Eine Szenario-Erzählung der Besiedlung durch Kanal-Pfahlbauern (ohne Kupfer-Fokus)
Szenario-Erzählung der Sondierungen und Besiedlung durch Schweizer Kanal-Pfahlbauern
Nachfolgend wird ein konsistentes Szenario der einzelnen jedenfalls erforderlichen Schritte der Besiedlung der Salzkammergutseen durch Schweizer Bauern und Kanal-Pfahlbauern gezeichnet. In einem später gebrachten Abschnitt werden auch die naturräumlichen Rahmengegebenheiten und der Einfluss der Metallurgen und des Arsenkupfers auf das Entstehen der Pfahlbauernkultur am Mondsee und Attersee einbezogen.
Wenn bei uns im Vergleich zur Schweiz mit tausenden dendrochronologischen Altersbestimmungen nur knapp 30 14C-Datierungen von Pfahlbaustationen am Attersee und Mondsee vorliegen, soll im Folgenden doch eine "erste Szenario-Erzählung" eines möglichen zeitlichen Verlaufs der Kanal-Pfahlbaukultur an unseren oberösterreichischen Seen vermittels der wenigen gegebenen Datierungen versucht werden.
Es gehört zu Aufgaben archäologischer Forschung, solchen Anhaltspunkten - wie den im folgenden dargestellten Szenario-Bestandteilen - nachzugehen und sie zu verifizieren oder zu falsifizieren. Dies umso mehr, als Offenberger sich ja als Denkmalschützer sah und selbst so gut wie keine archäologischen Untersuchungen vornahm bzw. amtlicherseits auch nicht vornehmen durfte.
Jedenfalls stellen die Pfahlbauten am Attersee und Mondsee eine einzigartige Gelegenheit dar, die Entwicklung einer Pfahlbau-Gesellschaft an einem gesamten Seen-Ensemble zu erforschen. Das diesbezüglich wohl eindrücklichste Vorbild sind die Forschungen und Ergebnisse, die Peter Suter erstmals für einen gesamten See am Bieler See erarbeitete.
Kundschafter-Phase
Wenige Jahrhunderte nach Egolzwil und Kleinem Hafner am Zürichsee suchen und finden schweizerische Kanal-Pfahlbauern entlang der nördlichen Alpen mit Mondsee und Attersee geeignete Seen für ihre Kanal-Pfahlbauern-Kultur. Gründe für solche expansiven Vorhaben waren u. U. ausgelaugte Böden am bisherigen See (vgl. die regelmäßigen Siedlungsunterbrüche bei allen Pfahlbau-Stationen), vielleicht aber auch die gestiegenen Bevölkerungsdichten (v.a. wegen der Art der anderen (kürzere Stilldauern) und besseren Ernährung des Nachwuchses).
Ihre Anforderungen an einen neuen Kanal-Pfahlbauern-See waren wohl:
- Flussgebiet der Donau und Befahrbarkeit mit Flößen bis zum Schwarzen Meer
- "Gletscherrand"-See: Endmoräne mit steilem Abfluss für "Rückwärtserosion" (Sohlschwelle: Moräne; kein Fels)
- steiler Abfluss: große Strömung, kurze Rückwärtserosions-Strecke für See-Absenkung um 4-5 m für trockene Strandflächen, passeende Seen-Hydrologie
- Seehöhe 400-500 m – vergleichbar zu Egolzwil 523 m, Zürichsee 406 m, Bielersee 429 m, Neuenburger See 430 m
- passendes Klima: Niederschläge, Durchschnittstemperatur für Getreideanbau auf trockenfallenden Flächen (oder Wiesen für Schafe und Rinder)
- Wildreichtum, geeignete Bäume für Hüttenbau, Ressourcen und nahe Silex-Vorkommen usw.
- keine Eigentumsansprüche anderer neolithischer Gruppen, kein Jagdgebiet ursprünglicher Jäger-Sammler-Gruppen
- einigermaßen geschützte Lage von möglichen Siedlungen (kein allseitig freier Zugang, Rückzugsmöglichkeiten)
- vorhandene Salzsohle-Quellen im näheren Umfeld
- "Wegbarkeit": zum Erreichen aus Schweiz gutes Vorwärtskommen mit Vieh/Getreide 10-15 km/d, "gehbare" Waldränder

Klar vor 4.940 BP (± 120) (≈ 3.900kal.v.Chr.): "Kundschafter" sondieren östlich der Schweiz entlang des Voralpengebiets mögliche geeignete Gletscherrand-Seen (Anm.: Die bayrischen Seen waren - mit Ausnahme des Starnbergersees = Würmsees - voll vom Eis überfahren, sodass sie eben keine "Gletscherrand"-Seen waren.)
- Starnberger See: 584 m – Würm mäandert lustlos und mit nur geringem Gefälle.
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: → UNESCO-Pfahlbau-Fundstellen in Bayern: Siedlung Kempfenhausen auf ehemals trocken gefallener Insel, heute 4 ½ m unter Wasser; 3.728–3.719 v.Chr., "das heißt am Beginn der Altheimer Kultur des bayerischen Jungneolithikums"; Zeitstellung passt zu Auflassen von "See" und Scharfling; Mondsee-Arsenkupfer (Ahle und Beil); Ableger der Mondseekultur? Töpfe vglb. zu Mondsee-Keramik; keine landwirtschaftlichen Tätigkeiten] 2. Link: Pflederer 2019, Tobias: → Leben auf der Insel. Die jungsteinzeitliche Pfahlstation von Kempfenhausen im Starnberger See. Bayerische Archäologie 2019:32–34 - Ammersee: 540 m Seehöhe – Amper hat nach 12 km Seehöhe von 528 m: 1 ‰ Gefälle;
- Simssee: 473 m – Abfluss im Süden: hat also keine Gletscher-Endmoräne;
- Chiemsee: 518 m – Alz mäandert 20 km bis Altenmarkt mit 504 m: 0,7 ‰ Gefälle; dann 2-m-Wasserfall;
- Waginger See: 442 m – Götzinger Achen nach 5 km 414 m, ≈ 6 ‰ Gefälle, hätte aber nur wenig Strandflächen bewirkt; ** → Bair. Unterwasserarchäologie: "Die bayerische Pfahlbaulücke zw. Bodensee und Salzkammergut klafft – mit Ausnahme des Starnberger Sees – weiter."

- Mattsee|Obertrumer See|Grabensee: alle 503 m, keine Endmoräne: – Mattig in 8 km 491 m: 1 ½ ‰ Gefälle;
- Wallersee: 506 m – keine Endmoräne; Fischbach fließt viele km lang flach dahin; keine "Rückwärts-Erosion" möglich;
- Fuschlsee: 663 m – zu hoch?; mäandert 16 km bis zum Mondsee mit 493 m: ≈ 10 ‰ Gefälle; wenig gewinnbare Strandfläche; Seeabschluss mit 1 km Moor und Schwemmkegel;
- Wolfgangsee: 538 m – Schüttkegel beim Seeausrinn; Ischler Ache fließt südwärts 4 km bis 514 m mit ≈ 6 ‰ Gefälle; Kanal in Ischler Ache ob potenzieller Schüttungen (3 Wildbäche von N, 1 großer von S) nicht beherrschbar (vgl. die Abbildung!);
- Traunsee: 423 m – Traun 10 m auf 2 km mit ≈ 5 ‰ Gefälle; wenig Strandplatten; Abfluss tief eingeschnitten, 45°-steile Fluss-Ufer; Traunsee ist hydrologisch überhaupt nicht beherrschbar; (vielleicht wurde im Zuge dieser Prospektionen aber die Salzquelle Pfandl bei Ischl entdeckt?)
- Mondsee: 493 m – Seeache 24 m auf 3 km (See bis Unterach) mit ≈ 8 ‰ Gefälle; beim Ausfluss ehemals mehr; Moränenwall;
- Attersee: 469 m – Ager 9 m auf 2 km (See-Oberachmann) mit ≈ 4 ½ ‰ Gefälle; beim Ausfluss ehemals mehr, Endmoräne.
Pionier-Phase
Klar vor 4.940 BP (± 120) erfolgte eine detailliertere Erkundung von Mondsee und Attersee bzgl. Eignung der Hydrologie (z. B. ähnliches Zwei-Seen-System wie Neuenburgersee/Bielersee); der Umwelt für die neolithischen Pflanzen, Tiere und Ressourcen; es gibt keine neolithischen Nachbarn; es gibt auch keine mesolithischen Jäger/Sammler-Gruppen; Erkundung der Gegend; Wildreichtum usw.
Erarbeitung eines hydrologischen Konzepts
Wie im eigenen Abschnitt → "Hydrologie der Salzkammergut-Seen für die Kanal-Pfahlbauern" ausführlich dargestellt, sind – auch heute noch – tiefgehende hydrologische Kenntnisse für die Bewirtschaftung von Kanal-Pfahlbauern-Seen erforderlich. Solches Know how war unbedingte Voraussetzung für die erfolgreiche Besiedlung des Attersees einschließlich des Mondsees.
Dieses tiefschürfende hydrologische Know how fehlte allen direkt benachbarten neolithischen Gruppen völlig und konnte nur von bereits erfahrenen Kanal-Pfahlbauern beigebracht werden. (Anm.: Solche "Wasserbau-Spezialisten" mit jahrhundertelangen hydrologischen Erfahrungen gab es damals ausschließlich an den Schweizer Pfahlbauseen.)

Wesentlich war der Erwerb grundlegender Kenntnisse über die hydrologischen Gegebenheiten zu den zu besiedelnden Seen über einen gewissen Zeitraum – z. B. während einer Pionier-Generation (20–30 Jahre).
Dazu gehören die vergleichweise einfach zu erwerbenden Erfahrungen und Größen:
- Niederschläge (normal, Starkregen, Häufigkeiten usw.): konnten direkt beobachtet werden

- Seefläche: konnte durch Befahren mit Einbäumen direkt abgeschätzt werden: Ein Längs-Befahren des Attersees (20 km) dauerte rd. 4 Stunden (Lit.: Schöbel 2009, S.9: Einbaum mit 5 kmh); jene des Mondsees (10 km) rd. 2 Stunden. Mehrere Seeüberquerungen dauerten am Attersee im Durchschnitt rd. ¾ Stunden, jene des Mondsees rd. ½ Stunde. Damit ergaben sich die Seeflächen – jedenfalls ihre Relationen zueinander im Verhältnis von 4 zu 1.
- Einzugsgebiet-Größe: diese konnte einfach durch Abgehen je zufließendem Bach bis zu den Wasserscheiden eruiert werden (vgl. hierzu die nebenstehende Abbildung des Gebietes) [Anm.: Dies führte für Attersee und Mondsee durch einfaches Stundenzählen rasch zu guten Ergebnissen. Beim Traunsee fanden sie die zugehörigen südlichen Wasserscheiden in solchen Entfernungen, dass sie jedenfalls eine Besiedlung nicht in Betracht zogen. Vielleicht fanden sie dabei aber gleichzeitig den Austritt des salzhaltigen Wassers – durch Tierbeobachtung (!) – bei Pfandl nahe Bad Ischl.]
- Abflüsse der einzelnen Seen (Durchschnitt; Schwankungen; Hochwasserabfluss: Höhe, Dauer usw.) [Anm.: Der durchschnittliche Abfluss korreliert direkt mit dem zugehörigen Einzugsgebiet.]
- Verhältnis von Einzugsgebiet zu Seefläche: das war die wesentliche Kenngröße für eine Besiedlung, da davon ja die Hochwässer und die See-Retention abhängen
- Beobachtung der tatsächlichen Wasseranstiege bei Auftreten von Hochwässern je See
- Seeretention (einzeln; im System): aus der Erfahrung z.B. vom System Neuenburgersee-Bielersee konnten entsprechende Verfahrensweisen für eine Verbesserung insgesamt abgeleitet werden
- Das waren die Grundlagen für die Konzeption der hydrologischen Bewirtschaftung des Seensystems:
- Tiefe des Abgrabens der Abflüsse beider Seen (konnte jederzeit nachgebessert werden);
- Vorabsenkung des Mondsees und Aufstau bei Auftreten eines Hochwassers (lt. Erfahrungen);
- gleichzeitig frühzeitiges Absenkung des Attersees unter Normal-Seehöhe zur Aufnahme von vorhersehbaren Hochwasser-Niederschlägen
Die Pioniere der Pfahlbauern werden auf Grund ihrer Abschätzungen und ihrer hydrologischen Kenntnisse über das Seensystem Mondsee-Attersee zu den folgenden größenordnungsmäßigen Werten wie in der nachstehenden Tabelle gekommen sein:
| Einzugs- gebiet h x h |
Seefläche h lang x h breit |
Einzugsgebiet zu See-Fläche |
Abfluss zu Seefläche |
Hochwassergefahr | |
|---|---|---|---|---|---|
| Obersee | 20 h x h | 2 h x ½ h = 1 h x h | 20 x Seefläche | 10 | "2 x" = Beobachtung |
| Untersee alleine | 15 h x h | 4 h x ¾ h = 3 h x h | 5 x Seefläche | 7 | "1 x" Diff.-Schätzung |
| Ober- + Untersee | 35 h x h | 4 h x h | 9 x Seefläche | 17 | "3 x" = Beobachtung |
Zum Vergleich werden die heutigen, gemessenen Daten der hydrologischen Gegebenheiten der angeführten Seen angeführt. Der Traunsee kam nie in Frage; der günstig scheinende Wolfgangsee nicht wegen des nicht beherrschbaren Abfluss-Kanals.
| Einzugs- gebiet E [km²] |
Seefläche F [km²] |
E zu F | MQ [m³/s] |
HHQ [m³/s] | |
|---|---|---|---|---|---|
| Attersee ohne Mondsee | 217 | 46,2 | 4,7 | 8 | 37 |
| Attersee mit Mondsee | 463 | 60,0 | 7,9 | 17 | 110 |
| Mondsee allein | 247 | 13,8 | 17,9 | 9 | 73 |
| Wolfgangsee | 125 | 13,0 | 9,6 | 5,4 | 43 |
| Traunsee | 1422 | 24,5 | 58,0 | 69 | 630 |
Die Pioniere der Kanal-Pfahlbauern haben aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen sicher erkannt, dass die Hochwässer des Mondsees die hauptsächliche Ursache für besonders hohe Attersee-Hochwässer des gemeinsamen Systems Mondsee-Attersee sind. Diese sind für den Attersee im Gesamtsystem mindestens doppelt so schwierig wie für den Attersee allein.
Sie erkannten wohl auch, dass sich der alleinige Attersee-Abfluss bei Hochwasser nur auf das Doppelte des Normal-Abflusses erhöht, wenn man den gleichzeitigen Hochwasserzufluss des Mondsees in den Attersee verhindern kann. Dadurch reduzierte sich ja das Verhältnis von Einzugsgebiet zu Seefläche für den Attersee im Vergleich zu (Attersee allein) beinahe auf die Hälfte (7,9 → 4,7).
Wenn sie den Attersee besiedeln wollten, mussten sie die drohenden Hochwässer des Mondsees beherrschen.
Aus ihren Erfahrungen konnten sie sicher auch folgendes abschätzen: Wenn man bei einem Starkregen die Abflusswelle des Mondsees in den Attersee für drei Tage durch Aufstau verhinderte, so erhöhte sich der Spiegel des Mondsees nur um ~ 1 ½ m. Diese Kenntnis konnten sie wohl auch aufgrund von Beobachtungen während Hochwasserereignissen ableiten. Mit einer Vorabsenkung um 3 m lag man auf der sicheren Seite.
Damit die Pfahlbauten in See/Mondsee auch bei einer Hochwasserrückhaltung des Mondsees jedenfalls auf dem Trockenen blieben, wäre eine Absenkung des Mondsees um rund 4–5 m zielführend gewesen (vgl. Janik-Veröffentlichung mit Seekreide in 5 m Tiefe bei der Möbelfabrik neben der Seeache).
Verständliche Konsequenz: die geringe Besiedlung der Mondsee-Strandplatten
Unter der Annahme, dass der Mondsee kontinuierlich vorabgesenkt betrieben wurde, um mögliche auftretende Hochwässer vor Abfließen in den Attersee durch Aufstau auffangen zu können, hatte der Mondsee dauernd ein recht tiefes Seespiegelniveau.
Dabei fielen breite Strandflächen z.B. bei St. Lorenz und auch am gegenüberliegenden Ufer sowie östlich von Mooswinkel trocken. Dort wurden aber trotz intensiver, früher Absuchungen durch Tauchgruppen unter Johann Offenberger bis 10 m Tiefe – und auch durch hochauflösende unterwasserarchäologische Prospektionen durch Prof. Timothy Taylor im Sommer 2018 mit Fächerecholot (siehe weiter unten) – keine weiteren Pfahlbausiedlungen neben jenen von See, Scharfling und Mooswinkel gefunden.
Dies passt zur These der Funktion des Mondsees als „Vorfluter“ für den Attersee. Falls ein Hochwasser auftrat, führte das Aufstauen des Mondsees ja dazu, dass diese ansonsten trockenen Strandplatten überflutet wurden – diese konnten also nicht als Anbauflächen für Getreide oder als Siedlungsflächen genutzt werden.
Der Mondsee war Voraussetzung und Ermöglicher für die neolithische Besiedlung des Attersees durch die Kanal-Pfahlbauern, hatte dadurch aber keine Gelegenheiten für weitere eigene Stationen.
Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten zur Vorabsenkung des Mondsees
Nachtnebel, H. et al.: → Wasserwirtschaft zur Minderung von Hochwasserschäden am Mondsee. BOKU, Dezember 2008; 255 S.
Hier wird eine aktuelle Masterarbeit von Berger 2018, David, zur → Analyse des hydrologischen Systems Mondsee mit Schwerpunkt Management des Seewasserspiegels, der Univ. für Bodenkultur, Wien, 2018 (73 Seiten) gebracht, der auch die Möglichkeit von Vorabsenkungen des Mondsees eingehend untersucht und auch die vorgelagerten Seen detailliert einbezieht.
Habersack, H.: Optimierung der Klauswehrordnung des Mondsees, - Möglichkeit zur Vorabsenkung des Mondseewasserstands zur Verringerung des Hochwasserrisikos. BOKU 2018.
Preiml 2024, M.; Klingler, C. et al.: → Optimierung der Klauswehrordnung des Mondsees, Teil I – Hydraulik; → Teil II – Hydrologie. Österr Wasser- und Abfallwirtschaft 2024:182–202.
Entscheidung
Die Entscheidung fiel damit vor 4.940 BP wegen der hydrologischen Verhältnisse und den viel geringeren und wenig günstigen landwirtschaftlichen Lagen des Mondsees für den Attersee, und das vor allem auch wegen der möglichen "Vorfluter-Funktion" des Mondsees; und auch gegen den Traunsee oder den Wolfgangsee, bei denen diese Möglichkeit völlig fehlte.
Die sich anbietende Möglichkeit bestand ja darin, den Mondsee stets um 4 - 5 m "vor-abgesenkt" zu halten, um ihn bei Starkregen-Ereignissen aufstauen und damit das Hochwasser für den Attersee deutlich geringer halten zu können: damit wurden die potentiellen Hochwässer am Attersee auf rund die Hälfte des unbeeinflussten Gesamtsystems reduziert.
Pionier-Station Scharfling


Als Pionier-Station wurde Scharfling wegen der besonders geschützten Lage gewählt: Die Station war ausschließlich über Wasser erreichbar: die Bucht war rundum vom See und beidseits von senkrecht aus dem Mondsee aufsteigenden Felswänden umschlossen - vgl. die Höhenlinien in der nebenstehenden Abbildung und die nachfolgenden Bilder der Station Scharfling mit den sie einschließenden Steilabfällen der beidseitigen Felsen. Die Station Scharfling blieb dauerhaft der sicherste Zufluchtsort für alle Pfahlbauern des gesamten Attersee-Mondsee-Gebiets.
[EINFÜGUNG: Diese geschützte Lage erinnert frappant an das vor-neolithische / mesolithische „Lepinski Vir“ der ursprünglichen Jäger und Sammler auf der serbischen Seite des Eisernen Tores der Donau: Parzinger beschreibt diese Siedlung wie folgt (S. 188 ff.): „Den mesolithischen Siedlungen von Lepinski Vir ist gemeinsam, dass sie auf schmalen Terrassen oberhalb der Donau liegen. Auf der einen Seite wird das Siedlungsareal durch den Fluss und auf der anderen Seite durch die steil ansteigenden Berge und das schwer zugängliche Hinterland begrenzt.“ Diese Lage kommt wohl einerseits dem Schutzbedürfnis und andererseits den wirtschaftlichen Interessen (Fischfang, Jagd usw.) entgegen. (In Buch: Parzinger 2015, Hermann: Die Kinder des Prometheus – Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift. Beck Verlag, München, 848 Seiten; hier v.a. S. 188 ff.)]
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senkrechter Steilabfall der Kienbergwand rechts von Station Scharfling
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Station Scharfling rechts neben Kienbergwand und türkisem Mondsee
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Gebiet der Station Scharfling zwischen den Steilabfällen
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senkrechter Steilabfall der Felsen links von der Station Scharfling

Die erste Absenkung des Mondsees durch Abgraben der Sohlschwelle bei der Station See und der Siedlungsbeginn in Scharfling erfolgte klar vor 4.940 BP, da die radiokarbon-datierten Pfähle von Scharfling ja bereits unter Wasser gefunden wurden.
Bezüglich der Gebiets-Abschottung gilt Ähnliches auch für die Station See mit den raschen und steilen Geländeanstiegen der Kalkalpen im Süden und jenen der Flyschberge im Norden. Wie der Abbildung zu entnehmen ist, fehlen wegen des raschen Geländeanstiegs geeignete Flächen für einen umfangreichen Getreideanbau.
Wie in der Abbildung am Bewuchs mit Schilf und auch Seerosen vor der Station See am Mondsee klar zu erkennen ist, ist dort der See durchwegs flach und nicht tief, sodass die Station direkt neben dem abgegrabenen Ausrinn zu liegen kam (vgl. die völlig analoge Lage des Kleinen Hafners bei Zürich).
Die Einmündung der Seeache in den Attersee ist seeseits schwer zu finden, sodass die Station See recht sicher scheint.
Planung und Logistik
Im Zeitraum 4.940–4.910 bp wurde die Planung und Logistik für die Realisierung des Vorhabens umgesetzt:
- "Pioniere": Pioniersiedlung Scharfling: 4.940 ± 120 bp (geschützte Lage); erste Abgrabung der See-Ache mittels Rückwärts-Erosion in See/Mondsee; Strandplatte wird trocken, recht ebene Landfläche in Scharfling (Schüttung von Kienbach); erste Abgrabung der Ager mittels Rückwärts-Erosion in Seewalchen/Schörfling; erste Getreide-Produktion vor allem am Attersee
- "Ausbauarbeiten": Produktion in und Transport von Überschüssen aus der Schweiz: Vieh (Rind, Schaf, Ziege, Schwein; Hund) und Getreide; Vorbereitung von Baumaterial für weitere Unterkünfte, Grabgeräte, Steinwerkzeuge, Seile usw.; Einbäume für Verkehr am Attersee und Mondsee; Häuserbauten; Übersiedlung einer größeren Arbeitsgruppe, erste Aussaat, Betreuung des Viehs; Jagd; Vorräte für ersten Winter; erst dann Nachzügler (Frauen und Kinder ...)
Besiedlungs-Phase

Grundsätzliche Anmerkung: Die Auswahl der untersuchten Pfahl-Proben war jedenfalls zufällig – damit ist jedenfalls nur ein Alter „post quem“ eruierbar. Viele Arcgäologen gehen davon aus, dass regelmäßig die ersten Nachweise einer Siedlung erst 100/200 Jahre nach ihrem tatsächlichen Auftreten festgestellt werden können.
Die kalendarischen Daten sind um rund 850 - 500 Jahre älter als die hier im Folgenden angegebenen 14C-Daten. Zur Korrektur der physikalischen 14C-Daten auf der Abszisse (x-Achse) zu wirklichen Kalenderdaten sind die Werte der Ordinate (y-Achse) hinzuzuzählen (vgl. die nebenstehende Grafik).
Damit werden die Kalenderdaten unserer Pfahlbauern von ca. 6.000 bis 4.700 Jahre vor heute gut abgedeckt (entsprechend dem bekannten 14C-Alter der x-Achse plus dem hinzuzufügendem Alter der y-Achse).

Besiedlung der Stationen am Mondsee und Attersee
4.940 bp ( ± 120): Pioniersiedling Scharfling
4.910 bp: Nachweis der ersten Siedlungen an den Ausflüssen von Mondsee (See 4.910 ± 130 bp) und Attersee (Seewalchen 4.910 ± 100 bp)
4.870 bp: Seewalchen, Kammer, Scharfling usw. (Getreide-Produktion)
4.800 bp: hydrologische Arbeiten an der See-Ache? (Pfahl-Fund am Ausfluss des Mondsees: Ausbau der See-Ache-Regulierung?)
4.780–4.660 bp: Getreide-Produktion: Scharfling, Seewalchen, Attersee, Abtsdorf, Weyregg, See, Misling, (Nußdorf ?)
→ 4.660 bp: Scharfling und See/Mondsee enden (?) nach rd. 300 / 250 Jahren (es gibt keine späteren 14C-Daten)
4.650-4.390 bp: Seewalchen, Weyregg, Attersee, Kammer, (Nußdorf ?), (Misling ?)
4.560 bp: Mooswinkel als einziger "echter" Pfahlbau (lt. Offenberger stehen die Pfähle nur dieser Station im Wasser)
4.310 bp: Nußdorf (seit wann? es gibt bislang nur 1 untersuchte Probe): ist letzter "trockener, konventioneller Pfahlbau". (Anm.: Eine Unterwasser-Grabung mit Kernbohrung im Jahr 2022 zeigte eine Gliederung in zwei Kulturschichten der Station Nußdorf. Bis dato ist das Alter der darunter liegenden - älteren - Schicht noch nicht bekannt.)
4.260 bp: Mooswinkel als aller-letzter Pfahlbau der Mondsee-Kultur
3.180 bp: Abtsdorf I: Bronzezeit (sind keine Neolithiker mehr; eher Indoeuropäer: Station dann als echter "Pfahlbau" eher im Wasser)
Auffälligkeiten:
- Die Station Misling bietet wenig landwirtschaftliche Flächen; von Norden her ist die Zugänglichkeit zu dieser Station aber ziemlich schwierig und damit recht "geschützt";
- in Nußdorf könnte es neben den zwei Stationen an der bekannten Stelle noch mehrere Stationen gegeben haben, die sich heute vielleicht unter den enormen Schüttungen des Näßltalbaches (von keltisch nässen = stark "nässender" Bach) befinden; die nachgewiesene Station befindet sich am äußersten, südlichen Rand bereits außerhalb des Schüttkegels; viel günstigere Stellen würden sich etwas nördlicher in der sog. "Latzl-Bucht" anbieten: Reste solcher Pfahlbauten lägen heute aber unter rd. 2-3 m Schüttung des Näßltalbachs - und der mittlerweile erfolgten Kliffbildung - unter dem heutigen Grund des Sees;
- ähnlich könnte es sich mit dem Schüttkegel von Weyregg verhalten.
Exkurs 1: (Mögliche) Funktionen von Scharfling

Quellen: Google-Maps und Terrametrics, Kartendaten
Scharfling ist am südlichen Mondsee-Ufer wegen der beidseits senkrecht in den See abfallenden Steilwände des Gebirges über Land weder aus dem Osten noch aus dem Westen gut erreichbar und war damit als sichere Gründungs-Station für die Station See und in der Folge der Stationen am Attersee besonders geeignet.
Ein von der Archäologie wenig beachteter Aspekt der Kultur der Pfahlbauern ist deren Bedürfnis – wie aller Menschen – nach Salz.
Link zu Literatur zur Bedeutung von → Salz der Neolithiker
Die Bedeutung des Salzes für den Menschen erkennt man auch daran, dass „salzig“ eine eigene Geschmacksrichtung darstellt. Jäger/Sammler aßen gebratenes Fleisch, sodass das Salz im Fleisch beim Kochen nicht verloren ging. In pflanzlicher Nahrung ist kein Salz enthalten. Infolgedessen waren unsere Pfahlbauern zunehmend auf Kochsalz angewiesen, als sie immer mehr von der Jagd auf den Anbau von Kulturpflanzen übergingen.
Der Salzbedarf des Menschen beträgt zumindest 3 - 5 g pro Tag, wenn man schwitzt mehr.
Blut enthält rd. 1 g Salz je 100 ml. Der Salzgehalt beträgt: Reh 0,12 g Salz je 100 g Fleisch; Hirsch und Wildschwein 0,2 g je 100 g; Hase, Fasan und Ente 0,1 g je 100 g; Schaf, Ziege und Rind 0,18 g je 100 g. Rohe Milch enthält 0,12 g Salz je 100 ml. Erbsen haben 0,015 g Salz je 100 g, Getreide 0,02 g je 100 g. Äpfel haben 0,003 g je 100 g; Kirschen 0,01 g je 100 g.
In deren mehrere Jahrhundete dauerndem Aufenthalt in Scharfling haben diese Pfahlbauern sicher auch den niedrigen Übergang zum Wolfgangsee und von dort nach Pfandl (= heutiger Stadtteil von Bad Ischl) erkundet und den dortigen natürlichen Austritt von salzhaltigem Wasser in einem Abstand von nur 20 km vom Ausgangsort – bei Überquerung des Wolfgangsees mit Einbäumen – entdeckt.
Die Trocknung des salzhaltigen Wassers z.B. auf Reisig aber eher das Verkochen der Salz-Sole ermöglichte ihnen, Salz in trockener, konzentrierter Form zu produzieren und an den Mondsee – und von dort via Mooswinkel und See an den Attersee – zu transportieren.
[Anm.: Aktuelle Forschungen des Projekts → Hall-Impact: Mensch, Landschaft, Umwelt in einer Salzregion ergaben, dass bereits um 5.000 v.Chr. bei Hallstatt Landwirtschaft und Viehzucht – und wohl auch Salzgewinnung – betrieben wurde.]
Nach ihrer Gründungs-Aufgabe für das gesamte Attersee-Mondsee-System behielt die Station Scharfling über lange Zeit eine bedeutsame Funktion für alle anderen Pfahlbauern, indem sie einerseits einen sicheren Rückzugsort bot, vielleicht aber auch, indem sie die Versorgung mit dem lebensnotwendigem Salz ermöglichte.
Die Stationen Scharfling und See enden 4.660 BC (es gibt keine späteren 14C-Daten).
[Anm.: Zu dieser Zeit wurde der einzige Pfahlbau auf einer Insel im Starnberger See gegründet, der Konnexe zur Mondseekultur (Mondsee-Arsenkupfer, Mondsee-Keramik) aufweist.]
Exkurs 2: (Mögliche) Funktionen von Misling

Quellen: Google-Maps und Terrametrics, Kartendaten

4.710 BC taucht die Station Misling erstmals in den 14C-Daten auf.
Die Station Misling bietet wenig landwirtschaftliche Flächen – weder auf dem geringen trocken fallendem Seeboden noch im Umland – und ihre Anlage ist unter diesem Gesichtspunkt wenig verständlich. Landwärts steigt das Gelände mit rd. 30 % an. Andererseits ist aber die Lage von Norden her recht geschützt.
Eine weitere Besonderheit der Lage ist darin zu finden, dass hier der Attersee eine nur geringe Breite zum gegenüber liegenden Steinbach hat, was vielleicht für die Jagd sowohl auf den Bergen beider Atterseeufer als auch im Gebirge z. B. auf Gämsen günstig war.
Geht man davon aus, dass mit dem Auflassen der Siedlungen See und Scharfling deren Funktionen aber weiter ausgeübt werden mussten, hätte das neu angelegte Misling übernehmen müssen:
- „Abfluss- und Hochwasser-Wächter“ am Mondsee und
- Salzproduktion bei der Sole-Quelle Pfandl für die übrigen Siedlungen.
Im ersten Fall war die räumliche Nähe zum Mondsee Voraussetzung für die Ausübung der Hochwasserwächter-Funktion.
Im zweiten Fall eröffnete die Überfahrt nach Weißenbach eine neue, direkte Verbindung durch das Mitterweißenbachtal nach Bad Ischl und weiter nach Pfandl, das mit einem Fußmarsch von 5 ½ Stunden eine ähnliche Entfernung wie die ehemalige von Scharfling aufweist. (Allerdings konnten am Wolfgangsee 10 km mit Einbaum zurückgelegt werden.) Auch stellt der Weg durch das Mitterweißenbachtal mit nur wenigen zu bewältigenden Höhenmetern (263 m gegenüber 184 m des alten Scharfling-Weges) kein Hindernis dar.
Berücksichtigt man die damalige immense Bedeutung von Salz, sind die abgeschiedenen und besonders geschützten Lagen von Misling - aber auch Scharfling - unmittelbar einsichtig. Wenn in jeder Pfahlbau-Station am Attersee ein mehrwöchiger Salz-Vorrat gelagert worden wäre, wäre das einer Einladung für eine räuberische Aneignung gleichgekommen. Deshalb wurde wohl das Salz aus den recht geschützten Lagen Scharfling und auch Misling an die anderen Stationen regelmäßig nur in so geringer Menge geliefert, dass sich ein Überfall nicht auszahlte.
Exkurs 3: Mooswinkel

Mooswinkel beginnt 4.560 BC; nach Ende von See und Scharfling 4.660 BC und Misling-Beginnn um 4.710 BC.
Offenberger vermutete über die Funktion der Station Mooswinkel, da sie die einzige Station mit Pfählen im Wasser war, dass sie eine Funktion als "Überfuhr" über den Mondsee (nach Scharfling usw.) innehatte.
Tatsächlich ist die Station Mooswinkel durch eine besonders geschützte Lage zweifach ausgezeichnet: die Halbinsel ist nur von der Mondseer Seite einfach zugänglich und sie bietet einen natürlich geschützten Hafen.
Die Pfähle sind seeseits vor dem Abhang in den tieferen See auch in einer solchen (bis 8 m) Tiefe zu finden, dass man von Anlege-Stegen im See auch bei starken Seespiegelschwankungen ausgehen kann.
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Station Mooswinkel liegt 15 - 30 m vor dem Ufer
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windgeschützter Hafen gegen die Weststürme
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Überfuhr zu unzugäng-
licher Station Scharfling
Die linke Abbildung zeigt die Lage der Station Mooswinkel, wobei die landseitigen Pfähle parallel in einem Abstand von etwa 15 m zum heutigen Ufer verlaufen. Daran schließt sich der Stationsbereich bis in größere Seetiefen (bis rd. 8 m heutige Tiefe) an; er erstreckt sich vom Bereich des Segelboots bis zum unteren Bildrand.
Im mittleren Bild erkennt man die geschützte Hafenanlage gegen die am Mondsee gefürchteten Weststürme. Laut persönlicher Auskunft heutiger Anrainer sieht man bei solchen Weststürmen die nicht selten gewaltigen Wellen mit ihren Schaumkronen außerhalb der Bucht vorbeiziehen, während das Wasser in der Bucht vergleichsweise ruhig bleibt. Nur die morgendlichen Südwinde kommen in die Bucht, die aber selten mehr als drei Windstärken haben.
Die rechte Abbildung zeigt, dass die Lage von Mooswinkel eine günstige Stelle für eine Überfuhr zum südlichen Seeufer aber auch den gesamten übrigen Mondsee darstellt.
Mooswinkel endet 4.260 BP als aller-letzter Pfahlbau der Pfahlbauern-Kultur.
Exkurs 4: Hypothese zur extremen Tiefenlage von Mooswinkel
Nach dem Ende von See und Scharfling war es für die Attersee-Siedlungen möglich, den Mondsee noch tiefer vorabzuabzusenken und damit die Überschwemmungsgefahr von Getreideanbauflächen am Attersee noch deutlich weiter zu reduzieren.
Damit standen auch die Pfahlbauten von Mooswinkel auf dem Trockenen, was es auch die dortigen archäologischen Funde (z.B. Koprolithen) nahelegen.
Gleichzeitig fielen bedeutende Flächen östlich von Mooswinkel trocken und konnten bewirtschaftet werden.
Regelmäßige, gleichzeitige Besiedlungsphasen am gesamten Attersee
Analog zu den Gegebenheiten am Bielersee (vgl. → Suter) ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Niederwasser-Perioden des Attersees gleichzeitig bei den meisten/allen Stationen am Attersee für eine Besiedlung genutzt wurden. Dazu gibt es aktuell aber keine entsprechenden Forschungsergebnisse – was auch durch das Fehlen einer österreichischen jahrgenauen Dendrochronologie erschwert ist.
Weyregg II weist laut Pohl (2017) zumindest fünf Kulturschichten auf, die durch Seekreide voneinander getrennt sind. Eine dieser Kulturschichten weist drei Schichten (SE 4.3; SE 4.4 und SE 4.5) auf, die nur durch ein dünnes Seekreideband voneinander getrennt sind.
- Aus diesem → Bericht zur unterwasserarchäologischen Grabung Weyregg II wird man hinsichtlich der Kulturschichten aber nicht wirklich schlau, wenn z.B. (S. 19) bezüglich – einzelne Kulturchichten trennende – Seekreidebändern angeführt wird: "Ob es sich um eine mehrjährige Ablagerung von Seekreide während einer Siedlungsunterbrechung oder ein einmaliges Überschwemmungsereignis [! ?] handelt, ist unklar."
Weiters sind bisher mehrere Kulturschichten bei den folgenden Stationen bekannt: Offenberger berichtet in „Stratigraphische Untersuchungen im Bereich der neolithischen Station Weyregg I am Attersee“. FÖ 20, Wien 1982:191–222. auf S. 197 von zwei getrennten Kulturschichten mit den folgenden Radiokarbondaten: VRI-732: 4640 ± 110 und VRI-733: 4660 ± 100. Auch in Seewalchen gibt es zumindest zwei Kulturschichten, ebenso wie in der Station Nußdorf.