers: The role of Hacilar and Western Anatolia, fifty years on. Praehistorische Zeitschrift, 86(2), 2011, S. 165-206.

Brami und Heyd geben vor, dass sie sich objektiv mit den Ursprüngen der ersten Bauern in Europa befassen wollen. Es ist aber recht offensichtlich, dass sie Daten einseitig in ihrer Zielrichtung "verbiegen", um das erwünschte Ergebnis zu erzielen. Dem soll hier näher nachgegangen werden.

Brami und Heyd schreiben, dass "jüngste Entdeckungen ein neues Licht auf die Herkunft von Europas ersten Neolithikern" werfen würden. Nach "einer nochmaligen Evaluierung der absoluten und relativen Chronologien, die in dieser Arbeit vorgeschlagen werden ... seien es wiederholte Migrationen aus dem zentralanatolischen Plateau, und darüber hinaus aus der Levante, die in der zweiten Hälfte des 7. Jahrtausends v. Chr. wahrscheinlich die neolithische Lebens- und Wirtschaftsweise nach Europa gebracht haben. Nachweise für noch frühere neolithische Ausbreitungen blieben hingegen nach wie vor unsicher."

Es geht ihnen vor allem darum, dass "Stätten, die bis in die Mitte des 7. Jahrtausends v. Chr. zurückreichen und damit mit dem Frühneolithikum in Griechenland und auf dem Balkan zeitgleich sind, an der Ägäisküste der Türkei und in der Marmararegion" nicht vorkommen. Insbesondere wird von ihnen in Frage gestellt, dass "die Radiokarbondaten und die Klassifizierung der keramischen Phasen in Griechenland darauf hindeuten, dass das griechische Neolithikum im Vergleich zum westanatolischen Neolithikum älter ist" und dass "diese Diskrepanz mit Verzerrungen in der Forschung zusammenhängt."

Um das zu belegen, nehmen sie eine ziemlich einseitige und durchsichtige "Neubewertung der bestehenden Chronologien durch eine sogenannte Qualitätsbewertung der in Westanatolien, Griechenland, Thrakien und Mazedonien verfügbaren Radiokarbondaten vor, indem sie durch nicht begründete "Ausreißer-Eliminierung" ihrem Ziel näher kommen. Das soll im folgenden anhand einseitiger Veränderungen bzw. "Manipulation" der bestehenden Radiokarbondaten aufgezeigt werden. Zum Nachweis dieser Behauptung werden die entsprechenden Grafiken angeführt.

Alle Radiokarbondaten für das früheste Neolithikum in Griechenland

Die nebenstehende Abbildung von Brami und Heyd (2011, fig. Nr. 6) zeigt die "Verteilung aller Radiokarbondaten (kalibriert, bei 2σ) für das früheste Neolithikum in Griechenland, unabhängig von ihrer Qualität. Die Daten sind in chronologischer Reihenfolge angeordnet."

Wie direkt zu erkennen, beginnt das früheste Neolithikum in Griechenland um ca. 7.500 v. Chr. mit anfangs wenigen Daten, die zwischen 7.000 und 6.500 v. Chr. deutlich anwachsen und zw. 6.500 und 6.000 v. Chr. breiten Raum einnehmen.

Brami und Heyd meinen, dass "die absoluten Altersdaten aus Griechenland im Allgemeinen schlechter sind, da viele in den ersten Jahrzehnten der Radiokohlenstoffdatierung gewonnen wurden." und "Ein weiteres Problem der Datenbank ist die fast ausschließliche Verwendung von Holzkohle als Datierungsmaterial. Holzkohle ist und bleibt ein wichtiges Material für die Datierung, aber es gibt inhärente Probleme, die ihre Zuverlässigkeit einschränken." Nicht identifizierte Holzkohlenproben werden von ihnen wegen eines möglichen "Altholz-Effekts" ausgeschieden weil auch Pfosten von früheren Bauperioden stammen könnten. Weiters schieden sie Datierungen mit größeren 2σ-Werten aus ebenso wie besonders alte Daten, die ihnen "unzuverlässig" schienen.

Korrigierte Radiokarbondaten von Griechenland unter Ausschluss von Daten mit 2σ > 100 a und „unzuverlässigen“ Holzkohleproben

Auf diese wenig elegante und durchsichtige Vorgangsweise elimieren Brami und Heyd 1.000 Jahre der ältesten neolithischen Besiedlung Griechenlands. Sie beschriften ihre Abbildung 7 (siehe die nebenstehende Abbildung) wie folgt: "Verteilung der Radiokarbondaten (kalibriert, bei 2 σ) für das früheste Neolithikum in Griechenland, diesmal unter Ausschluss aller Daten mit Standardabweichungen größer oder gleich 100 Jahre und derjenigen, die aus unzuverlässigen Holzkohleproben (z. B. Holzkohle und Sediment) gewonnen wurden. Die Autoren kommen aufgrund ihrer Qualitätsbewertung zum Schluss, dass die erste neolithische Besiedlung in Griechenland konsistent kurz nach 6450 cal. v. Chr. bei 2σ stattgefunden hat. Die gestrichelte Linie gibt den Standard an, der sich aus den Daten von Nea Nikomedeia ergibt. Die Daten, die statistisch gesehen unter diesen Schwellenwert fallen, stammen aus den Höhlen von Theopetra u. Franchthi, an denen Fehler bei der stratigraphischen Zuordnung der Ebenen formell nicht ausgeschlossen werden können."

In der Folge schreiben Brami und Heyd nach Eliminierung von 14 Daten ("fragwürdige" Daten, an sich "sehr alte" (sic!) Daten u.ä.m.), dass auch das griechischen Makedonien - ebenfalls - kurz nach 6450 cal v. Chr. bei 2σ besiedelt worden sei, obwohl das Frühneolithikum in dieser Region archäologisch als etwas jünger angesehen wird als das in Thessalien und in Zentral- sowie Südgriechenland.


Radiokarbondaten für das früheste Neolithikum in Westanatolien

Brami und Heyd liefern nun einen Datensatz von Westanatolien (siehe die nebenstehende Abbildung), bei dem sie aber bei den Daten fast nichts verändert haben - und man erkennt die hohe Ähnlichkeit mit den korrigierten Daten von Griechenland.

Weiters schreiben sie bzgl. Westanatolien, dass "hier vor allem im westlichen Teil der türkischen Seenplatte die spätneolithischen Fundstellen von Hacılar, Höyücek und Bademapacı um 6450-6200 cal. v. Chr. bei 2σ besiedelt worden zu sein scheinen. Radiokarbondaten aus dem Basalniveau der Fundstelle von Mentese setzen den Beginn des Neolithikums in der Region Marmara kurz nach 6450 cal. v. Chr. bei 2σ. Außerdem wird dieses Ergebnis durch vier Daten aus der Ebene IV in Hoca Çeşme nahe den Dardanellen bestätigt. Es werden zwar noch weitere Daten benötigt, es scheint aber, dass ganz Westanatolien von neolithischen Gruppen kurz nach 6450 cal. v. Chr. bei 2σ und vielleicht schon etwas früher besiedelt wurde." und sie kommen zum Schluss: "Vergleicht man die Daten aus Westanatolien und Südosteuropa, so zeigt sich, dass die neolithischen Stätten mehr oder weniger gleichzeitig kurz nach 6450 cal. v. Chr. bei 2σ auf beiden Seiten der Ägäis auftraten, während die Regionen nördlich der Ägäis und im südlichen Balkan erst in einem zweiten Schritt neolithisiert wurden. Die Gleichzeitigkeit der Fundstellen in Westanatolien und Griechenland deutet auf einen gemeinsamen Expansionshorizont der neolithischen Lebensweise hin."

Kritik an Brami und Heyd: Griechisches Neolithikum doch um 7.400 v. Chr.

Kritik an Brami und Heyd (2011)

Brami und Heyd haben offenbar das Ziel, die Neolithisierung von Anatolien ausgehen zu lassen. Da die dortigen Daten zu spät einsetzen, müssen eben die Daten von Griechenland gedrückt werden. Ihre Eliminierung von Radiokohlenstoffdaten wirkt durchsichtig, manipulativ und manchmal beinahe lächerlich:

  • Untersuchungen von Holzresten zeigen, dass bedeutende Holzstrukturen, wie z. B. Pfosten, oft entfernt und in mehreren Bauphasen wiederverwendet wurden. Solche hölzernen Überreste werden mit Sicherheit Daten liefern, die älter sind als der Kontext. [Argument ist völlig unverständlich: Da hat dort eben bereits früher jemand dort gesiedelt - was zu beweisen war.]
  • "Altholz"-Effekt (Eiche ist langlebig; altes Kernholz beeinflusst wahrscheinlich die Datierung. Wie Brami und Heyd zur Ansicht kommen, dass Neolithiker z.B. 500 Jahre altes Eichen-Kernholz als Brennholz verwendet hätten, ist nicht nachvollziehbar.)
  • Wenn es keine Angaben zur Proben-Beschaffenheit gibt, sei "Altholz"-Effekt nicht ausschließbar.
  • In einigen Fällen sei die anthropogene Herkunft der Holzkohleprobe nicht eindeutig nachweisbar.
  • Grundlose Vermutung von Verunreinigungen des Holzkohlematerials bei alten Daten.
  • Die Siedlungsebene könnte gestört sein.
  • Vermutung, dass vier Daten aus einer einzigen Knochenprobe von Schafen (Ovis) gewonnen wurden.
  • "Präkeramische" Phase vor 6450 BC beruht auf Daten, deren Qualität zumeist schlecht ist.
  • Zwei sehr frühe Daten ... sind auffallend alt und sollten daher mit Vorsicht behandelt werden.

Die Schlussfolgerungen von Brami und Heyd: "Die Erforschung des Neolithikums in Westanatolien ist eng mit der Frage nach den Ursprüngen der ersten Bauern Europas verknüpft. In seinen frühen Schriften ging Mellaart von einer "gemeinsamen Abstammung" der südosteuropäischen neolithischen Gemeinschaften in Westanatolien aus (Mellaart 1960, 90). Die vorliegende Arbeit hat gezeigt, dass diese Ansicht auch heute noch Gültigkeit hat." und "So wird beispielsweise seit langem auch darüber diskutiert, ob die frühneolithischen Gesellschaften in Griechenland vor denen in Westanatolien entstanden sind. Die neuen Fundstellen in der Türkei wurden in ein breiteres chronologisches Schema integriert, um zu zeigen, dass die neolithischen Gesellschaften auf beiden Seiten der Ägäis kurz nach ca. 6450 cal. v. Chr. entstanden sind." sind unrichtig und unnötig: Die neolithischen Bauern auf dem Schelf des Schwarzen Meeres stammen ja ursprünglich sicher vom Fruchtbaren Halbmond und in der Folge aus Anatolien.

Die wesentliche Fragestellung nach ihrer gezielten Eliminierung von Radiokohlenstoffdaten lassen Brami und Heyd unbeantwortet, nachdem sie den Beginn der Besiedlung durch die Neolithiker in ganz Westanatolien und in ganz Griechenland auf die Zeit um 6.450 v. Chr. geschoben haben: nämlich nach dem gleichzeitigen und plötzlichen Auftreten solcher Massen an Neolithikern um 6.450 v. Chr. und ihrer Herkunft.

Kritik an Brami (2015)

Brami wiederholt in seiner Veröffentlichung → A graphical simulation of the 2,000-year lag in Neolithic occupation between Central Anatolia and the Aegean basin aus 2015 die obigen Argumentationen von 2011 gegen die griechischen Daten. In der hier angeführten instruktiven Grafik LINK: "Summed distribution of calibrated radiocarbon dates" hat Brami wiederum die (griechischen) Daten mit einem größeren Zeitbereich (> 100 Jahre) unterdrückt - vgl. die Bildunterschrift. Trotzdem ist in der Grafik klar zu erkennen, dass das Neolithikum in Zentral-Anatolien (8.300 BC) rd. 2.000 Jahre vor West-Anatolien (um 7.000 BC) beginnt. Obwohl Brami bei Griechenland Daten unterdrückt hat, beginnt dort das Neolithikum aber bereits um 7.400 v. Chr..

Weiters wird aus dieser Grafik deutlich, dass es keine "Entvölkerung" von Zentral-Anatolien gegeben hat - weder um 6.450 v. Chr. - dem von Brami und Heyd 2011 genannten Datum für den massiven Beginn des Neolithikums in Griechenland und West-Anatolien -, noch um 7.400 v. Chr., dem tatsächlichen Beginn des Neolithikums in Griechenland. Dementsprechend stammen diese Neolithiker in Griechenland und West-Anatolien (und der Ägäis) nicht aus Zentral-Anatolien.

In einer weiteren Veröffentlichung von Brami und Zanotti in 2015: → Modellierung der anfänglichen Ausbreitung des Neolithikums aus Anatolien werden in der Abbildung 8A-D der zeitliche Beginn des Neolithikums als "Summenwahrscheinlichkeitsverteilungen der kalibrierten Radiokarbondaten" in den vier Zielregionen: A: Zentralanatolien; B: Westanatolien; C: Griechenland und D: Thrakien dargestellt. Demnach beginnt das Neolithikum in Zentral-Anatolien 8.500 BC; in West-Anatolien 7.000 BC; in Griechenland 7.500 BC und in Thrakien 6.000 BC. Die beiden Autoren finden auch die folgende Feststellung für notwendig (Zitat): "In Zentralanatolien kann kein regionaler Bevölkerungszusammenbruch vor ca. 6000 cal BC festgestellt werden." Ein solcher ist in der ganzen Datenreihe von Zentral-Anatolien in der Abbildung 8A nicht zu erkennen.

Diskussionen in der Literatur zur Herkunft des Neolithikums um die Ägäis

Vorgeschlagene Kolonisierungsrouten zur Neolithisierung von Westanatolien

Horejs et al. (2015): → Die Ägäis im frühen 7. Jahrtausend vor Christus: Maritime Netzwerke und Kolonisation Journal for World Prehistory (2015) 28:289–330.

Da es die bekannte Lücke zwischen den mesolithischen Funden in der Ägäis, im Nordwesten und Südwesten Anatoliens und den ersten Bauern und Hirten im frühen Neolithikum zu schließen, definieren wir Cukurici und Ulucak als Pionier-Standorte, die von Neuankömmlingen gegründet wurden. Auch Barcin Hoyuk in der Marmara-Region scheint ebenfalls ein Pionierstandort zu sein. Cukurici zeigt eine Gemeinschaft, die auf Ackerbau und Viehzucht, Muschelfischerei und Fischfang beruhte. Diese besonderen Technologien und Fähigkeiten zur Seefahrt wurden wahrscheinlich von Neuankömmlingen an diesen Ort gebracht. Es ist unbestreitbar, dass die Neolithisierung der mediterranen Küstengebiete durch mobile Gruppen und die Verbindung zur Seefahrt beeinflusst wurde. Wir argumentierten für die ostägäischen Küstendörfer und insbesondere für Cukurici Hoyuk eher für maritime Besiedlungswege als eine terrestrische Migration aus dem anatolischen Binnenland.

Wir schlagen eine maritime Kolonisierung im 7. Jahrtausend v. Chr. über Routen vom .östlichen Mittelmeer in die östliche Ägäis vor (siehe die Abbildung). Die Neuankömmlinge brachten ihr nautisches Know-how (von der Levante?) mit, das höchstwahrscheinlich mit den Seeverkehrsnetzen des östlichen Mittelmeers verbunden war. Ihr Wissen über Routen, Navigation und alle Aspekte einer erfolgreichen Seefahrt scheinen von Gruppen im frühen 7. Jahrtausend v. Chr. bei der Erkundung des Zentrums der anatolischen Ägäisküste genutzt worden zu sein, um einige der ersten dauerhaften Siedlungen in der Region zu errichten. Obwohl die Frage nach der Herkunft der Kolonisatoren offen bleiben muss, wurde eine Beziehung zur neolithischen Kernzone, insbesondere zur Levante, auf der Grundlage von Technologie, Material und materiellen Praktiken diskutiert. Die Mehrzahl der charakteristischen PPNB-Elemente in der Levante und im oberen Mesopotamien fehlen in Cukurici Hoyuk aber mit Sicherheit.


Çilingiroğlu Çiler (2017): → Die Ägäis vor und nach 7000 v. Chr. Ausbreitung: Definition von Mustern und Variabilität. Neo-Lithics 1(16): 32-41. ciler.cilingiroglu.unlusoy@ege.edu.tr

Das ägäische Mesolithikum der Jäger und Sammler, das im 9. und 8. Jahrtausend v. Chr. in der Ägäis blühte, endete um 7000 v. Chr. und markierte eine neue prähistorische Ära mit neuen Ankömmlingen. Eines der interessantesten Merkmale der frühneolithischen Fundstellen um die Ägäis ist der Mangel an Vielfalt und Reichtum in der materiellen Kultur. Die typischen Gegenstände des südwestasiatischen und zentralanatolischen Neolithikums wie Tonstempel, Figurinen, Spinnwirtel sind hier kaum zu finden. Die Bauern-Hirten-Stätten um die Ägäis des frühen 7. Jahrtausends v. Chr. wurden von Gruppen mit enger genetischer Verwandtschaft bewohnt und diese frühen Ackerbauern Zentralanatoliens, Westanatoliens, Griechenlands und sogar Mitteleuropas und des westlichen Mittelmeers sind eine homogene Gruppe mit gemeinsame Vorfahren im östlichen Mittelmeerraum ohne Vermischung mit den lokalen Wildbeutern.

Der auffälligsten Aspekte dieses Prozesses ist seine Schnelligkeit im Vergleich zu den neolithischen Entwicklungen in Zentralanatolien. Das Frühneolithikum um die Ägäis hat alle vier Haustierarten; in Zentralanatolien gab es aber keine Hausrinder und keine Hausschweine. Die Haltung dieser Tiere erfordert aber ein enzyklopädisches Wissen. Das Erkennen dieses Musters veranlasste Zooarchäologen, auf eine vom Menschen vermittelte Mobilität von Herdentieren über Küstenschifffahrt zu schließen, was das wahrscheinlichste Szenario ist. Der recht schnelle Prozess der Ausbreitung im frühen 7. Jahrtausend v. Chr. wurde durch eine küstennahe Mobilität, verbessertes Navigationswissen und maritimer Technologie ermöglicht und erleichterte die recht schnelle Bewegung von Menschen zusammen mit ihrer schweren und lebendigen Ladung wie Hausrindern, Schweinen, Schafen und Ziegen, ganz zu schweigen von Ladungen von Getreide und Hülsenfrüchten.


Horejs, Barbara (2019): → Lange und kurze Revolutionen zum Neolithikum in Westanatolien und der Ägäis. Documenta Praehistorica 46: 68–83. (ÖAW: Inst f. Orientalische u. Europäische Archäologie: barbara.horejs@oeaw.ac.at)

Im 9. und 8. Jahrtausend v. Chr. gab es zwei verschiedene kulturelle Weltsysteme: einerseits das ägäische Mesolithikum (Steinwerkzeuge zeigen, dass auch die Landschaft am Nordufer des Bosporus und die Marmara-Küstengebiete sowie Gallipoli-Halbinsel und Insel Lemnos von den Jägern, Fischern, Sammlern genutzt wurden.), andererseits einem Neolithikum (Bauern) in den "Kernzonen" Südwestasiens (Zentralanatolien, Levante).

Die neolithische Lebensweise beginnt in in den Regionen Griechenland, Ägäis und Westanatolien zeitgleich und abrupt und ist in allen wesentlichen Aspekten, wie Ackerbau, Viehzucht (Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine) und Sesshaftigkeit, bereits voll entwickelt. Die Pionierstätten rund um die Ägäis wurden also von Neuankömmlingen gegründet und diese brachten die neuen neolithischen Subsistenzstrategien (Tiere und Pflanzen) zusammen mit anderen sozialen und kulturellen Elementen - die alle wichtigen Aspekte des individuellen und gemeinschaftlichen Lebens betrafen - mit. Mehrere Autoren haben für die Ausbreitung der Neolithiker entlang der Mittelmeerküsten unter Umgehung Zentralanatoliens (wo Rinder und Schweine nicht vorkommen) argumentiert. Das Modell eines ägäischen Neolithikums, das sich von dem der Levante unterscheidet, ist inzwischen weitgehend akzeptiert. („… the model of an Aegean Neolithic pathway that is different from the Levant is now widely accepted.“) Die Gründung der ersten Gemeinschaften von Ackerbauern und Viehzüchtern auf dem griechischen Festland und in der Westtürkei erfolgte in Gebieten, die sich gut für den Ackerbau eigneten. Die Wanderung von Menschen ist daher das derzeit am besten passende Modell für die Neolithisierung der Ägäis und Westanatoliens. Der Auslöser für diese Entwicklungen bleibt eine offene Frage.

Der Zeitraum lässt sich auf 7000 bis 6600 cal v. Chr. datieren; eine genauere Datierung ist aufgrund eines Plateaus in den aktuellen Radiokohlenstoffkalibrierungskurven leider nicht möglich. ( „The aprupt arrival oft he Neolithik: … unfortunately a more precise date cannot be achieved due to a plateau in the current radiocarbon calibration curves.")


Leppard, Thomas (2022, June): → Prozess und Dynamik der mediterranen Neolithisierung (7000-5500 v. Chr.) Journal of Archaeological Research 30(16): p. 1-53.

Die Prozesse der Domestizierung von Tieren und Pflanzen waren nicht auf eine Kernzone beschränkt, wie bisher angenommen wurde, sondern sie entwickelten sich in einem breiten Gebiet von Anatolien über die Levante, Mesopotamien, und die persische Hochebene. Das Ergebnis war um 7000 v. Chr. ein breiter Streifen von vor-keramischen neolithischen Gemeinschaften in ganz Südwestasien mit zunächst Ziegen und Schafen, später Schweinen und Rindern, neben Getreide und Hülsenfrüchten, darunter Emmer und Einkorn, Nacktweizen, Gerste, Erbsen, Linsen, Kichererbsen und Flachs. Der Bedarf an klingenorientierter Steinindustrie (Erntegeräte) ist offensichtlich.

In Zentralanatolien gab es seit dem 9. Jahrtausend v. Chr. Bauerngemeinschaften, so dass es bemerkenswert ist, dass es bis etwa 7.000 v. Chr. keine Belege für Landwirtschaft westlich von Zentralanatolien gibt. Es ist bemerkenswert, dass dann Belege des südwestasiatischen Neolithikums weitgehend synchron in der Zirkum-Ägäis auftauchen: im westlichen Anatolien, Thessalien, Kreta und Mazedonien. Die Ausbreitung des Neolithikums erfolgte plötzlich und beinhaltete die vollständige Ersetzung der mesolithischen Jäger-Sammler-Ökonomien durch die komplette südwestasiatische Palette an Domestiken. Neue Belege für eine dichte neolithische Besiedlung an der anatolischen Küste, in der Nähe des Marmarameers und der thrakischen Küste haben an diesem Gesamtbild wenig geändert.

Hacılar, am Rande des anatolischen Neolithikums gelegen, bleibt ein [möglicherweise erhellender?] Faktor. Wenn das Radiokarbondatum, das auf 8282-7468 cal BC bei 2σ rekalibriert wurde, zulässig ist, dann könnte die Stätte als a-keramische neolithische Verbindung zwischen dem neolithischen Landesinneren und Westanatolien [Anm.: oder dem Schwarzen Meer?] angesehen werden.

Die zirkum-ägäischen Fundorte sind trotz einiger kontextueller Unterschiede in der materiellen Kultur und Architektur in ihrer wirtschaftlichen Organisation vergleichbar, wobei alle wichtigen südwestasiatischen Domestiken vertreten sind. Sie stellen aber einen radikalen Bruch mit dem früheren Mesolithikum in Bezug auf Architektur, materielle Kultur und technologische Organisation dar.

Mehrere Wissenschaftler haben, aufbauend auf einer frühen Arbeit (Broodbank und Strasser, 1991), vorgeschlagen, dass die Geschwindigkeit der Neolithisierung, die Vollständigkeit der Übertragung aller Domestiken und der gemeinsamen materiellen Kultur und wahrscheinlichen maritimen Routen dieser Übertragung auf einen Prozess der "Pionierkolonisation" hindeuten, bei dem sich frühe landwirtschaftliche Gemeinschaften schnell von der anatolischen Küste ausbreiten.

Wegen der Belege für seefahrende mesolithische Populationen in der Ägäis am Vorabend des siebten Jahrtausends scheint es sehr wahrscheinlich, dass Pionier-Ackerbaugemeinschaften Kontakt mit bestehenden Jäger- und Sammlergruppen hatten und deren nautisches Wissen nutzten. [Anm.: Diese Vermutung wird aber von einem absoluten Bruch zwischen mesolithischen und frühesten neolithischen Sequenzen konterkariert.]

Die weitere Ausbreitung des Neolithikums verlief terrestrisch nach Norden in Richtung Donau und auch nach Westen über das Pindos-Gebirge an die Adria und weiter in Richtung westliches Mittelmeer. Der mutmaßliche Ausgangspunkt dieser letztgenannten Küstenachse ist die südwestliche Balkanhalbinsel.


Broodbank (1991):Migrant Farmers and the Neolithic Colonization of Crete, Antiquity , Volume 65 , Issue 247 , June 1991 , pp. 233-245.

Da sich die obigen Autoren mit ihrer Argumentation einer maritimen Besiedlung um die Ägäis aus Südwestasien/Levante durchwegs auf Broodbank berufen: Broodbank-Zitate von Horejs et al. (2015): 19 x; Çilingiroğlu (2017): 7 x; Horejs (2019): 7x und Leppard (2022): 17 x; werden dessen wesentliche Aussagen kompakt gebracht.

Die ersten Domestiken in Knossos auf Kreta repräsentieren das gesamte neolithische "Paket" an Fauna und Flora, das von Kolonisten mitgebracht wurde. Die Besiedlung Kretas wird von Broodbank und Strasser anhand von Alternativen diskutiert. Als wahrscheinlich wird „Inselhüpfen“ mit Abständen zwischen den Inseln von jeweils rd. 30 km angesehen.

Die kolonisierende Gruppe dürfte rd. 10 Familien mit 40 Personen betragen haben. Die Anzahl der Individuen der vier Haustierarten betrug wohl zwischen 10 und 20 je Art (gegen Inzucht, genetisch variantenreich, fortpflanzungsfähiges Alter), für die tiefgehendes Wissen um Zucht und Haltung erforderlich waren. Damit ergibt sich für den Transport der Kolonisten folgende Fracht: 250 kg Getreide je Person (alle Arten; für Nahrung und erste Aussaat). Damit und mit dem Gewicht der Tiere ergeben sich für die Besiedlung Transportgewichte von 15 – 20.000 kg. Durch die Mitnahme von Futter und etwas Trinkwasser für Tier und Mensch würde diese Schätzung deutlich erhöht.

Als Boote für die Überfahrt sind keinesfalls die leichten Boote der mesolithischen Jäger und Sammler möglich. Die neolithischen Bauern brauchten aber wasserdichte und sehr stabil konstruierte Boote, um die schwere Fracht und die lebenden Tiere transportieren zu können. Man könnte sich Paddelboote oder Baumstämme vorstellen. Die Ladung macht es notwendig, eine Flotille von 10-15 Booten anzunehmen, die jeweils 2 Tonnen Ladung transportieren. Die Schiffe wurden gepaddelt, da Segel erst Jahrtausende später auftauchen.

Die Abreise erfolgte nach der Sommerernte und früh genug, um geeignete Flächen für die Aussaat im Spätherbst zu finden und zu roden. Die Überfahrt muss mit den Tieren an Bord so rasch wie möglich erfolgen, da die Haustiere Wasser (und Futter) brauchen. Vor allem die kräftigen Rinder lassen sich während des Transports nur schwer füttern und tränken und wären nach ein paar Tagen praktisch nicht mehr im Zaum zu halten.

Die schwere Ladung und der Paddelantrieb (4 Paddler pro Boot) sprechen bei wechselnden Wind- und Strömungsverhältnissen für eine sehr langsame Fortbewegung von ca. 15 km pro Tag. Die direkte Überfahrt vom Festland nach Kreta mit 102 km wäre mit Vieh an Bord nicht möglich gewesen. Dementsprechend musste eine Strecke mit Zwischenstationen auf Inseln gewählt werden.

Erfließende Argumente gegen eine Neolithisierung um die Ägäis aus der Levante

1.300 km Distanz einer Besiedlung Westanatoliens aus Levante
  • Die vorigen Autoren beziehen sich in ihrer Argumentation einer maritimen Besiedlung um die Ägäis aus Südwestasien/Levante durchwegs auf ursprünglich nur eine alte (migrationistische) Veröffentlichung aus 1991: Broodbank und Strasser (1991), die sich zudem auf die deutlich spätere Besiedlung Kretas von Griechenland aus bezieht.
  • Da Griechenland, Westanatolien und viele Inseln der Ägäis gleichzeitig und plötzlich besiedelt wurden erhebt sich die Frage, woher diese Menschenmassen plötzlich gekommen sein könnten. Weder in Zentralanatolien noch in der Levante gibt es einen plötzlichen und massiven Bevölkerungsrückgang. Ganz im Gegenteil gibt es in Zentralanatolien zwischen 7.500 und 6.400 v. Chr. einen kontinuierlichen Anstieg der Bevölkerung (vgl. die Grafik in → Brami (2015): "distribution of calibrated radiocarbon dates").
  • Eine genaue Datierung ist aufgrund eines Plateaus in den heute verfügbaren Kalibrierungskurven des Radiokohlenstoffs nicht möglich.
  • Es ist bemerkenswert, dass Funde, die auf das Kerngebiet (Zentralanatolien, Levante, Mesopotamien) des Neolithikums hinweisen, weitgehend synchron in der Zirkum-Ägäis auftauchen: im westlichen Anatolien, Thessalien, Kreta und Mazedonien.
  • Andererseits wird vermerkt, dass die typischen Gegenstände des südwestasiatischen und zentralanatolischen Neolithikums wie Tonstempel, Figurinen, Spinnwirtel kaum zu finden sind.
  • Hacılar, am Rande des anatolischen Neolithikums gelegen, bleibt ein [möglicherweise erhellender?] Faktor. Wenn das Radiokarbondatum, das auf 8282-7468 cal BC bei 2σ rekalibriert wurde, zulässig ist, dann könnte die Stätte als akeramische neolithische Verbindung zwischen der neolithischen Kernzone [und dem Schwarzen Meer?] angesehen werden.
  • Zentralanatolien scheidet als "Quelle" zum relevanten Zeitraum aus, da dort die Rinder und Schweine im Paket fehlten. (Da die Haltung dieser Tiere genaue Kenntnisse zu deren Zucht und Haltung erfordert, kam deren plötzlich auftauchende ägäische Viehzucht und -haltung nicht von dort.)
  • Die mesolithischen Jäger/Fischer/Sammler haben mit den Neolithikern keine (wenig) gemeinsame Geschichte. Sie waren zwar gute Seefahrer, aber hatten mit den Neolithikern keine familiären Verbindungen. Die in Frage kommenden Seefahrer waren jedenfalls Neolithiker. Inwiefern die südwestasiatischen / levantinischen Neolithiker vergleichbar gute Seefahrer waren, wird nirgends erörtert.
  • (Anm.: Die Besiedlung Zypern aus der Levante war vergleichsweise einfach, da die Fahrtstrecke (nur) rund 100 km beträgt. Andererseits sind dort die Rinder bald ausgestorben.)
  • Eine Kolonisierung aus der Levante in die Ägäis und deren Küsten erforderte angesichts der Strecke von ca. 1.300 km (vgl. die obige Abbildung) mehr als 100 Tage (ohne Zwischenstopps für das Weiden der Tiere...); dass die Rinder so lange auf den Booten ruhig gehalten hätten werden können, ist unwahrscheinlich (vgl. dazu heutzutage das erste "Austreiben von Rindern im Herbst".) Diese Reisedauer hätte auch enorme logistische Probleme mit sich gebracht (Getreidemengen, Aufbruch, Rodung, Aussaat usw.). Die Besiedlung beider Küsten der Ägäis wäre wohl nur aufgrund eines enormen Migrantionsdrucks auf große Menschenmassen zu erklären.

THESE: Schwarzes-Meer-Schelf über Hacilar vor 7.400 BC neolithisch besiedelt

Die Forschungen von James Mellaart zu Hacilar

Wie dem vorhergehenden Abschnitt zu entnehmen ist, kommen auch das südwestasiatische Gebiet / Levante als Quelle für die plötzliche und gleichzeitig erfolgte Besiedlung von Griechenland, Ägäis und Westanatolien eher nicht in Frage.

Hacılar, als deutlich ältestes und westlichstes Vorkommen von Landwirtschaft am Rand des zentral-anatolischen Neolithikums gelegen, kann aber als ursprünglich a-keramische, neolithische Verbindung zwischen der neolithischen Kernzone und dem Schwarzen Meer fungiert haben. Das Radiokarbondatum, das auf 8282-7468 cal v. Chr. bei 2σ rekalibriert wurde, passt auch zeitlich als entsprechendes Zwischenglied. Mellaart berichtet in seinem vierten Bericht (S. 72, u.) über die ältesten Schichten Harlicars: "Provisionally sheep, goat and cattle could be identified..." (Vorläufig konnten Schafe, Ziegen und Rinder identifiziert werden...) Auf der Platte XIV des 4. Berichts wird auch ein Schwein dargestellt. Damit weist Hacilar das gesamte neolithische Viehpaket auf – im Gegensatz zu jenem von Zentral-Anatolien, bei dem Rind und Schwein fehlen. Es könnte also von Hacilar das gesamte neolithische Viehpaket auf die Schelfgebiete des Schwarzen Meeres versetzt worden sein.

Im Folgenden werden die vier Berichte von Mellart zu Hacilar angeführt:

Mellaart, James:Excavations at Hacilar. First Preliminary Report, 1957.; Anatolian Studies 1958, Vol. 8; pp 127-156.

→ p. 155: "Ox, sheep, goat and pig are found in both cultures, but whereas pig is by far the most common in Thessaly, it is apparently rare at Hacilar."

Mellaart, James:Excavations at Hacilar: Second Preliminary Report, 1958.; Anatolian Studies 1959, Vol. 9; pp 51-65.

→ Dieser Bericht bringt auch Abbildungen der wunderbar bemalten Keramik.

Mellaart, James:Excavations at Hacilar: Third Preliminary Report, 1959; Anatolian Studies 1960, Vol. 10; pp 83 – 104.

p. 90 f.: In unserem "Ersten Vorbericht" (AS. VIII, 1958, S. 153-6) haben wir die Verbindungen zwischen der Hacilar- und der Sesklo-Kultur betont, wenn nicht gar überbetont. Ein Besuch in den Museen von Larisa und Athen hat gezeigt, dass zwar die Techniken und Waren praktisch identisch sind, nicht aber die Formen und gemeinsamen Motive, denn jede Kultur hat ihre eigenen Besonderheiten. Es sieht nun so aus, als ob die unbestreitbaren Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Kulturen wahrscheinlich am besten durch eine gemeinsame Abstammung und anschließende Divergenz zu erklären sind. Dazu müssen wir in eine frühere Phase zurückgehen, und es sei erwähnt, dass manche Ähnlichkeiten unübersehbar sind. Wenn dies die früheste Keramik in Griechenland ist, kann man nur sagen, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass sie nicht von Einwanderern aus Anatolien hergestellt wurde. Die Beziehungen zwischen Sesklo und Hacilar könnten vielleicht in folgendem Schema (S. 91) ausgedrückt werden, das allerdings noch durch zukünftige Ausgrabungen bestätigt werden muss.

Mellaart, James:Excavations at Hacılar: Fourth Preliminary Report, 1960; Anatolian Studies 1961, Vol. 11, pp. 39-75.

→ Dieser Bericht bringt auf den Tafeln faszinierende Abbildungen von (Göttinnen?-)Figurinen (die den späteren Figurinen von Gimbutas "Alteuropa" ähneln).

p. 72 u.: In a-keramischer Schicht: "Provisionally sheep, goat and cattle could be identified and there were a few fragments of deer antler." (Vorläufig konnten Schafe, Ziegen und Rinder identifiziert werden, und es gab einige Fragmente von Hirschgeweihen.) Auf der Platte XIV wird auch ein Schwein abgebildet.

Der Mangel an Gegenständen in den ältesten Schichten ist sehr bemerkenswert. Es wurde keine einzige Tonscherbe gefunden, und es gab auch keine Figurinen. Die üblichen Haushaltsgefäße müssen aus anderen Materialien stammen. Es wurden zwei Fragmente einer Marmorschale gefunden. Die einzigen anderen Funde sind eine polierte Axt, eine feine Knochenahle und eine Reihe kleiner Hornstein- und Obsidianklingen. Das letztgenannte Material ist fremd und musste importiert worden sein.

Die Entdeckung einer "akeramischen neolithischen" Kultur in Hacilar ist [damals] für Anatolien neu. Parallelen zwischen dem akeramischen Hacilar und dem vorkeramischen Neolithikum B in Jericho sind offensichtlich. Hier gibt es das gleiche Fehlen jeglicher Keramik, den gleichen Ahnenkult, der die Aufbewahrung von Schädeln beinhaltet, die gleichen Gipsböden, die technisch identisch sind, und einen ähnlichen Beginn der Landwirtschaft und der Domestizierung von Tieren. Zwischen den Beginn des Spätneolithikums und des Akeramikums muss ein langes Frühkeramik-Neolithikum eingeschoben werden. Typologisch müsste zumindest das akeramische Neolithikum von Hacilar dem frühesten keramischen Neolithikum vorausgehen.

Mögliche Besiedlung des Schwarzmeer-Schelfs durch die Neolithiker

Rückwärtserosion der tiefsten Mündung der Donau (Pfeil) vor der Schwarzmeer-Flut

Da der Bosporus bis vor 7.400 v. Chr. noch nicht durchgebrochen war, konnten bis zu dieser Zeit anatolische Neolithiker – vom Nordwesten der heutigen Türkei ("Hacilar"?) kommend – trockenen Fußes durch den Bosporus ziehen und sich mit dem gesamten neolithischen Paket an Tieren und Pflanzen auf den ebenen und fruchtbaren Strandplatten des Schwarzen Meeres der heutigen Türkei, von Griechenland, Bulgarien, Rumänien bis zur Ukraine niederlassen, die gegenüber dem Hochplateau von Zentral-Anatolien und Hacilar (Seehöhe um 1.000 m über NN) klimatisch besonders begünstigt waren. Diese Klimagunst war durch die vergleichsweise tiefe Lage (vgl. den tief liegenden ehemaligen Erosionskanal der Donaumündung in der Abbildung links) bedingt: je 100 Höhenmeter tiefer liegt die Durchschnittstemperatur um knapp 1 °C höher. Das bedeutet, dass die durchschnittlichen Temperaturen am Schwarzmeer-Schelf mit -120 m unter NN um rd. 10 °C höher lagen als in den Herkunftsgebieten Anatoliens (über ~1.000 m über NN). Diese klimatischen Gegebenheiten ähnelten jenen im Süden Griechenlands, der Ägäis und Westanatoliens, wie der erhellenden Eruierung der winterlichen Minimaltemperaturen im Link zur → Grafik von Maria Ivanova-Bieg um 6.000 v. Chr. des zirkum-ägäischen Raumes entnommen werden kann.




THESE: Die Schwarzmeerflut vertreibt um 7.400 v. Chr. die dort lebenden Neolithiker

Die plötzliche Vertreibung der Neolithiker vom Schelf des Schwarzen Meeres

Küstenlinie ca. 7000 v.Chr. vor der zweiten Sintflut Anastasia Yanchilina et al., Marine Geology, 2017

Als mögliche Ursache und Quelle für die plötzliche und enorm schnelle Neolithisierung Griechenlands, der Ägäis und in der Folge von Westanatolien - mit dem gesamten Neolithik-Paket - kommt die Überschwemmung der Schelfgebiete des Schwarzen Meeres in Frage, die die dort siedelnden Neolithiker mit ihrem gesamten Agrarpaket durch die 40-60 m starke → Schwarzmeer-Flut: (evaluierende Veröffentlichung in Marine Geology aus 2017) von ihren Siedlungsplätzen innerhalb einer Generation vertrieb: siehe dazu in der Abbildung rechts → das um 7.400 v.Chr. innert kurzer Zeit überschwemmte Schwarzmeer-Gebiet von etwa 40-50.000 km².

Durch den seit dem Ende der Eiszeit laufend ansteigenden Weltmeeresspiegel wurde unvermittelt und plötzlich die Überschwemmungskatastrophe ausgelöst: Als der Meeresspiegel von seinem tiefsten Niveau von minus 120 m gegenüber heute um ca. 7.400 v.Chr. die Höhe der Sohlschwelle des Bosporus (heute 36 m unter NN) erreichte, begannen sich in kurzer Zeit enorme Wassermassen aus dem Mittelmeer via Marmarameer in das Schwarze Meer zu ergießen und dieses mit einem Anstieg von etwa 2 m pro Jahr bis auf die Höhe der Weltmeere aufzufüllen. Insgesamt waren das rd. 20-30.000 km³ – das entspricht einem Zufluss des 25fachen der Donau über 30 Jahre, einen Attersee pro Tag oder den Bodensee alle zwei Wochen. In der nebenstehenden Abbildung ist das überflutete Gebiet aber zu groß dargestellt, da der damalige Wasserzustrom ja endete, wenn der Schwarzmeerspiegel die Höhe des Weltmeeresspiegels (~ 36 m minimale Tiefe der heutigen Sohlschwelle des Bosporus) erreichte. Der weitere Anstieg des Schwarzen Meeres bis auf das heutige Niveau vollzog sich in der Folge langsamer und parallel zum weiteren Anstieg des Weltmeeresspiegels. Aber auch dieser weitere Anstieg des Schwarzmeerspiegels vertrieb kontinuierlich die noch dort lebenden Bauern auf weiteren 40.000 km².

(OFFEN: siehe auch 8,2 ka-Ereignis)

Die Ausbreitung der Schwarzmeer-Neolithiker nach Griechenland und West-Anatolien

Nach Beginn der Überflutung des Schwarzen Meeres war der Bosporus ein "reißender" Strom, der wohl nicht einfach überquert werden konnte. Damit wandten sich die vertriebenen Neolithiker vorerst Richtung Griechenland und erst in der Folge nach der Auffüllung des Schwarzen Meeres und der Verringerung der Strömungsgeschwindigkeit im Bosporus auch nach West-Anatolien.

Die vor dem kontinuierlich und laufend ansteigenden Wasser klarerweise flussaufwärts flüchtenden Neolithiker nahmen das Agrarpaket (Getreideanbau und Viehwirtschaft: Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Hund) mit sich und besiedelten vorerst griechisches Gebiet und hier vor allem Thessalien und in der Folge auch das südliche Griechenland, die Ägäis und erst dann West-Anatolien.

Siedlungen in Griechenland, Westanatolien und dem südlichen Balkan sind mit den folgenden Ausgrabungsstätten vertreten (vgl. die Abb. 5 auf S. 172 in → Brami und Heyd: Die Ursprünge der ersten Bauern Europas): Hacılar, Bademapacı, Höyücek, Suberde, Çatalhöyük, Can Hasan III, Asklı Höyük/Musular, Dedecik-Heybelitepe, Çukuriçi, Yesilova, Ulucak, Ege Gübre, Agio Gala, Çalca Mevkii, An-zavurtepe, Gavurtarla, Hoca Çesme, Musluçesme, Keçiçayiri, Asarkaya, Kalkanli, Demircihöyük, Barcın, Mentes, Aktopraklık, Ilıpınar, Pendik, Fikirtepe, Istanbul-Yanikapı, Yarimburgaz, Küçükçekmece, Asapi Pınar, Knossos, Franchthi, Halai, Elateia, Achilleion, Sesklo, Argissa, Otzaki, Theopetra, Nea Nikomedeia, Azmak, Karanovo, Kovacevo, Krajnici, Cavdar, Galabnik, Vrsnik, Anza, Koprivets, Mersin, Amuq.

Der weitere Weg der Neolithiker nach Europa

Griechenland →Donautal →Plattensee →Mitteleuropa
Genomisch ermittelte neolith. Expansion ~7.000 v.Chr.

Pionierbauern wanderten von Griechenland vor 6.200 v. Chr. in einer ersten Welle in die Gegenden des klimatisch gemäßigten Europas auf den Balkan und in das Karpatenbecken und gründeten dort erste Siedlungen. Diese Bauern kamen aus Griechenland sowie Mazedonien, wohin sie zuvor vom Schwarzen Meer eingewandert waren, und brachten Samen von Emmer und Einkorn, Gerste, Erbsen sowie Ziegen, Schafe, Rinder und Schweine mit, die Jahrtausende zuvor im Nahen Osten domestiziert worden waren und nun erstmals nach Europa eingeführt wurden. Zu den materiellen Merkmalen gehörten anatolisch anmutende Töpferwaren, Werkzeuge aus Feuerstein, Ornamente, Gürtelhaken aus Knochen, breithüftige weibliche Figurinen aus Ton, Roll-Stempel zum Aufpressen von geometrischen Mustern auf Textilien, Brot, menschliche Haut usw. Die erste Nordgrenze der Ausbreitung endete an der klimatischen Grenze zwischen mediterranem Klima mit griechischer bzw. mazedonischer Flora und dem kälteren, feuchteren Klima von Südosteuropa.

Etwa um 6.200 v. Chr. überschritt eine zweite Welle von Pionieren diese Grenze. Sie „hüpften“ von einem günstigen Ort zum anderen und drangen schnell durch Griechenland und Mazedonien in das mittlere Donautal vor. Ihre kleinen bäuerlichen Siedlungen im heutigen Nordserbien und Südwestrumänien werden der frühneolithischen Starčevo- und Criş-Kultur zugeordnet. Dieser Siedlungsschwerpunkt an der Mitteldonau war Ausgangspunkt für zwei Ströme von Migranten, die einerseits donauabwärts in Richtung Ost-Rumänien sowie Bulgarien und andererseits flussaufwärts entlang des Mureş und des Körös in Richtung nordöstliches Transsilvanien gingen.

Sobald sie sich etabliert hatten, diversifizierten sich die neolithischen Bauerngemeinschaften des mittleren und unteren Donautals und entwickelten unterschiedliche regionale Kulturen. Südlich der Donau entstand auf der Hochebene im Balkangebirge in Karanovo eine Siedlung, die während des Balkan-Neolithikums und der Kupferzeit (6.200-4.300 v. Chr.) fast durchgehend bewohnt war. Wie zuvor ging die Ausbreitung der bäuerlichen Gemeinschaften nur bis zu einem gewissen Punkt und kam dann zum Stehen. Auf die anfängliche Phase schneller, weiträumiger Siedlungsbewegungen folgte eine Konsolidierungsphase. In Ungarn ergab sich südlich des Plattensees wiederum eine Grenze, die mindestens fünfhundert Jahre lang von etwa 6100 bis 5600 v. Chr. Bestand hatte.

Um 5.600-5.500 v. Chr. setzte eine weitere, dritte Welle der Kolonisation ein, die Ackerbau und Viehzucht über die Karpaten hinaus in kürzester Zeit bereits bis 5.200 v. Chr. bis an die nördlichen und westlichen Grenzen von Polen, Deutschland und Nord-Frankreich, aber auch in die Schweiz und nach Österreich brachte (vgl. die Grafik). Diese neuen Pioniere in Mittel- und Nordeuropa – die sogenannten Linearbandkeramiker – schätzten weiterhin den Spondylus-Muschelschmuck aus ihrer ehemaligen Heimat, was einen intensiven Muschelhandel befeuerte, der sich zwischen 5.500-5.000 v. Chr. von Griechenland bis nach Deutschland und Nordfrankreich erstreckte.

OFFEN: → Link zu Spondylus-Funden in einzelnen Regionen; auch in Österreich

Die Neolithiker erreichten wegen ihrer höheren Bevölkerungsdynamik (absolut höhere Kinderzahl je Frau wegen anderer Ernährung der Kleinkinder) im Vergleich zu den (wenigen) Jägern und Sammlern bald einen entsprechenden Überhang an der Gesamtbevölkerung und durch (friedfertige) Vermischung auch am Genpool der damaligen Bevölkerung.

Dort wirtschafteten sie bevorzugt mittels Brandrodung in Lößgebieten und bewirkten so die "neolithische Revolution". Eine von deren Gruppen entwickelte um 4.300 v. Chr. vor allem an ehemaligen Gletscherseen (ehemaliger Egolzwilersee, Zürichsee – Kleiner Hafner und Limmat) die hydrologische Innovation der Bewirtschaftung von Alpenrandseen und wurden zu unseren "Pfahlbauern" (vgl. hierzu das eigene Kapitel → "Die Kanal-Pfahlbauern-Kultur").

Gimbutas erkennt bei ihnen eine ausgeprägte matrilineare, matriarchalische Gesellschaftsstruktur. → Funde von Schlichtherle S. 13 ff. (Ludwigshafen, Pfyner Kultur, ~3860 v. Chr.; ORF2 "Pfahlbauten" 29.4.2022) zeigen ebenfalls in diese Richtung.




Die erste Hochkultur Alteuropas im Südosten (ab ~5.000 v. Chr.)

Ausgehend von ihren Forschungen zur Kurgan-Kultur hat sich Marija Gimbutas in der Folge auch mit der früh blühenden Kultur des "Alten Europas" im Südosten intensiv auseinandergesetzt, die später in mehreren Wellen von kriegerischen Steppenkulturen und insbesondere den kriegerischen Jamnaja-Leuten (Kurganern) besiegt und letztlich überlagert wurde. Inwieweit diese Vermischung der Kulturen bis heute und in welchen Bereichen nachwirkt, hat wesentliche Auswirkungen auf unser Selbstverständnis gegenüber der Umwelt und unser Zusammenleben.

Die Entwicklung dieser ersten Hochkultur

Cucuteni-, Varna-Kultur; Ausbreitungs-Wellen; Spondylus-Funde; links oben "Der Denker"; rechts unten "Figurinen"

Dieser Link: → Die erste Hochkultur Alteuropas im Südosten bringt das nachfolgend kompakt Dargestellte ausführlicher und detaillierter und mit den wesentlichen Ereignissen (ca. 10 Schreibseiten).

Lange vor den Zeiten Griechenlands und Roms, noch vor den ersten Städten Mesopotamiens oder den Tempeln und Pyramiden am Nil, lebten im unteren Donautal und im Balkanvorland Menschen, die ihrer Zeit in Kunst, Technik und Fernhandel weit voraus waren. Um 5.000 v. Chr. bestanden die verstreuten Bauerndörfer Bulgariens und Südrumäniens aus größeren Dörfern mit mehrstöckigen Häusern mit gerodeten und kultivierten Feldern, umgeben von Rinder-, Schweine- und Schafherden. Marija Gimbutas machte Alteuropa für seine Göttinnen berühmt. Haushaltskulte, die durch breithüftige weibliche Figurinen symbolisiert wurden, waren im gesamten Alteuropa verbreitet. Die Töpfer erfanden Brennöfen, die Temperaturen von 800 bis 1.100 °C (mit Blasbälgen) erreichten. Die Töpferöfen führten auch direkt zur Metallurgie. Schon vor 5.000 v. Chr. lernten die Schmiede des Balkan, dass sich Kupfer bei einer Temperatur von 1.100 °C in eine zähe Flüssigkeit verwandelt und dann in Formen gegossen werden kann. Gut gefertigte gegossene Kupferwerkzeuge wurden zwischen 4.800 und 4.300 v. Chr. in ganz Südosteuropa verwendet und getauscht: in Ostungarn, Serbien, Westrumänien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und Ostrumänien, was dieser Kulturstufe die Bezeichnung „Kupferzeit“ brachte.

Das bronzezeitliche Griechenland wird häufig als erste europäische Zivilisation angesehen, aber als das erste Fundament der ersten Zitadelle von Troja ausgehoben wurde, waren die mit Gold gefüllten Gräber in Varna bereits fünfzehnhundert Jahre alt. Viel früher als allgemein anerkannt, erreichte Alteuropa hohes zivilisatorischesa Niveau an technischem Können, innovativer Metallurgie, künstlerischer Kreativität, überraschend modern aussehender Keramikkunst, sozialer Komplexität und rätselhaften (religiösen) Ritualfiguren (Figurinen).


Viehzüchter aus Steppen bringen 4.300 BC Rückschlag, 3.400 BC Ende

Der magische Aspekt der Kupfergewinnung (aus einem grünen Stein) und die Nachfrage nach Kupfergegenständen förderte den Handel. Der Fernhandel mit Kupfer und Fertigprodukten bewirkte inter-regionale Politik und gegenseitige Abhängigkeit in ganz Alteuropa und sogar mit den Steppengebieten nördlich des Schwarzen und Kaspischen Meeres.

Um 4.300-4.100 v. Chr. kam es zu ersten Invasionen aus den Steppen der Ukraine und mehr als 600 Siedlungen im unteren Donautal und Ostbulgarien wurden dabei niedergebrannt. Die eindringende Gruppe wird wegen derer Gräber als Suvorovo-Kultur bezeichnet, nach einem Grab in Suvorovo (Ukraine) nördlich des Donaudeltas, in dem ein Mann mit einem steinernen Keulenkopf in Form eines Pferdes (Pferdekopf-Szepter) bestattet wurde.

Danach ist das Balkanhochland leer und es lassen sich zwischen 3.900 und 3.300 v. Chr. keine dauerhaften Siedlungen mehr nachweisen. Verbrannte Siedlungen enthalten menschliche Skelette, die als massakriert angesehen werden. Die letzte kupferzeitliche Zerstörungsebene bei Karanovo VI. enthielt 46 menschliche Skelette, die ebenfalls als Massaker gedeutet werden. Die kupferverarbeitenden Kulturen in Mitteleuropa wechseln um 4.000 v. Chr. zu serbischen Erzen. Metallgegenstände wurden nun aus neuen arsenhaltigen Bronze-Legierungen hergestellt. Der Stil von Keramik und Metallgegenständen änderte sich deutlich. Die Migration aus den Steppen hat zur gleichen Zeit wie dieser Zusammenbruch stattgefunden. "Wir haben es mit der vollständigen Ersetzung einer Kultur zu tun" sagt ein führender Experte für kupferzeitliche Metallurgie. Es war "eine Katastrophe von kolossalem Ausmaß ... eine vollständige kulturelle Zäsur", so eine bulgarische Archäologin.

Mobile Hirtenvölker der Jamnaja-Kultur, die um 3.400-3.300 v. Chr. die zweite Invasion aus den Steppen vortrugen, praktizierten eine neue und revolutionäre Hirtenwirtschaft, die auf Wagen und Pferden basierte, und errichteten Kurgane (Grabhügel) auf den grasbewachsenen Flächen, auf denen sich die letzten Siedlungen der Alteuropäer befunden hatten; ihre Vettern wanderten das Donautal hinauf nach Bulgarien und sogar Ungarn und hinterließen sichtbarere archäologische Zeugnisse als die kleinere Suvorovo-Invasion tausend Jahre zuvor.


Wie heute aufgrund von DNA-Analysen klar wird, stammen wir Europäer zu gleichen Teilen von den südöstlichen Alteuropäern und der indoeuropäischen Kurgan-Kultur ab, die die ersteren überwunden und überlagert hat. Die Erforschung Europas konzentriert sich vor allem auf die „siegreichen“ Indo-Europäer, da es viel sprachliches Material gibt, was bei den Alteuropäern fehlt. Es wäre wesentlich, wenn wir uns auch damit beschäftigen, dass unsere “materielle Kultur“ (Landwirtschaft usw.) von den Alteuropäern stammt und vieles unserer gesellschaftlichen “Verhaltenskultur“ von den kriegerischen Kurganern.


Genomische Evidenz zu den Neolithikern

Genomische Herkunft und Ausbreitung der Neolithiker

Zeitliche und räumliche Verbreitung der Neolithiker: Anatolien Griechenland Serbien Österreich BRD Schweiz

Excoffier, Laurent (Univ. Bern) et 30 al.: → The genomic origins of the world’s first farmers. Zs. Cell, Elsevier, 12.5.2022. Obwohl die anfängliche Entwicklung der Neolithiker im Fruchtbaren Halbmond durch kulturelle Vermischung von genetisch gut differenzierten Gruppen erfolgt sein muss, erfolgte die Ausbreitung nach Nordwestanatolien, ins Ägäische Becken und später auch in den Donaukorridor in erster Linie durch demografische Verbreitung. Die anfängliche Ausbreitung von Populationen jenseits des Fruchtbaren Halbmonds verlief nicht linear und war mit vielfältigen genetischen Einflüssen aus der Levante verbunden und es gab auch Einflüsse von kaukasischen Jägern und Sammlern. Populationen aus Nordwestanatolien und Nordgriechenland scheinen sich etwa zur gleichen Zeit (~ 9.300 - 9.100 BP) voneinander abgegrenzt zu haben, möglicherweise während der Besiedlung des weiteren Ägäisraums durch diese frühen Bauern. Sobald die neolithischen Lebensformen von der Ägäis ausgehend Europa erreichten, gab es auch eine Beimischung westeuropäischer Jäger und Sammler. Die Ausbreitung der Populationen nach Mitteleuropa erfolgte aber linearer und ist im Wesentlichen eine Migration durch eine Abfolge von geographischen Haltepunken entlang der Donau. Wie der nebenstehenden Grafik entnommen werden kann, machen sich die frühen Bauern vor rd. 8.500 Jahren auf den Weg – vorerst von der Ägäis und Griechenland und kommen vor 8.000 Jahren in Serbien an und breiten sich dort aus. Vor 7.500 Jahren erreichen sie Österreich (Asparn-Schletz) und Ungarn (Polgar-Ferenci-hat). Vor ca. 7.300 Jahren sind sie bereits in Deutschland (Dillingen, Essenbach, Herxheim, Stuttgart-Mühlhausen) nachzuweisen. In England tauchen sie erst 5.500 Jahre vor heute auf.


Genomische Daten: unsere älteste Verwandtschaft - die Anatolier

Genetischer matrilinearer Abstand zw. modernen Westeuropäern und den anatolischen Neolithikern

Genomic Evidence Establishes Anatolia as the Source of the European Neolithic Gene Pool; Current Biology 26, 2016, 270–275 In der nebenstehenden Abbildung wird der geringe (grün) bzw. der größere Abstand (orange) der DNA heutiger Westeuropäer von den historischen anatolischen Neolithikern dargestellt. (Lit.: → Haak, W. et al.: Ancient DNA from European Early Neolithic Farmers Reveals Their Near Eastern Affinities, PLOS Biology, Nov. 2010.)

Eine von diesen neolithischen Gruppen, unsere sogenannten "Pfahlbauern", tauchten um 4.300 v. Chr. zuerst an den Schweizer Seen (Egolzwil, Kleiner Hafner) und – wohl als 400 km entfernter "spin-off" – 500 Jahre später auch am Attersee / Mondsee als deren östlichstem Vorkommen nördlich der Alpen auf. Diese Pfahlbauern besaßen nicht nur das Agrarpaket, sondern verfügten auch über die beeindruckende eigenständig erworbene Innovation der hydrologischen Bewirtschaftung von Alpenrandseen, die auch eine entsprechende gesellschaftlich-kulturelle Organisation der Großgruppe je Pfahlbausee voraussetzte. Siehe dazu auch das eigene Kapitel → Die Kanal-Pfahlbauern-Kultur.

[Reizvoll wäre die konjunktivische Vorstellung, dass sich die vom Schwarzen Meer vertriebenen Neolithiker die ehemalige Flutkatastrophe – über 2000 Jahre – gemerkt hätten (vergleichbar zu Noah´s Erinnerung an die Sintflut und die Arche als Nothilfe), sich über Generationen mit dem Problem "steigenden Wassers" auseinandergesetzt hätten, und sich am Kleinen Hafner gegen erneut steigendes Wasser aufgrund einer Sihl-Schüttung mit Abgraben zur Wehr gesetzt hätten.]



Die Aufdecker der Kurgan-Kultur (der Indoeuropäer – unseren zweiten Vorfahren)

Marija Gimbutas ist eine der wenigen PrähistorikerInnen, die sich mit dem Werden Europas tiefschürfend auseinandergesetzt hat. Ausgehend von ihren Forschungen zur Kurgan-Kultur hat sie sich auch mit der viel früher blühenden Kultur von "Alteuropa" im Südosten Europas auseinandergesetzt, die von den kriegerischen Kurganern besiegt und letztlich aufgesaugt wurde. Inwieweit diese Vermischung der Kulturen bis heute und in welchen Bereichen nachwirkt, hat wesentliche Auswirkungen auf unser Selbstverständnis gegenüber der Umwelt und unser Zusammenleben.

Vor allem Gimbutas widmet sich eingehend den Alten Europäern, den Linearbandkeramikern - und damit unseren Pfahlbauern -, demgegenüber reden alle anderen immer nur stolz (über sich) und die siegreichen Kurganer und die "Indo-Germanen".

→ einleitender TEXT zu den drei Invasionen der Indoeuropäer (Kurganer) nach Europa

https://en.wikipedia.org/wiki/Kurgan_hypothesis
Prof. Svend Hansen, Dir. Eurasien-Inst. am Deutschen Archäologischen Institut (2020): Noch einmal: Abschied von den Indogermanen

Marija Gimbutas – Aufdeckerin der Kurgan-Kultur (1956) und Protegé Alteuropas

The Prehistory of Eastern Europe, 1956

Marija Gimbutas (geb. Alseikaité; 1921-1994, Curriculum vitae) ist in Vilnius geboren und aufgewachsen und studierte Archäologie und Sprachen an der Universität Vilnius. 1941 heiratete sie den Architekten Gimbutas; 1944 zogen sie vor der heranrückenden russischen Armee nach Wien, dann Innsbruck und Bayern. 1946 promovierte sie in Tübingen, emigrierte aber 1955 in die USA. Nach anfänglich eher routinemäßiger Übersetzungsarbeit an der Harvard University fand sie Zeit zum Forschen und Schreiben und verfasste bald wichtige Bücher über die Archäologie Osteuropas, wie das bahnbrechende, monumentale The Prehistory of Eastern Europe, vol. I: Mesolithic, Neolithic, and Copper Age Cultures in Russia and the Baltic areas (1956, Harvard; Cambridge, MA: American School of Prehistoric Research, 241 p.). Diese für die Kurganforschung grundlegende Monographie war der erste Text, der alle archäologischen Forschungen vom Baltikum bis zum Nordkaukasus bis 1955 auswertete und zusammenfasste. Bis zu diesem Werk war die Vorgeschichte Osteuropas für westliche Wissenschafter aufgrund politischer und sprachlicher Barrieren nur bruchstückhaft zugänglich. Vor allem die von Gimbutas beherrschten osteuropäischen Sprachen öffneten ihr den Zugang zu den bis dahin nicht bekannten und nicht verwerteten östlichen Forschungsergebnissen. Hierzu werden zwei → Reviewings aus dem Jahr 1956 in deutscher Übersetzung gebracht, die unmittelbar die besondere Bedeutung dieser Arbeit Gimbutas´ erkennen und anerkennen. Sie hielt Vorlesungen in Harvard und wurde ordentliche Professorin an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA). Neben ihrer Kurgan-Hypothese (1) befasste sie sich tiefschürfend mit bronzezeitlichen Kulturen (2) in Zentral und Osteuropa (Lit.: → Bronze Age cultures in Central and Eastern Europe) und entwickelte in späteren Jahren auch eine Reihe von Ideen über die Existenz eines europäischen Muttergöttinnen-Kults (3), die sie in ihrem Buch „Gods and Goddesses of Old Europe“ (1974) und anderen Büchern (siehe die downloadbaren Bücher im LIteraturverzeichnis) darlegte und die, obwohl nicht allgemein akzeptiert, bei einigen Teilen der feministischen Bewegung großen Anklang gefunden hat.

Univ.-Prof. Dr. Marija Gimbutas (UC-Los A., 1993)

"Es dauerte mindestens zweitausend Jahre, bis Europa indoeuropäisiert wurde – ein Prozess der kulturellen Transformation, der die Vermischung zweier sehr unterschiedlicher Kulturen beinhaltete. Die "Gewinner" waren diejenigen, die über Waffen, Pferde und eine hierarchische Gesellschaft verfügten. Wie die Kultur im Wolgagebiet vor 5000 v. Chr. aussah und wie und wann genau das Patriarchat entstand, bleiben dringende Fragen von globalem Interesse, die in Zukunft beantwortet werden müssen." (Marija Gimbutas 1993; Topanga, California)

Niemand hat diesen Zusammenprall der Kurgan-Gruppen mit ihren (drei) zwei Invasionen gegen die indigenen Alteuropäer besser und eingehender beschrieben als die Aufdeckerin der Kurgan-Kultur Marija Gimbutas. Grundlegend siehe dazu das Sammelwerk: Gimbutas, Marija → The Kurgan culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected articles from 1952 to 1993. Journal of Indo-European Studies, Monograph No. 18 (1997, edited post mortem – in honor of Marija Gimbutas).

Mit ihrer Theorie war sie die erste Wissenschafterin, die archäologisches und linguistisches Wissen zum Ursprung der Proto-Indoeuropäisch sprechenden Völker in Zusammenhang brachte. Ihre Kurgan-Hypothese aus 1956 gilt in ihrer ehemaligen, ursprünglichen Form zwar nicht mehr als völlig zutreffend, wird in ihrem Kern jedoch immer wieder bestätigt und nach wie vor weiter entwickelt und ergänzt (vor allem Anthony 2007, 2010, 2015, 2021). Auch die von Gimbutas noch hoffnungsfroh beobachteten ersten genetischen Analysen zu Beginn der 1990er-Jahre tragen heute besonders zur Untermauerung und Ausfeilung ihrer Hypothese bei.

Ihre Assistentin Joan Marler, die wohl beste Kennerin der Arbeit und Geisteswelt von Gimbutas, behandelt 2006 in einer Art Laudatio umfassend die Arbeit und Gesamtleistungen im Artikel → The Beginnings of Patriarchy in Europe: Reflections on the Kurgan Theory of Marija Gimbutas – hier zu Ehren Gimbutas´ in deutscher → Übersetzung - (mit Anmerkungen und Hervorhebungen), wie Gimbutas das Alteuropa als die Grundlage der europäischen Zivilisation definiert und die Anfänge des Patriarchats – gleichzeitig mit der beeindruckend dargestellten Indoeuropäisierung des Kontinents – als ein späteres Phänomen ansieht, und sie stellt damit die Doktrin der universellen männlichen Dominanz in Frage, die als Ursprungsgeschichte der westlichen Zivilisation gilt.

2019 wurde zu Gimbutas an der Central European University (CEU) in Budapest eine umfassende Dissertation über ihre Arbeit und ihr Werk geschrieben: Navickaitė Rasa: → Prehistoric Goddess of the Late Twentieth Century: Transnational Feminist Reception, Construction and Appropriation of Marija Gimbutas, die vor allem auch ihren Beitrag zum Gender Mainstreaming behandelt.



James Patrick Mallory (1973, 1989, 1997, 2006)

em.Univ.-Prof. James P. Mallory, Queen’s Univ. Belfast

Mallory, James Patrick (Indogermanist), Doktorand von Gimbutas: → A Short History of the Indo-European Problem, Journal of Indo-European Studies; 1973, 46 p. (von University of California, Los Angeles).

In den hier beigefügten (übersetzten) Auszügen aus Mallory´s → Eine kurze Geschichte des Indo—Europäischen Problems (3 Seiten) werden Beiträge von Mallory und relevanten Forschern (Childe, deutsche Forscher des 1936er-Jahres, Gimbutas) der Indo-Europäer gebracht.

Mallory schreibt auf S. 22 (oben): "Die Lokalisierung des Heimatlandes der Indo-Europäer und die Beschreibung der Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachen ist von zentraler Bedeutung für jede Erklärung, wie Europa zum heutigen Europa wurde. Im weiteren Sinne ist es eine Suche nach den Ursprüngen der westlichen Zivilisation."

Sir William Jones.

Sir William Jones' dritter Jahresvortrag vor der Asiatischen Gesellschaft über die Geschichte und Kultur der Hindus (am 2.2.1786 in Kalkutta) stellt mit der berühmten "Philologen"-Passage den Beginn der indoeuropäischen Studien dar (Mallory, Seite 25): „Die Sanskrit-Sprache, wie alt sie auch immer sein mag, hat eine wunderbare Struktur; sie ist vollkommener als das Griechische, reichhaltiger als das Lateinische und vorzüglicher verfeinert als beide, weist aber zu beiden eine stärkere Verwandtschaft auf, sowohl in den Wurzeln der Verben als auch in den Formen der Grammatik, als dass sie durch Zufall entstanden sein könnte; so stark sogar, dass kein Philologe sie alle drei untersuchen könnte, ohne zu glauben, dass sie einer gemeinsamen Quelle entsprungen sind, die vielleicht nicht mehr existiert. Es gibt einen ähnlichen – wenn auch nicht ganz so zwingenden – Grund für die Annahme, dass sowohl das Gotische als auch das Keltische denselben Ursprung mit dem Sanskrit haben, wenn auch vermischt mit einem sehr unterschiedlichen Idiom; und auch das Altpersische könnte zu derselben Familie hinzugefügt werden." Diese gemeinsame Quelle wurde als Proto-Indoeuropäisch bekannt.


Mallory, James Patrick: → In Search of the Indo-Europeans / Language, Archaeology and Myth. 1989. 288 Seiten, 175 Abbildungen. (now: Prof. at Queen's University Belfast).

Bernfried Schlerath (FU Berlin) gibt in der → Praehistorischen Zeitschrift 1992 eine → Sprachwissenschaftliche Rezension zu Mallory´s Buch (rund 10 Seiten; hier mit Anmerkungen und Hervorhebungen versehen), in der er v.a. auf sprachwissenschaftliche Probleme aber auch auf die einzelnen Kapitel eingeht:

Mallory´s Buch verfolgt einen anderen Ansatz als Gimbutas, indem er als ersten Ansatz mit den „Erben der Kurganer“ in Asien und in Europa beginnt und erst in der Folge auf die indoeuropäische Kultur und Religion eingeht. Daraufhin widmet er sich dem indoeuropäischen „Heimatland“ und der Archäologie der Proto-Indo-Europäer. Erst zum Schluss geht er auf die Wanderungen und Ausbreitung der Indoeuropäer nach Asien, Kaukasus, Südost- und Westanatolien sowie Zentral- und Nordeuropa ein. Das Buch gibt einen Überblick zu den Indoeuropäern und zudem einen Überblick über alle Theorien und archäo-linguistischen Aspekte bezüglich der sagenumwobenen Proto-Indoeuropäer. Mallory legt sich nicht auf eine bestimmte Theorie fest, sondern wägt alles ab und lehnt sich immer leicht an die Theorie der pontisch-kaspischen Steppe an. Das Ergebnis ist, dass das Buch auch heute noch erstaunlich aktuell ist und als wahrscheinlich bester einführender Überblickstext zu einem Problem dient, das Archäologie und Linguistik bis zum heutigen Tag in Atem hält. Bezüglich der aDNA (ancient DNA) ist das Buch natürlich zu früh erschienen, bei der es aber bedeutende Durchbrüche gegeben hat. Man muss sich die aDNA-Papiere ansehen und mit dem vergleichen, was Mallory in diesem Buch bespricht.


Mallory, James Patrick and Adams, Douglas Q.: → Encyclopedia of Indo-European Culture, 1997, 855 Seiten; ist dort auch als PDF-Downlaod verfügbar (194 MB). (Ist das Basis-Buch für "The Oxford Introduction to Proto-Indo-European" - siehe gleich unten)

Das Lexikon ist thematisch nach folgenden Sachgebieten und Bereichen gegliedert: Aktivitäten, Anatomie und natürliche Funktionen, Tiere, Archäologische Stätten und Kulturen, Architektur und Behausungen, Kleidung und Textilien, Emotionen, Essen und Trinken, Sprachen und Linguistik, Recht, Ehe und Verwandtschaft, Materielle Kultur, Geist, Verschiedene grammatikalische Kategorien, Bewegung und Transport, Physische Welt, Besitz, Beruf und Handel, Menge und Zahl, Religion und vergleichende Mythologie, Sinneswahrnehmung, Soziale und politische Beziehungen, Räumliche Beziehungen, Sprache, Zeit, Vegetation und Landwirtschaft, Kriegsführung.

Im folgenden werden die nach den einzelnen Bereichen geordneten rd. 1.500 indo-europäischen Wörter in der beigefügten → Vokabelliste indo-europäischer Wörter Englisch/Deutsch sowie der → Vokabelliste indo-europäischer Wörter Deutsch/Englisch zur Verfügung gestellt. Die in diesem Lexikon aufgeführten Begriffe und Wörter zeugen davon, dass es keine wesentlichen Unterschiede in der Begriffswelt der Indo-Europäer zu den heutigen Menschen gibt.

Hier sei vorweg zusätzlich darauf hingewiesen, dass vor allem die ganz hochstehende Grammatik - und hier vor allem das Ausdruckspotential der Verben - der Indo-Europäer ihre so erfolgreiche Kultur mit begründet hat. Dazu wird noch eine eigene Darstellung gebracht werden.


Mallory, James Patrick (Royal Irish Academy) and Adams, Douglas, Quentin (Univ. of Idaho; Indo-European comparativist): → The Oxford Introduction to Proto-Indo-European and the Proto-Indo-European World. 2006, 756 p. Aktuellste Version der Enzyklopädie; interaktives E-Book; und einem Anhang mit einer "Proto-Indo-Europäischen" / "Englischen" Vokabel-Liste (siehe S. 466, 67 Seiten); → Inhaltsverzeichnis

Rezension: "Dieses Buch stellt das Proto-Indoeuropäische vor und untersucht, was die Sprache über die Menschen verrät, die sie sprachen. Die Protoindoeuropäer lebten vor 8.000 bis 5.500 Jahren irgendwo in Europa oder Asien, und von ihrer Sprache ist kein Text erhalten. Mallory und Adams zeigen, wie Wissenschaftler sie in den letzten zwei Jahrhunderten aus ihren Nachfolgesprachen rekonstruiert haben, deren überlebende Beispiele die größte Sprachfamilie der Welt bilden. Nach einer knappen Darstellung der proto-indoeuropäischen Grammatik und einer Betrachtung ihrer Entdeckung verwenden sie die rekonstruierte Sprache und damit verbundene Beweise aus Archäologie und Naturgeschichte, um das Leben, die Gedanken, die Leidenschaften, die Kultur, die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Geschichte und die Umwelt der Protoindoeuropäer zu untersuchen. Unsere fernen Vorfahren benutzten das Rad, waren sesshafte Ackerbauern, hielten Schafe und Rinder, brauten Bier, heirateten, stellten Waffen her und hatten 27 Verben für den Ausdruck von Streit. Zu den Themen, denen die Autoren Kapitel widmen, gehören Fauna, Flora, Familie und Verwandtschaft, Kleidung und Textilien, Essen und Trinken, Raum und Zeit, Emotionen, Mythologie, Religion und die fortwährende Suche nach dem protoindoeuropäischen Heimatland. Protoindoeuropäisch-englische und englisch-protoindoeuropäische Vokabularien und vollständige Indizes schließen das Buch ab. In einem klaren, gut lesbaren Stil geschrieben und mit Karten, Abbildungen und Tabellen illustriert. Es richtet sich an Leser, die sich für die Geschichte der Sprache und der frühen menschlichen Gesellschaften interessieren."




David Waller Anthony (1986, 2007, 2010, 2015, 2021)

em.Univ.-Prof. David W Anthony

David Waller Anthony (Anthropologist): The social and economic implications of the domestication of the horse, unpublizierte Ph.D.-Dissertation, Univ of Pennsylvania, Philadelphia, 1985, 838 p. Siehe das → Inhaltsverzeichnis pp.14.

Zugang zu seiner → Forschungsliteratur.


Anthony, David W.: → The "Kurgan Culture", Indo-European Origins, and the Domestication of the Horse: A Reconsideration (with Comments by Gimbutas and Mallory and Replies by Anthony). Current Anthropology, Vol. 27, Issue 4, 1986, pp 291-313.

Im vorletzten Absatz seiner Antwort bringt Anthony eine recht kritische Abgrenzung zu Gimbutas´ "Alteuropa": "Ich glaube, dass wir uns jetzt einer Lösung nähern, aber nicht in der Richtung, die Gimbutas vorgeschlagen hat. Einige der Punkte, die sie zu diesem Thema anführt, sind umstritten. Eine archäologische Dokumentation von Matrilinearität und Patrilinearität ist schwierig, wenn nicht unmöglich. Das Protoindoeuropäische ist nicht eng mit der finno-ugrischen Sprachfamilie verwandt. Der rekonstruierte Begriff *peku- bedeutete wahrscheinlich ursprünglich "bewegliches Eigentum" und wurde nur in bestimmten Sprachbeständen auf "Schaf" eingeengt. Getreide ist als Element im proto-indoeuropäischen Wortschatz gut belegt. "Sonnensymbole" müssen nicht herangezogen werden, um einfache geometrische Verzierungen zu erklären, die gewöhnliche Töpfe umschließen." (Anm. des Autors hierzu: lateinisch "pecunia" = Geld wird vom lat. Wort für "Vieh" abgeleitet, womit Gimbutas doch recht hatte; ebenso wie mit dem Finno-Ugrischen.)


Anthony, David: The Horse, the Wheel, and Language: How Bronze-Age Riders from the Eurasian Steppes Shaped the Modern World. Princeton University Press, 2007. 553 pp.

  • ausgezeichnet mit dem → "Best-scientific-book prize" from the Society for American Archaeology in 2010
  • "Durch die Analyse von Linguistik und Archäologie erforscht er die Kulturen der eurasischen Steppe, deren Sprache sich im Laufe von mehreren tausend Jahren über Europa und weite Teile Asiens ausbreitete und die mit ihren Mythen und Konzepten der Wahrnehmungskonstruktionen noch heute deren Sprecher beeinflusst."
  • WIKIPEDIA widmet diesem ausgezeichneten Buch eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Kapitel und des Inhalts (englisch).

Anthony, David: Artikel The Rise and Fall of Old Europe. S. 29–56, in: David W. Anthony, Jennifer Y. Chi (Eds.): → The Lost World of Old Europe. The Danube Valley, 5000–3500 BC. Princeton University Press, 2010. Katalog der Internationalen Ausstellung 2009-2010 mit Fachartikeln und mit Bildern der faszinierenden Exponate.
YOUTUBE-Interview von David Anthony, 25.11.2009.

Anthony ist hier mit Gimbutas recht versöhnt, wenn er in seinem Aufsatz ein ausführliches Kapitel "Die Faszination der Figurinen" bringt und schreibt: " Ein Aspekt von Gimbutas' Analyse, der wahrscheinlich die alteuropäische Realität widerspiegelt, ist ihre Erkenntnis, dass die Figurinen des Alteuropa eine Vielzahl verschiedener Arten und Varianten rituellen Verhaltens und religiöser Symbolik aufweisen. Die Figurinen hatten eine Vielzahl unterschiedlicher kultischer Verwendungszwecke, die von Region zu Region variierten und sich im Laufe der Zeit veränderten. Trotz der Schwierigkeiten, die diese Variabilität bei der Interpretation mit sich bringt, bleiben die Figurinen eine der eindrucksvollsten und überzeugendsten Aspekte von Alteuropa."

Der (visuelle) Anthropologe Douglass W. Bailey (Univ. San Francisco) will in diesem Buch (The lost World; S. 112-127), wie viele andere vor ihm, am Ruhm von Gimbutas teilhaben, weshalb er sich – offen neidisch – in seinem Aufsatz „Die Figurinen von Alteuropa“ gegen die Thesen von Gimbutas abmüht und versucht, sie herunterzumachen: „In der Tat hat die verstorbene und viel beachtete Wissenschaftlerin Marija Gimbutas ihre Antworten auf ganz ähnliche Fragen so formuliert. In einer Reihe von einflussreichen Büchern legte sie weitreichende Interpretationen vor … Für Gimbutas waren die Antworten klar: Figurinen waren Darstellungen von Gottheiten oder Objekte, die in besonderen Zeremonien von ritueller Bedeutung verwendet wurden, die sich am ehesten auf Kulte der Fortpflanzung und des Todes (von Pflanzen, Tieren und Menschen) konzentrierten. Gimbutas' Argumente waren zum großen Teil deshalb so einflussreich, weil sie ansprechend und leicht verständlich waren, weil sie eine bedeutende Position an einer großen Forschungsuniversität (UCLA) innehatte und weil sie in großen Hochglanzbänden erschienen, die von Mainstream-Verlagen herausgegeben wurden.“ Bailey fallen aber keine Argumente gegen Gimbutas ein und er schafft auch keine Gegen-Interpretation oder -vorschläge: diese bleiben beim „Vielleicht“.


Anthony, David and Ringe, Don: → The Indo-European Homeland from Linguistic and Archaeological Perspectives. Annual Review of Linguistics, Vol. 1, Issue 1, 2015 pp. 199-219. (Authors: David Anthony, Dept. of Anthropology, Hartwick College and Don Ringe, Dept. of Linguistics, University of Pennsylvania); more sources: [1], [2]

Abstract: "Archäologische und linguistische Beweise sprechen übereinstimmend für einen Ursprung der indoeuropäischen Sprachen in der pontisch-kaspischen Steppe um 4.000 Jahre v. Chr.. Die Beweise sind so stichhaltig, dass die Argumente für andere Hypothesen überdacht werden sollten."


Anthony, David W., D. R. Brown, P. Kuznetsov, O. Mochalov & A. Khokhlov (eds.). → A Bronze Age landscape in the Russian steppes: The Samara Valley Project (PDF - 106 MB) sowie → Online : Monumenta Archaeologica 37, 538 pages. Los Angeles: Cotsen Institute Press. 2016.

Erste englischsprachige Monographie, die saisonale und permanente spätbronzezeitliche Siedlungen in der russischen Steppe beschreibt. Sie ist der Abschlussbericht des Samara-Tal-Projekts, einer amerikanisch-russischen archäologischen Untersuchung, die zwischen 1995 und 2002 durchgeführt wurde. Sie untersucht die sich verändernde Organisation und die Subsistenzressourcen pastoraler Steppenwirtschaften vom Eneolithikum (4500 v. Chr.) bis zur Spätbronzezeit (1900-1200 v. Chr.) in einer Steppen- und Flusstallandschaft in der mittleren Wolgaregion, mit besonderem Augenmerk auf die Rolle der Landwirtschaft während der ungewöhnlichen Episode des sesshaften, niedergelassenen Viehzucht, die sich mit der Srubnaja- und Andronovo-Kultur (1900-1200 v. Chr.) über die eurasischen Steppen ausbreitete. Die Samara-Archäologen machten drei erstaunliche Entdeckungen: Die Landwirtschaft spielte bei der Ernährung der späten Bronzezeit in der gesamten Region keine Rolle, was angesichts der Sesshaftigkeit eine Überraschung war; in Krasnosamarskoe wurde ein einzigartiges Winterritual mit Hunde- und Wolfsopfern praktiziert, das möglicherweise mit männlichen Initiationszeremonien zusammenhing; und sich überschneidende Sphären der Verpflichtung, Kooperation und Zugehörigkeit funktionierten auf verschiedenen Ebenen, um Gruppen zu integrieren, die durch Politik, Wirtschaft und rituelle Verhaltensweisen definiert waren.


Anthony, David: → Migration, ancient DNA, and Bronze Age pastoralists from the Eurasian steppes. In Daniels, Megan (ed.), Homo Migrans: Modeling Mobility and Migration in Human History. 2021. Anthony zeigt hier, dass es offenbar eine abgehobene Schicht der Kurgan-Führung gab.

"This is my first paper on migration in 20 years. In it I attempt to answer the question "was Marija right"? Conclusion: partly yes, partly no."

Ausgezeichnete Darstellung der Forschungs-Entwicklung vor/seit Gimbutas bis heute.



Zusammenprall der Kulturen: Kurganer (Indoeuropäer) vs. Alteuropäer

Die gegen Ende unserer "klassischen", neolithischen Pfahlbauernzeit in unserem Raum in Mitteleuropa um ca. 2700 v.Chr. vordringenden patrilinearen und patriarchalen. indoeuropäischen Schnurkeramiker – früher "Streitaxtkultur" genannt – waren Abkömmlinge der kriegerischen Kurgankultur (russ. курга́н = kurgán = ‚Grabhügel´; vgl. dazu → The Kurgan culture and the Indoeuropeanization of Europe - selected articles 1952-1993 von deren Aufdeckerin Marija Gimbutas, Harvard) und brachten v.a. in der zweiten und dritten Migrationswelle die indoeuropäische Sprache mit sich und zu uns (in der Folge als Keltisch, Italisch, Germanisch, Slawisch, Baltisch usw.), aber auch das (Reit-)Pferd und das Rad.

Einen umfassenden Überblick zu diesem für Europa so entscheidenden Übergang gibt Gimbutas in ihrem bewusst letzten, abschließenden Aufsatz: The Fall and Transformation of Old Europe: Recapitulation (1993, S. 351-372), in dem sie eine Abklärung und Verfeinerung ihrer Theorien über die Alteuropäer und das Kurgan-Volk bringt. Siehe dazu ihren Artikel als Auszug aus ihrem Buch und da dieses vergriffen ist in – Gimbutas zu Ehren – erstellter deutscher Übersetzung (samt Anmerkungen und Hervorhebungen): → Der Untergang und die Verwandlung des alten Europa: Rekapitulation – lesenswert!

Gimbutas beschreibt hier eindrücklich auf rd. 20 Seiten wie die hochstehende, friedfertige, matriarchale Kultur der Alteuropäer durch drei Migrationswellen von Gruppierungen der patriarchalen, kriegerischen, berittenen, Indoeuropäisch-sprechenden Kurgan-Kultur aus den Steppen Südrusslands überrannt worden ist.

Gimbutas gibt in ihrem Aufsatz aus 1990: „When Worlds Collide: Indo-Europeans and Pre-lndo-Europeans“ eine grundlegende Gegenüberstellung der Kultur der Alteuropäer (Jäger/Sammler vermischt mit den neolithischen Ackerbauern) und der Kultur der Indoeuropäer (Kurgan-Gruppen). Siehe dazu diesen ihren Artikel als Auszug aus ihrem Buch (Gimbutas 1993, S. 345-350) und da dieses vergriffen ist (antiquarisch US-$ 389) in – Gimbutas zu Ehren – erstellter deutscher Übersetzung (samt Anmerkungen und Hervorhebungen): → "Der Zusammenprall zweier Ideologien: Indoeuropäer vs. Alteuropäer" – lesenswert!

Bär (down) und Stier (up) vor der Börse Frankfurt

Gimbutas beschreibt hier kompakt auf fünf Seiten in eindringlicher Form unter Rückgriff auf ihre Bücher (Download-Links im Literaturverzeichnis): The Goddesses and Gods of 0ld Europe, 6500-3500 B.C. (1974); The Language of the Goddess (1989) und The Civilization of the Goddess. The World of Old Europe (1991) die völlig gegensätzlichen und widerstreitenden gesellschaftlichen, religiösen und kulturellen Konzeptionen der friedlichen, matriarchalischen Alteuropäer und der kriegerischen, patriarchalischen, hierarchischen Indoeuropäer (der in drei Wellen eindringenden und die Alteuropäer überrennenden Kurgan-Gruppen). Dabei behandelt sie nicht nur die religiöse Konzeption mit der "Großen Göttin" der Alteuropäer, sondern auch die Götterwelt der Kurgan-Kultur und der Indoeuropäer: den Gott (Vater) des Leuchtenden Himmels (= "Dieus petér"; vgl. lat. "deus"), den Donnergott und den Gott des Todes und der Unterwelt. Der Donnergott (Stier-Symbol) kämpft andauernd – bis heute ? (vgl. die Abb.) – gegen den Gott der Unterwelt (Bär-Symbol).


Um 1500 v.Chr. lebten in Europa bereits rund 13 Millionen Menschen (Rebay-Salisbury, S. 16) wegen des "baby booms" aufgrund der neolithisch anderen Ernährung der Kleinkinder und den damit verbunden häufigeren Geburten.


Die mit den Jägern/Sammlern samt Neolithikern (= Alteuropäer) vermischten kurganischen Indoeuropäer – also unsere Vorfahren – übernahmen entweder einen schon bei den neolithischen Pfahlbauern bestehenden Namen „Atter“-See in ihre Sprache (dann kennen wir die Bedeutung deren Wortes "Atter" nicht – hätten dafür aber ein neolithisches Wort gefunden) oder sie bezeichneten selbst den See und seine Bewirtschaftung mit einem eigenen indoeuropäischen „Ater“-Namen. Jedenfalls ist von ihnen der Name des Attersees als solcher bis heute über 4 ¾ Jahrtausende weitergegeben worden. Vgl. hierzu den Artikel: → Der Attersee: Name und Bedeutung.



Die genomische Evidenz - unsere Gene

Genetische Zusammensetzungen in europäischen Ländern: Frühe Neolithiker (orange), Westliche Jäger und Sammler (blau), Jamnaja (Kurganvolk; grün)

Nachfolgend werden die Studien aufgeführt, die ab 2015 unsere genetische Abstammung von Jägern/Sammlern, frühen anatolischen Bauern und den indoeuropäischen Kurganern (Jamnaja-Leuten) aus der pontisch-kaspischen Steppe zeigen:

Wie dem unteren Teil der Abbildung zu entnehmen ist, sind aufsteigend von älteren zu jüngeren Individuen die frühen anatolischen, neolithischen Bauern nur wenig mit den indigenen Jägern und Sammlern vermischt. "Ötzi" hat von diesen nur ca. 20 % in seinen Genen, die restlichen 80 % von den frühen Neolithikern. Mit dem Auftreten der Schnurkeramiker ("Corded Ware"), die eine direkte Abstammung von den Jamnaja-Leuten haben, erfolgt der Vormarsch der indoeuropäischen Kurganer und damit von deren Genen rasch und intensiv nach ganz Europa.

Im oberen Teil der Abbildung sind die heutigen Genom-Verteilungen in einzelnen europäischen Ländern - aufsteigend geordnet - nach dem Anteil der Jamnaja-Gene (aus der pontisch-kaspischen Steppe) dargestellt, der doch deutlich zwischen 20 % und 50 % variiert.

"Ursprüngliche" Neolithiker (Linearbandkeramiker) findet man bis heute recht unvermischt in Sardinien, aber auch in Spanien und der Toskana.

Besonders hohe Jamnaja-Anteile findet man vor allem in den nördlichen Ländern bis Island und Schottland.

Die höchsten noch vorhandenen Gen-Anteile von Jägern/Sammlern findet man in Estland und Lithauen: gleichzeitig gibt es in diesen Ländern nur geringe Anteile von den neolithischen, anatolischen Bauern.


Nachfolgend werden weitere besonders relevante Genom-Studien gebracht:


Genetische Übergänge in der Schweiz: Western Hunter and Gatherer (blau), Neolithiker (orange), Jamnaja Samara = indoeurop. Kurganvolk (grün)

Zur genetischen Herkunft schweizerischer Menschen von Jägern/Sammlern, anatolischen Neolithikern und indoeuropäischen Kurgan-Leuten – in Summe unseren Vorfahren bis heute:

  • Hafner, Albert (Univ. Bern), Haak, Wolfgang (Max Planck Institute for the Science of Human History), Furtwängler, Anna et al.: → Ancient genomes reveal social and genetic structure of Late Neolithic Switzerland., Nature Communications, Vol. 11, 20.4.2020.
    In der Abbildung wird die genetische Herkunft historischer Menschen in der Schweiz (Individuenanzahl in Klammern) nach Fundstellen in chronologischer Reihenfolge (von unten nach oben jünger werdend; ganz oben: heute) mit den Bevölkerungsquellen dargestellt: WHG = Western Hunter and Gatherer = Westliche Jäger und Sammler (blau), anatolische Neolithiker (orange) und indoeuropäische pontische Steppenhirten (Samara Jamnaja – Kurganer: grün). Die letzten "Alteuropäer" aus Jägern/Sammlern samt Neolithikern sind die drei Genome aus dem ostschweizerischen Wartau um 3000-2500 v.Chr. Das sind die letzten "klassischen Pfahlbauern" vor der Ankunft der (indoeuropäischen) Schnurkeramiker. Diese ersten bedeutsamen Jamnaja-(Kurgan-)Zumischungen erscheinen mit dem Endneolithikum (~ 2700 v.Chr.) mit den beiden Genomen von Bad-Zurzach etwa aus 2300 v.Chr.
  • Die moderne Schweiz (Balken ganz oben) hat etwa 5 % der Gene von den ursprünglichen Jägern/Sammlern (blau), knapp ⅔ der Gene von den frühen, neolithischen Bauern (gelb) und gut ⅓ indoeuropäische Kurgan-Gene von den pontisch-kaspischen Steppen (grün).




Herkunft und Entstehung der Jamnaja-Leute und des Indogermanischen (OFFEN)

Abstammungs-Hypothesen

Jamnaja-Kultur ( sprich: [ˈjamnaja] auf Russisch Ямная - "Grabhügel"; auf Ukrainisch Ямна); → Jamnaja-Kultur; → Indogermanen - Wikipedia; Literatur

Gesellschaft und Kultur

Proto-Indoeuropäisch (PIE) und Bedeutung der Sprache

"Versunkene Metropolen - Brennpunkt Hattusa" (Hethiter) ZDFinfo (20.7.2022) - bis 23.6.2023 verfügbar; → Indogermanische Ursprache; → AnthroWiki; → Die Indoeuropäische Fabel; → Frederik Kortlandt: Electronic publications

Erfolg der Jamnaja-Leute ("Indoeuropäer")

Literatur zu den Jamnaja-Leuten (Kurganern)

Überholte Hypothesen zu den Indoeuropäern (Anatolien, Kaukasus ...)

Gamkrelidze et Ivanov: Indo-European and the Indo-Europeans. A Reconstruction (1964)

Gamkrelidze & Ivanov (1964 russ. Original "Indojevropejskij jazyk i indojevropejcy"; engl. Übersetzung 1995 "Indo-European and the Indo-Europeans - A Reconstruction and Historical Analysis of a Proto-Language and a Proto-Culture." (Download-Link: im Literaturverzeichnis). Hier ein → tief gegliedertes Inhaltsverzeichnis.. [Gamkrelidze war Linguist, Orientalist und Hittitologe und Präsident der Georgischen Akademie der Wissenschafen.]

... dass es sich bei dem Buch um die bisher wohl umfassendste Behandlung der Sprache der Indoeuropäer mit einem umfassenden nach Sachgebieten gegliederten Lexikon handelt ...

Rezension von Prof. Dr. Martin Haspelmath (Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie): Das Buch der Linguisten Gamkrelidze und Ivanov ist als umfassendes und interdisziplinäres linguistisches Werk unübertroffen. Im zweiten Teil des Buches wird die semantisch geordnete Darstellung von Material aus dem Lexikon mit Analysen der Verwendung von Formen in einem weit gefassten kulturellen Kontext kombiniert. Es werden Ähnlichkeiten mit dem Kartvelischen und Semitischen beschrieben und enge Kontakte mit diesen Sprachfamilien postuliert.
Dies führt zwangsläufig zu dem Vorschlag, die hypothetische Urheimat der Indoeuropäer in der Region südlich des Kaukasus anzusiedeln. Sie verorten die Heimat des Proto-Indoeuropäischen im fünften bis vierten Jahrtausend v. Chr. in Ostanatolien und im südlichen Kaukasus und vermuten einen engen Kontakt zwischen Sprechern des PIE und des Proto-Kartvelischen, Proto-Semitischen und Proto-Sumerischen, der auf ein gemeinsames Territorium zurückzuführen wäre.

Rezension von Craig Melchert (University of North Carolina; American Oriental Society): Die Behandlung des PIE-Lexikons ist offensichtlich als Kernstück des gesamten Werkes gedacht. Sie ist in ihrem Umfang und ihrer Konzeption unbestreitbar beeindruckend, und der Grundgedanke, das Lexikon nach semantischen Feldern zu gliedern, ist ein wichtiger und origineller Beitrag, der alle zukünftigen Diskussionen positiv beeinflussen wird. Leider durchdringen, wie oben bereits angedeutet, die Vorurteile der Autoren über die Lage des PIE-Heimatlandes jeden Bereich des Lexikons und hindern sie daran, die Belege objektiv zu bewerten, obwohl es hier viel Gültiges und Nützliches gibt.


Colin Renfrew: Archaeology and Language: The Puzzle of Indo-European Origins. (1988)

Link zum Download des Buches:Archaeology and Language: The Puzzle of Indo-European Origins.

Siehe hierzu die Rezension von Joseph Greenberg (Stanford University in American Anthropologist, 1988.):

"Das vorliegende Buch des Archäologen Renfrew schlägt eine neue und herausfordernde Theorie über das Proto-Indo-Europäische Heimatland vor. Sie unterscheidet sich von der am weitesten verbreiteten Ansicht, die vor allem von Gimbutas entwickelt wurde, hinsichtlich der Zeit (6500 v. Chr. versus 4000 v. Chr.), des Ortes (Westanatolien und dann Griechenland versus die Steppen nördlich des Schwarzen Meeres) und der kulturellen Subsistenz (landwirtschaftlich versus nomadisch).

Renfrew führt die Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachen auf den Vormarsch der Landwirtschaft von Anatolien nach Griechenland und von dort über einen Zeitraum von zwei Jahrtausenden nach West- und Nordeuropa zurück. Renfrews Buch hat bereits zwei negative Rezensionen von Archäologen im Quarterly Review of Archaeology (1988) hervorgerufen. Die vorliegende Rezension befasst sich hauptsächlich mit den sprachlichen Aspekten.

Da Renfrew erkennt, dass die grundlegenden Methoden der Linguistik zur Bestimmung der zeitlichen und räumlichen Lage von Protosprachen zu Ergebnissen führen, die mit seiner Hypothese unvereinbar sind, muss er zeigen, dass diese Methoden unzuverlässig sind. So werden Beweise aus dem Proto-Wortschatz abgelehnt. "Wenn es keine Wörter für Weizen, Gerste usw. gibt, können andere Erklärungen angeboten werden" - aber es gibt keine. Die Ergebnisse der Glottochronologie und breiter angelegte Vergleiche der frühesten Formen der indoeuropäischen Sprachen deuten auf ein viel späteres Datum hin als das von Renfrew angenommene; daher wird auch die Glottochronologie abgelehnt. Da die linguistische Paläontologie auf der Rekonstruktion des Proto-Wortschatzes nach dem Prinzip der Übereinstimmung in mindestens zwei Zweigen für jedes einzelne Etymon beruht, zieht Renfrew den Schluss, dass auch das genetische Modell abgelehnt werden muss."

Pablo Librado: Pferde nicht Grund für rasche Ausbreitung der Kurgankultur in Europa (2021)

Der Genomiker Pablo Librado und 164 alii: → The origins and spread of domestic horses from the Western Eurasian steppes. Zs. Nature 598 (2021), 634-640 behauptet, dass das Reitpferd der Kurganer offenbar noch nicht der Stammvater der heutigen fügsameren und stressresistenteren Hauspferde ist. Die Vorfahren dieser mutierten, gutmütigeren Hauspferde entstanden während des späten vierten und frühen dritten Jahrtausends v. Chr. in den west-eurasischen Steppen, insbesondere am unteren Wolga-Don und breiteten sich in der Folge ob ihrer neuen gutmütigen Eigenschaften rasch in ganz Eurasien aus.

Die bereits im Abstract getroffene Behauptung und die dort zitierten Autoren: "Our results reject the commonly held association7 between horseback riding and the massive expansion of Yamnaya steppe pastoralists into Europe around 3000 BC 8,9 driving the spread of Indo-European languages10." weisen auf das offensichtliche Bedürfnis des "Heischens um Aufmerksamkeit" hin – und das in der höchst renommierten Zeitschrift `Nature´. Beinahe lächerlich wirkt, dass der hier unter [7] als widerlegt zitierte Anthony auch gleichzeitig als Autor des ihn selbst widerlegenden Artikels angeführt wird – und das gleich zweimal mit den zwei Institutionen, bei denen er tätig ist.

Eine Begründung für die populistische Behauptung der Autoren, dass die noch nicht mutierten, urtümlicheren, "wilderen" aber domestizierten Reitpferde der Kurganer nicht mit ein Grund für die rasche Ausbreitung der indoeuropäischen Kurgankultur in Mitteleuropa gewesen sein könnten, bleiben die Autoren schuldig. Unter den für die Begründung einseitig ausgewählten Zitaten ( #37 - #44) werden durchwegs veraltete und überholte Veröffentlichungen dieser Autoren angeführt und es findet sich sich neben Renfrew (s. o.) – ein Verfechter der gegnerischen und längst überholten Anatolien-Hypothese – auch ein eigenartiger vehementer Patriarchat-Verfechter – der militante Gegner der Kurgan-Hypothese von Gimbutas - Alexander Häusler: → mit recht eigentümlichen Veröffentlichungen (vgl. Zitat #44).

Jedenfalls setzten sich die Gene und die indoeuropäische Sprache der Kurganer rasant durch – und die vergleichsweise wenigen eingewanderten Migranten wurden innert kurzer Zeit in einer "Kollision der Kulturen von Alteuropäern und Indo-Europäern" (vgl. Gimbutas 1997, p. 345-350: "When Worlds Collide" im folgenden Abschnitt) zur dominanten Bevölkerungsgruppe.



Literaturverzeichnis

Allentoft, M. E. et al.: → Population genomics of Bronze Age Eurasia. Nature 522 (2015) 167−172.

Anthony, David: → Migration, ancient DNA, and Bronze Age pastoralists from the Eurasian steppes. In Daniels, Megan (ed.), Homo Migrans: Modeling Mobility and Migration in Human History. 2021.

Anthony, David Waller: → The "Kurgan Culture," Indo-European Origins, and the Domestication of the Horse: A Reconsideration (and Comments by Gimbutas, Mallory et al. and Replies by Anthony). Current Anthropology, Vol. 27, Issue 4, 1986, pp 291-313.

Anthony, David: The Horse, the Wheel, and Language: How Bronze-Age Riders from the Eurasian Steppes Shaped the Modern World. Princeton, NJ: Princeton University Press, 2007. 553 pp. ISBN: 978-0-691-5887. → Download-Quelle und "Download (PDF)" auswählen. → WIKIPEDIA widmet diesem Buch eine ausführliche Beschreibung der Kapitel und des Inhalts (englisch).

Anthony, David: The Exhibition; 11.11.2009-25.4.2010. Catalogue: → The Lost World of Old Europe. The Danube Valley, 5000–3500 BC. Princeton University Press, 2010. pp. 254. (beinhaltet beeindruckende Bilder z.B. S. 128 ff., Cucuteni ~4000 v.Chr.)

Anthony, David and Ringe, Don: → The Indo-European Homeland from Linguistic and Archaeological Perspectives (January 2015). Annual Review of Linguistics, Vol. 1, Issue 1, pp. 199-219, 2015. (Authors: David Anthony, Dept. of Anthropology, Hartwick College and Don Ringe, Dept. of Linguistics, University of Pennsylvania); more sources: [3], [4]

Bailey Geoff et al.: → The Archaeology of Europe’s Drowned Landscapes Springer online 10. April 2020; Open Access: CC-BY Geoff Bailey, Nena Galanidou, Hans Peeters, Hauke Jöns, Moritz Mennenga

Excoffier, Laurent (senior scientist; Univ. Bern), Nina Marchi, Laura Winkelbach, Ilektra Schulz, Maxime Brami, Zuzana Hofmanová, Jens Blöcher, Carlos S. Reyna-Blanco, Yoan Diekmann, Alexandre Thiéry, Adamandia Kapopoulou, Vivian Link, Valérie Piuz, Susanne Kreutzer, Sylwia M. Figarska, Elissavet Ganiatsou et 15 al.: → The genomic origins of the world’s first farmers. Zs. Cell, Publisher: Elsevier. Date: Available online 12 May 2022. → Creative Commons CC-BY-NC license

Gamkrelidze, T. V., & Ivanov, V. V.: Indo-European and the Indo-Europeans. A Reconstruction and Historical Analysis of a Proto-Language and a Proto-Culture. Tiflis (Georgien) State University. (russ. Original 1964; engl. Übersetzung 1995).

Gimbutas, Marija (born as Alseikaité; 1921-1994): → The Kurgan culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected articles from 1952 to 1993. Editors (post mortem Marija´s): Robbins Dexter, Miriam and Jones-Bley, Karlene: Journal of Indo-European Studies, Monograph No. 18. Institute for the Study of Man; Washington D.C., 1997, 404 pages. Original ist, auch antiquarisch, vergriffen. Siehe vor allem ihre bewusst letzte und abschließende Veröffentlichung: "The Fall and Transformation of Old Europe: Recapitulation.", p. 351-372.

Gimbutas, Marija: → The Indo-Europeans: Archeological Problems, Harvard University 1962, In: American Anthropologist. 65 (1963), S. 815–836. → 2. Quelle (Darstellungen zur Kurgan-Kultur; grundsätzliche Grafiken)

Gimbutas, Marija: → The Indo-Europeanization of Europe: the intrusion of steppe pastoralists from south Russia and the transformation of Old Europe. In: Word 44, 1993, S. 205–222.

Gimbutas Marija: → Bronze Age cultures in Central and Eastern Europe. Mouton, The Hague, 1965. 772 p., Public Domain Mark 1.0, 45 MB.

Gimbutas, Marija: → The Civilization of the Goddess – The World of Old Europe. Edited by Joan Marler, Harper San Francisco, 1991. 529 pages; (Original vergriffen: → Download: 359 MB); [p. 193-199: Lake Shore Villages of Switzerland ... Cortaillod Culture]

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Gimbutas, Marija: → The language of the Goddess; unearthing the hidden symbols of western civilisation. 1989. Harper & Tow, San Frncisco. (Original vergriffen) 140 MB.

Gimbutas, Marija: → The Living Goddesses. Ed. Miriam Robbins Dexter; University of California, 1999, 286 p. (166 MB) Dieses letzte Buch von Gimbutas sollte auch ihren allerletzten Artikel beinhalten: "The Fall and Transformation of Old Europe: Recapitulation." (veröffentlicht aber in Gimbutas 1997, S. 351-372)

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