Die Kanal-Pfahlbauern-Kultur am Attersee und Mondsee

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Pfahlbauforschungen an Attersee und Mondsee

Krug der Mondseekultur: OÖMV 1981

Kuratorium Pfahlbauten: → Vom Baggern, Ausbeutung und günstigem Wetter – Die Anfänge der Pfahlbauforschung in Österreich

OÖ Landesausstellung 2027: Amt der Oö. Landesregierung, Direktion Kultur und Gesellschaft, Abteilung Kultur, Promenade 37; 4021 Linz; 0732 7720 14875; veranstaltungen.k.post@ooe.gv.at

Für und Wider

K.u.k. Akademie der Wissenschaften

Hochstetter, F.: → Ueber Pfahlbauten. (Vortrag 7.11.1864) Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse (1866). S. 1-34.

  • S. 7: „Auf Antrag des Präsidenten der kais. Akademie der Wissenschaften, Freiherrn v. Baumgartner, liess die k. Akademie im verflossenen Sommer und Herbst die österreichischen Seen nach Pfahlbauten durchforschen, und wie zu erwarten stand, blieben diese Nachforschungen nicht erfolglos. Ein Theil dieser Aufgabe, die Untersuchung der Seen von Kärnten und Krain, war mir zugefallen. Ich war so glücklich, an vier Seen Kärntens, am Wörther-, Keutschacher-, Rauschelen- und Ossiacher-See Punkte nachzuweisen, wo theils Pfahlwerk, theils Gegenstände, die ausgebaggert wurden, wie Topfscherben, Haselnüsse, Kohlen und Knochen, auf alte Niederlassungen hindeuten.“

Kner Rudolf: → Bericht über die Untersuchung der Seen Oberösterreichs bezüglich etwa vorhandener Pfahlbauten (im Auftrag der kaiserlichen Akademie). Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, 1865, Band 50, S. 332-346.

Hochstetter: Christian Gottlob Ferdinand Ritter v.: → Bericht über Nachforschungen nach Pfahlbauten in den Seen von Kärnthen und Krain. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, math.-naturwiss. Klasse, 1865, Band 51, S. 261–282.

Hofmann, Elise: → Pflanzenreste der Mondseer Pfahlbauten; Vorgelegt in der Sitzung am 3. Juli 1924. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, 1924, Band 133, S. 379–409.

  • Rudolf Much beschreibt zu Beginn die Ausbeutung des Pfahlbaus See am Mondsee durch seinen Vater Matthäus Much.
  • Material: Getreide, Brote, Obst, Schnüre und Gewebereste, Hölzer und Holzgeräte, Baumhölzer; Rinden, Stroh, Moose.

Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft

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Mittheilungen der → antropologischen Gesellschaft, Wien, Band I, Wien 1871, erschienen am 15. September 1871.

Mittheilungen der → antropologischen Gesellschaft, Wien, Band II, Wien 1872.

  • Wurmbrand, Gundaker Graf von: Schreiben an Sectionsrath Ritter von Hauer, über die in den oberösterreichischen Seen fortgesetzten Pfahlbauuntersuchungen. S. 1-7. (Überblick zu den neu entdeckten Stationen am Attersee: Ende Juli/Anfang August Auffinden der Stationen bei Aufham (eine Erhöhung des Seebodens, mit Binsen bewachsen, verriet mit die Stelle) und direkt vor Weyeregg; später wurden am Attersee noch entdeckt: Attersee nahe der Landungsbrücke, Puschacher nördlich von Weyeregg und Kammer nahe dem Ufer).
  • Much, M.: Erster Bericht über die Auffindung eines Pfahlbaues im Mondsee. S. 203-206. (Anm.: „Er hat es als Erster gewusst…“: arg.: „voraussetzen ließen“). Anm.: Fußnote zum Text: „Die zugehörigen Abbildungen wurden im Archiv der Gesellschaft deponiert.“
  • Wurmbrand, Gundaker Graf von: Ergebnisse der Pfahlbau-Untersuchungen II. S. 249-273. (Überblick zu den Stationen am Attersee; 6 Tafeln mit Abbildungen, Tabelle der Funde)
  • Much, M.: Erklärung einiger Gegenstände aus dem Pfahlbaue im Mondsee. S. 322-324. (mit zwei Tafeln von Mondseer Krügen, Streitaxt)

Mittheilungen der → antropologischen Gesellschaft, Wien, Band IV, Wien 1874.

  • Much, M.: Über die Resultate der Weltausstellung in Wien in urgeschichtlicher Beziehung. S. 1-30.
  • Wurmbrand, G. Graf v.: Fund-Notiz. Pfahlbauten im Neusiedlersee. S. 291-292. (im ausgetrockneten Neusiedlersee; es wurden keine Pfähle gefunden)
  • Much, M.: Zweiter Bericht über Pfahlbauforschungen in den oberösterreichischen Seen. S. 293-308. (Station Scharfling; Much beschreibt S. 295 f. die enorme Kraft des Eisdrucks auf senkreche Pfähle von Pfahlbauten; romantisierendes Einrammen von Pfählen mit Schlägeln; erfolglose Untersuchungen am Fuschlsee und Wolfgangsee; S. 300: künstliche Stein-„Hügeli“; S. 301 Andeutung eines „Bergsturzes“; weitere Aufsammlungen in See; Beschreibung von Funden; viele Vermutungen)

Mittheilungen der → antropologischen Gesellschaft, Wien, Band V, Wien 1875.

Experiment Steinbeilbohrung
  • Much, M.: widmet sich bereits „Germanen“-Forschungen …
  • Wurmbrand, Gudakar Graf v.: Ergebnisse der Pfahlbau-Untersuchungen III. S. 117-138; 4 Tafeln. Ganz ausgezeichneter Bericht! (Weyeregg mit besonders reichem Fundmaterial; Funde von Puchschacher sind in Villa Aegidi in Weißenbach; sehr moderne Überlegungen zu den Pfahlbauern und auch zu deren Bronze; Beschreibung von Fundstücken und Experimente zu deren Herstellung; wenig (eingeführte?) Bronzen am Attersee; Bronze-Schmelzen und -Gußformen; Schwein, Rind, Schaf, Ziege, Hund; Tabelle der Knochenreste)
  • S. 121 f. ERSTES Pfahlbau-Experiment durchgeführt von Graf Wurmbrand: Bohren eines Loches in Steinbeil mittels Bohrvorrichtung aus Geweihstangen wird in diesem Artikel von Graf Wurmbrand ausführlich beschrieben.
  • Frass, Prof. Dr. Oskar: Bestimmung der in den Pfahlbauten Ober-Österreichs gefndenen Knochenreste; S. 136-138. (in den Stationen Weyeregg, Puschacher, Seewalchen, Attersee; auch 1 menschliche Hinterhauptschuppe in Weyeregg; wenig Jagdwild).

Seine Auswertung der Tierknochen zeigt folgendes Ergebnis: Weyeregg: 50 Wild- und Hausschweine, 20 Rinder, 40 Schafe (Ziegen), 5 Hunde, 2 Bären, 1 Gabelhirsch, 16 Rothirsche, 4 Füchse und 1 Wiesel. Puschacher: Schwein, Rind und Ziege. Seewalchen: 3 Schweine, 3 Rinder, 3 Ziegen und 1 Hirsch. Attersee: Rind, Ziege und Rothirsch.

Much Gefäßformen

Mittheilungen der → antropologischen Gesellschaft, Wien, Band VI, Wien 1876.

  • Much, M.: Dritter Bericht über die Pfahlbauforschungen im Mondsee (in den Jahren 1875-1876) S. 161- 194, mit 1 Abbildung, 4 Tafeln mit „Mondseer“ Keramik, 1 Tabelle. ( ... in Scharfling wieder kein Erfolg – obwohl ein Pfahlbau da sein müsse; wieder Funde bei See; ausführliche Besprechung; Bronze fehlt bisher; Töpfe usw., Tierfiguren; Schmuckgegenstände; Getreidekörner; Apfelspalten; Brandspuren; Wohnstätten über dem See). Insgesamt zeichnet er sein Bild des Lebens der Pfahlbauern.

Mittheilungen der antropologischen Gesellschaft, Wien, Band VII, Wien 1877.

  • Wurmbrand, G. Graf v.: Aufklärungen. Entgegnung (Anm.: zu Much) in Betreff der Bohrungen von Steingeräthen und in Betreff thönener Lampen und Löffel. S. 96-104.

Mittheilungen der antropologischen Gesellschaft, Wien, Band VIII, Wien 1878.

  • Much, M.: Über den Ackerbau der Germanen. S. 203 f. und: Über die Kosmogonie und Anthropogenie des germanischen Mythos. S. 324 f.


Weninger, Funde aus dem Pfahlbau im Mondsee. Mitth. d. Anthrop. Ges. in Wien. Sitzungsber. 1916/1917, S. 45/46. (Anm.: ist eine Aufzählung ohne Sachbezug.)


Much, Matthäus: → Die Pfahlbauten und die Heimat der Indogermanen. (Vortrag 28.1.1885) Zs. d. Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse (1885). S. 249-298.
Much beschreibt hier auf den Seiten 267-278 ausführlich den Pfahlbau in See am Mondsee mit all seinen Funden aus Stein, Ton, Stoffen, Nahrungsmitteln, Haustieren und Jagdtieren. Auf den Seiten ab 278 geht er auf die Indogermanen und deren "Urheimat" ein und vermeint, dass diese die Errichter der Pfahlbauten gewesen seien.




Einziger "echter Pfahlbau" Österreichs: Mooswinkel am Mondsee

RR Johann Offenberger (*1934 / +23.7.2017)

Johann Offenberger hat im Oktober 2012 seine Forschungsergebnisse im Buch „Weltkulturerbe See“ veröffentlicht. Das Buch ist in den Mondseer Museen und im Buchhandel erhältlich. Er betont: „Dieses Buch soll ein Beitrag sein, dass an die 1986 eingestellten Pfahlbauforschungen in Österreich wieder erfolgreich angeknüpft wird“. (Quelle: → "Das Märchen von Pfahlbauten direkt in den Seen": Bild und Autor: Norbert Blaichinger, Oberösterreichische Nachrichten, 8.10.2012).

1970 entdeckten die Taucher und Forscher rund um Johann Offenberger (*1934 +23.7.2017) im Bereich von Mooswinkel am Mondsee den ersten "echten" Pfahlbau. Offenberger dazu: „Dabei handelt es sich um den ersten echten Pfahlbau in Österreich.“ Allerdings war es nicht eine bewohnte Siedlung, so Offenberger, sondern eine Plattform als Anlegestation für den Fährdienst. Es sei schlicht ein Märchen, zu glauben, die Pfahlbauten in See (am Mondsee), in Litzlberg oder Abtsdorf am Attersee wären im Wasser gestanden. Offenberger: „Die Wahrheit ist, dass die Pfahlbauten am feuchten Seeufer situiert waren und viel später durch massive Klimaänderungen unter Wasser gedrückt wurden.“ Sehr wohl wisse man heute aber, dass es im Rahmen der Pfahlbauweise verschiedene Arten gegeben habe. Worüber man im Bereich der Salzkammergutseen aber bis heute nicht verfügt, sind Grundrisse von Bauten. Ohne diese sind laut Offenberger auch Gedankenspiele über originale Nachbauten kaum realistisch. Anlässlich der OÖ Landesausstellung 1981 zum Thema „Das Mondseeland“ konnte von Hans Offenberger in den ehemaligen Mondseer Klosterräumen eine große Pfahlbauabteilung mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen eingerichtet werden. Als „Österreichisches Pfahlbaumuseum“ ist sie heute noch ein Teil der Mondseer Museumslandschaft.

Zeitstellung der Pfahlbauten

Terminologie des Neolithikums: Österreich und Nachbarländer

Terminologie des Neolithikums: Ruttkay zu OÖ, NÖ, Ktn, Stmk, Bgld
Das 14C-Alter der Pfahlbaustationen am Keutschacher See

Bertram Samonigg bringt in seiner Studie: Die Pfahlbaustation des Keutschacher Sees in den Mitt. der Prähistor. Komm. Nr. 51 auf den S. 38-41 → Ruttkay´s "Terminologie des Jungneolithikums".

Ruttkay bringt hier eine Abfolge von Kulturen in OÖ, NÖ, Ktn, Stmk und Süd-Bgld. Für den oö Raum überrascht, dass Ruttkay vor dem Auftreten der Pfahlbauern keine mit einem Namen bezeichnete Kultur angibt.

Was wohl nicht zutrifft ist, dass Ruttkay ursprünglich eine Verwandtschaft unserer Pfahlbauern mit der bairischen Altheimer-Kultur postulierte.

In der rezenten (2019) und umfassenden Veröffentlichung von Reitmaier, Florian:Die Erdwerke der Altheimer Kultur. (37. Niederbayerischer Archäologentag 2019; S. 93-150) kommt keine Ähnlichkeit oder Verwandtschaft mit den Pfahlbauern Oberösterreichs zum Vorschein: begrenztes baierisches Verbreitungsgebiet mit Siedlungen auf besonders fruchtbaren Löß-Siedlungen; an Bächen; druchwegs Bau von Erdwerken usw.

Detto: Meyer, M.; Raetzel-Fabian, D.: → Neolithische Grabenwerke in Mitteleuropa. Ein Überblick; Journal of Neolithic Archaeology 2006: siehe
S. 21-28 Michelberger Kultur (4.200/4.000 v.Chr.; später: 3.700/3.600 v.Chr.)
S. 32-34 Altheimer Kultur (3.800/3.400 v.Chr.); eher auf Anhöhen

Auch die in Samonigg´s Grafik für den südbaierischen Raum weiters angeführten Autoren Süß (1976) und Matuschik (1992) sehen keine Verwandtschaft der Altheimer Gruppe mit der Mondseekultur. Konkret beschäftigt sich Ludwig Süß in der zitierten Literatur mit der Münchshöfener Gruppe in Bayern (Böhlau, Wien 1976; S. 1 – 121) und nicht mit Altheim/Mondsee.


In der Arbeit von Samonigg wird auch dargestellt, dass die → Pfahlbaustation am Keutschacher See einen völlig anderen kulturellen Hintergrund als die oö Pfahlbauern hatte.

Deren Keramik konnte aber einem jungneolithischen Zeithorizont zugewiesen werden, der durch die dendrochronologischen Ergebnisse bestätigt wurde. Die Tierknochen wurden umfassend ausgearbeitet und belegen eine jahreszeitlich unabhängige, ständige Anwesenheit des Menschen in der Siedlung in der Mitte des Sees. Die Einflüsse, die zum Entstehen der Pfahlbausiedlung führten, kamen aus dem Bereich des Epilengyel-Komplexes, der Lasinja-Kultur und der Vasi a bocca quadrata-Kultur. Sie lebten ganzjährig auf ihrer Insel in der Mitte des Sees - wohl als Schutz vor Bedrohungen. Die Viehzucht wurde bereits am Beginn der Siedlung praktiziert und Viehzucht und Jagd wurden nebeneinander betrieben. Eine zugehörige Landsiedlung oder zumindest Umzäunungen oder Unterstände für das Vieh konnten bisher nicht nachgewiesen werden.

Diese Kultur existierte auch früher (dendrochronologisch: 3.947 und 3.871 v. Chr.) als die Pfahlbauten in Oberösterreich (um rd. 3.800 v.Chr.). Als zeitlicher Rahmen der Siedlung kann der mittels Dendrochronologie ermittelte Zeitraum von ca. 4.100–3.700 v. Chr. – also vor den oö Pfahlbauern – genannt werden.

Absolut-Chronologie mit 14C-Analysen

14C wird in der Erdatmosphäre durch Kernreaktionen in den oberen Schichten der Erdatmosphäre ständig neu gebildet. Wenn die kosmische Strahlung auf Atome der Atmosphäre trifft, werden Neutronen freigesetzt. Wenn das in der Atmosphäre mit Abstand häufigste Stickstoff-Isotop 14N von einem solchen Neutron getroffen wird, so kann folgende Kernreaktion erfolgen: Das Neutron wird vom Stickstoffatom eingefangen, wobei aber gleichzeitig ein Proton abgespalten wird. Dadurch entsteht aus dem (147N-Kern + Neutron) ein (146C-Kern + Proton). Dieses schwerere Kohlenstoffatom verhält sich chemisch völlig ident zu dem leichteren Vertreter und wird damit bei jedem Photosynthesevorgang in die Pflanzen eingebaut - und klarerweise auch in die Pflanzen fressenden Tiere.

14C zerfällt mit einer Halbwertszeit von 5.730 ± 40 Jahren wieder zu 14N. (Mathematische Formel: der Anteil von 14C verringert sich mit e–λt im Zeitverlauf, wobei e die Euler’sche Zahl, λ die Zerfallsrate und t die Zeit ist.)

In biologischem Material (Holz, Getreide, Fleisch usw.) ist zum Zeitpunkt von dessen Bildung ein bestimmtes Verhältnis von 14C zu 12C vorhanden. Mit dem Tod des biologischen Materials (gefällter Baum, Getreidekörner usw.) beginnt die 14C-Uhr zu ticken: Nach 5730 Jahren ist vom ehemaligen 14C nur mehr die Hälfte vorhanden. Indem man nun in dem Prüfling das Verhältnis von 14C zu 12C bestimmt, kann man auf das Alter des Prüflings schließen. Ist das Verhältnis von 14C zu 12C nur mehr die Hälfte der Ausgangsrelation, so ist das Material 5730 Jahre alt; beträgt dieses Verhältnis nur mehr ein Viertel, dann ist das Material 11.460 Jahre alt usw.

In der Atmosphäre beträgt das Verhältnis von 14C-Atomen zu 12C-Atomen 1 zu 1,000.000,000.000 (1 zu 1000 Milliarden). Je älter nun Proben sind, umso geringer wird dieses Verhältnis: nach fünf Halbwertszeiten (28.650 Jahre) ist das Verhältnis auf 3 % der ursprünglichen Relation gefallen.

Da diese Altersbestimmung auf dem physikalisch bestimmten Verhältnis von 14C zu 12C beruht, nennt man die Ergebnisse „Absolut-Chronologie“.

14C-Alter der Pfahlbauten

Liste: 14C-Alter der oö Pfahlbauten

Im Folgenden werden die Untersuchungsergebnisse des "Vienna Radium Institute" (VRI) gebracht. Diese beziehen sich durchwegs auf Holzproben und wurden von unterschiedlichen Forschern an das VRI (Dr. Felber et. al.) herangetragen. Tatsächlich gibt es mehr Proben als die hier angeführten 30 Stück (25 von Attersee und Mondsee, 5 von Keutschacher See und Hafnersee); diese konnten aber nicht dem Neolithikum zugeordnet werden und wurden deshalb hier weggelassen.

Die nebenstehende Tabelle ist zusammengestellt aus: → 14C Daten des Neolithikums und der Frühen Bronzezeit in Österreich. In: Herwig Friesinger, Walter Kutschera, Peter Stadler, Eva Wild: Absolute Chronology for Early Civilisations in Austria and Central Europe using 14C Dating with Accelerator Mass Spectrometry → (Homepage). Projekt, QAM Quantitative Methoden in der Archäologie, 14C Theorie und Praxis, auf winserion.org. → Absolute Chronology for Early Civilisations in Austria and Central Europe using 14C Dating with Accelerator Mass Spectrometry. → Status of Absolute Chronology for Austria’s Pre- and Protohistory

Stadler, Peter: → Ein Beitrag zur Absolutchronologie des Neolithikums in Ostösterreich aufgrund der 14C-Daten In: Lenneis, Neugebauer-Maresch, Ruttkay: Jungsteinzeit im Osten Österreichs. Fo.-berichte zur Ur- und Frühgeschichte 17. NÖ Pressehaus-Verlag, Wien, 1995: S. 210-224. → Zweite Original-Quelle

Stadler, Peter: → Zur Absolutchronologie der Linearbandkeramik aufgrund von 14C-Daten. Zs. Archäologie Österreich 1995, S. 3-12.

Übersicht: 14C-Chronologie

Alter der Pfahlbaustationen in absoluter 14C-Chronologie in zeitlicher Reihenfolge

Die erste Besiedlung von Attersee und Mondsee ist absolut-chronologisch wohl um ~ 4.900 bp (before present = 14C-Alter) zur gleichen Zeit erfolgt. Das entspricht in Kalenderjahren der Zeit um ~ 3.800 kal.v. Chr. = 5.800 Jahre vor heute.

Bei beiden Seen erfolgte gleich zu Beginn eine Besiedlung der Ausflüsse (#2: 4.910 ± 130 bp See/Mondsee; #3: 4.910 ± 110 bp Seewalchen/Att.).

Von besonderem Interesse ist für diesen Zeitraum (#5: 4.800 ± 90 bp) ein Pfahl aus dem Ausfluss des Mondsees (vgl. hierzu auch die Funde von Janik beim Parkplatz der Möbelfabrik); möglicher Zweck:
→ See-Regulierung? Vorabsenkung vor Sommerniederschlägen?
→ Funktion des Mondsees als Rückhaltebecken für den Attersee zu Starkregenzeiten?

4.870 – 4.750 bp: In diesem Zeitraum gibt es vor allem Nachweise am Mondsee, aber auch am Attersee.

4.720 – 4.560 bp: Dieser Zeitraum wird vor allem von Datierungen am Attersee bestritten, aber auch am Mondsee.

→ 4.550 – 4.450 bp: Mit 100 Jahren längster Zeitraum ohne 14C-Daten: Siedlungshiatus oder Fundlücke?

4.450 – 4.390 bp bringt Funddatierungen von Misling und Kammer am Attersee, aber auch von Mooswinkel/Mondsee.

4.350 – 4.260 bp zeigt die Besiedlung von Mooswinkel/Mondsee (über 90 a) und dazwischen von Nußdorf/Attersee.

Die Besiedlung der Station Abtsdorf I um 3.180 ± 90 bp gehört bereits zur Bronzezeit.


14C-Untersuchungsdichte je Station

Die Untersuchung von heimischen Pfahlbau-Stationen und die Anzahl der Altersbestimmung je Station sind im Vergleich zu jenen der Schweiz (vgl. Bielersee) nur rudimentär. Betrachtet man die Stationen mit mehreren Proben, so sieht man, dass sich für diese wiederkehrende Besiedlungszeiten ergeben (Ausnahme: Weyregg).

Liste der Pfahlbaustationen

Mehrere 14C-Probenbestimmungen gibt es für diese sieben Pfahlbau-Stationen:

Scharfling/Mondsee (vier: 4.940, 4.870, 4.780, 4.660): mehrere Besiedlungszeiträume, endet mit See,
See am Mondsee (drei: 4.910, 4.750, 4.660): die Besiedlung über rd. 250 Jahre, endet mit Scharfling,
Mooswinkel/Monds. (vier: 4.560, 4.430, 4.350, 4.260): beginnt nach See/Scharfling, letzter Pfahlbau,
Misling am Attersee (vier: 4.710, 4.610, 4.450, 4.390): hier sind ebenfalls mehrere Abschnitte zu erkennen,
Attersee/Attersee (zwei: 4.720, 4.610): Besiedlung parallel mit Abtsdorf; vor und nach Weyregg,
Weyregg/Attersee (zwei: 4.660, 4.640): beide Proben stammen aus der gleichen Siedlungsphase,
Abtsdorf/Attersee (zwei: 4.680, 3.180): die erste Besiedlung ist neolithisch, die zweite aus der Bronzezeit.

Für die übrigen Stationen: Seewalchen/Attersee (4.910), Mondsee-Ausfluss/Mondsee (4.800), Kammer/Attersee (4.420) und Nußdorf/Attersee (4.310) gibt es jeweils nur eine mittels 14C-Methode bestimmte Altersangabe.

Bei Betrachtung der Zeitabfolge in der Liste sticht die insgesamt hohe Beständigkeit der Besiedlungsdaten ins Auge: es hat den Anschein, dass die beiden Seen über rd. 700-800 Jahre durchgehend besiedelt waren und es wenige/keine (?) Siedlungsunterbrüche gab.

Es ist zu vermuten, dass sich bei ähnlichen stratigraphischen Untersuchungen wie am Kleinen Hafner in Zürich oder wie bei den Stationen am Bielersee viele zusätzliche und detailliertere Ergebnisse finden ließen.

Dies gilt besonders für so günstige Stationen wie Abtsdorf (wofür ja auch die einzige zusätzliche Besiedlung während der Bronzezeit spricht), aber auch für Kammerl, Seewalchen usw. Vermeintliche Gegenbeispiele wie das recht ungünstig gelegene Misling (wenig Raum, Beschattung von Feldern usw.) sind eher eine Bestätigung dieser Annahme. Auch in Nußdorf liegt die nachgewiesene Station wettermäßig (Süd-Stürme) sehr exponiert und es gäbe in Nußdorf mehrere viel attraktivere Standorte. Ähnliches gilt für die Strandplatten von Attersee und Weyregg.

Mooswinkel und Misling sind ob ihrer Anlage und örtlichen Gegebenheiten als besondere Pfahlbaustationen anzusehen.

Versuch: Erste Erzählung anhand gegebener 14C-Daten (15.10.2022)

Wenn bei uns im Vergleich zur Schweiz mit tausenden dendrochronologischen Altersbestimmungen nur knapp 30 14C-Datierungen von Pfahlbaustationen am Attersee und Mondsee vorliegen, soll im Folgenden doch eine erste "Erzählung" eines möglichen zeitlichen Verlaufs der Kanal-Pfahlbaukultur an unseren oberösterreichischen Seen vermittels der wenigen gegebenen Datierungen versucht werden.

500 Jahre nach Egolzwil und Kleinem Hafner finden schweizerische Kanal-Pfahlbauern entlang der Alpen mit Mondsee und Attersee geeignete Seen für ihre Kanal-Pfahlbauern-Kultur. Gründe für solche expansiven Vorhaben waren wohl stark gestiegene Bevölkerungsdichten (v.a. wegen der Art der Ernährung des Nachwuchses) und ev. damit in Verbindung stehende soziale Spannungen → [Lit. "Besiedlung entlang Mittelmeer" einfügen].

Anforderungen waren wohl:

  • Seehöhe 400-500 m (vergleichbar zu Egolzwil 523 m, Zürichsee 406 m, Bielersee 429 m, Neuenburger See 430 m)
  • "Gletscher"-Seen: Endmoräne (Sohlschwelle: Moräne, kein Fels) mit steilem Abfluss für "Rückwärtserosion"
  • passendes Klima: Niederschläge, Hydrologie, Durchschnittstemperatur für Getreideanbau und verfühgbare Flächen usw.
  • Wildreichtum, einheimische Pflanzen, geeignete Bäume für Hüttenbau, Ressourcen und Silex-Vorkommen usw.
  • fehlende Eigentumsansprüche anderer neolithischer Gruppen, kein Jagdgebiet von Jägern/Sammlern
  • einigermaßen geschützte Lage von möglichen Siedlungen (kein allseitig freier Zugang, Rückzugsmöglichkeiten)
  • "Wegbarkeit": Vorwärtskommen mit Vieh/Getreide 10-15 km/d, "gehbare" Waldränder

vor 4.940 ± 120 bp (≈ 3.800kal.v.Chr.): "Kundschafter" identifizieren östlich der Schweiz mögliche Gletscher-Randseen

  • (Achensee außer Betracht: 930 m – liegt viel zu hoch, felsige Abfluss-Sohle)
  • Ammersee: 540 m – Amper nach 12 km 528 m: 1 ‰ Gefälle;
  • Starnberger See: 584 m – Würm mäandert lustlos ohne Moräne mit wenig Gefälle;
  • Simssee: 473 m – Abfluss im Süden: hat also keine Gletscher-Moräne;
  • Chiemsee: 518 m – Alz mäandert 20 km bis Altenmarkt 504 m: 0,7 ‰ Gefälle; dann 2-m-Wasserfall;
  • Waginger See 442 m – Götzinger Achen nach 5 km 414 m, ≈ 6 ‰ Gefälle, wenig Strandflächen; → "bair. Pfahlbaulücke"
  • Mattsee|Obertrumer See|Grabensee: alle 503 m, keine Endmoräne: – Mattig in 8 km 491 m: 1 ½ ‰ Gefälle;
  • Wallersee: 506 m – keine Endmoräne; Fischbach fließt viele km lang flach dahin; keine "Rückwärts-Erosion" möglich;
  • Fuschlsee: 663 m – keine Moräne: felsige Sohle; mäandert 16 km bis zum Mondsee mit 493 m: ≈ 10 ‰ Gefälle;
  • Wolfgangsee: 538 m – keine Moräne: felsige Sohle; Ischler Ache fließt südwärts 4 km bis 514 m mit ≈ 6 ‰ Gefälle;
  • Mondsee: 493 m – Seeache 24 m auf 3 km [See-Unterach] mit ≈ 8 ‰ Gefälle; beim Ausfluss ehemals mehr; Moränenwall;
  • Attersee: 469 m – Ager 5 m auf 2 km [See-Oberachmann] mit ≈ 2 ½ ‰ Gefälle; beim Ausfluss ehemals mehr, Endmoräne;
  • Traunsee: 423 m – Traun 10 m auf 2 km mit ≈ 5 ‰ Gefälle; wenig Strandplatten; Abfluss tief eingeschnitten, 45°-steile Ufer.

Pionier-Stationen Scharfling und See: steile Hänge als Schutz

vor 4.940 ± 120 bp: Erkundung Meteorologie und Hydrologie (Zwei-Seen-System ähnlich Neuenburgersee/Bielersee); Kontakte zu neolithischen Nachbarn; Beobachtung Jäger/Sammler; Erkundung der Gegend, Wildreichtum usw.; die Entscheidung fiel trotz der landwirtschaftlichen Ungunstlagen am Mondsee für (Attersee plus "Vorfluter Mondsee") vs. Traunsee oder Wolfgangsee.

Als Pionier-Station wurde Scharfling wegen der besonders geschützten Lage (einfach nur über Wasser erreichbar) in einer Einbuchtung der rundum vom See rasch und steil ansteigenden Kalkalpen gewählt (vgl. die Höhenlinien in der Abbildung). Ähnliches gilt für die Station See mit den raschen und steilen Geländeanstiegen der Kalkalpen im Süden und jenen der Flyschberge im Norden.



4.940–4.910 bp: "Planung und Logistik" für und Realisierung des Vorhabens:

  • "Pioniere": erste Abgrabung der See-Ache, Pioniersiedlung Scharfling: 4.940 ± 120 bp (geschützte Lage); Strandplatte wird trocken, recht ebene Landfläche (Schüttung von Kienbach?)
  • "Aufbauarbeiten": Produktion in und Transport von Überschüssen aus der Schweiz: Vieh (Rind, Schaf, Ziege, Schwein) und Getreide; Vorbereitung für Kanalbau (Baumaterial für Unterkünfte, Grabgeräte, Steinwerkzeuge, Seile usw.) am Attersee (und Mondsee); Einbäume für Verkehr am Attersee; Übersiedlung einer größeren Arbeitsgruppe, erste Aussaat, Betreuung des Viehs; Jagd; Vorräte für ersten Winter; Nachzügler (Kinder ...)

Liste Pfahlbaustationen: Absolute 14C-Chronology in Austria

4.910 bp: Nachweis der ersten Siedlungen an den Ausflüssen von Mondsee (See 4.910 ± 130 bp) und Attersee (Seewalchen 4.910 ± 110 bp)

4.870 bp: Seewalchen, Kammer, Scharfling usw. (Getreide-Produktion)

4.800 bp: hydrologische Arbeiten an der See-Ache? (Pfahl-Fund am Ausfluss: Ausbau der See-Ache-Regulierung?)

4.780–4.660 bp: Getreide-Produktion: Scharfling, Seewalchen, Attersee, Abtsdorf, Weyregg, See, Misling

→ 4.660 bp: Scharfling und See enden (?) nach rd. 300 / 250 Jahren (es gibt keine späteren 14C-Daten)

4.650-4.390 bp: Seewalchen, Weyregg, Attersee, Kammer, Nußdorf (?), Misling (?)

4.560 bp: Mooswinkel als einziger "echter" Pfahlbau (Pfähle stehen im Wasser lt. Offenberger)

4.310 bp: Nußdorf (seit wann? es gibt nur 1 Probe): letzter trockener "konventioneller Pfahlbau"

4.260 bp: Mooswinkel als aller-letzter Pfahlbau (lt. Offenberger stehen Pfähle "im Wasser")

3.180 bp: Abtsdorf I: Bronzezeit-Station (im Wasser?)


Auffälligkeiten:

  • Die Station Misling bietet wenig landwirtschaftliche Flächen; von Norden her ist die Zugänglichkeit zu dieser Station ziemlich schwierig;
  • in Nußdorf könnte es mehrere Stationen gegeben haben, die sich heute vielleicht unter den enormen Schüttungen des Nässltalbaches befinden; die nachgewiesene Station befindet sich am äußersten, südlichen Rand des Schüttkegels; viel günstigere Stellen würden sich etwas nördlicher anbieten;
  • ähnlich könnte es sich mit dem Schüttkegel von Weyregg verhalten;
  • welche Funktion die Station Mooswinkel ausgeübt haben könnte, ist unklar (Offenberger: "Überfuhr").


Radiokarbon - Kalibrationskurven

Abhängigkeit zwischen Radiokohlenstoffalter (Yr = Zeit in Jahren) und dem Dendro-Alter (Kalenderalter) - durch Dendrochronologie bestimmtes Alter f. d. vergangenen 12.000 Jahre nach Stuiver (1998)

Das Verhältnis von 14C zu 12C in der Atmosphäre unterliegt im Zeitverlauf natürlichen Schwankungen. Diese werden durch die Veränderung der kosmischen Strahlung durch die Sonnenaktivität, die die Neu-Produktionsrate von 14C beeinflusst, aber auch sehr stark durch die Änderung des Erdmagnetfeldes hervorgerufen.

Falls nun in historischen Zeiten dieses 14C zu 12C-Verhältnis höher als heute war, so scheint bei heutiger Altersbestimmung weniger 14C zerfallen zu sein und es wird damit scheinbar ein geringeres Alter des untersuchten Materials angezeigt.

Damit sind die „absoluten“ physikalischen Ergebnisse der Altersbestimmung anzupassen. Dies geschieht z.B. durch die Bestimmung des Alters von Hölzern mittels der Dendrochronologie (Altersbestimmung anhand der Jahresringe von Bäumen) im Vergleich zu der Altersbestimmung desselben Baums mittels der 14C-Methode.

Wie der nebenstehenden Grafik zu entnehmen ist, wird bei einem tatsächlichen Proben-Alter von 6.000 Jahren ein 14C-Alter von nur rd. 5.000 Jahren - und damit zu wenig - angezeigt. 14C-Altersbestimmungen mit Proben vom Ende der letzten Eiszeit zeigen sogar ein um ~ 2.000 Jahre zu geringes Alter.

Diesen Korrektur-Vorgang nennt man „Kalibrierung der absoluten Chronologie“. Derart kalibrierte Alters-Angaben werden mittels des Zusatzes „(cal)“ oder „(kal)“ gekennzeichnet.

Durch Vergleichsmessungen konnten bisher sogar für die letzten 48.000 Jahre die relativen Abweichungen des 14C / 12C -Verhältnisses gegenüber der heutigen Relation bestimmt werden.

Deterministische vs. stochastische Altersangaben

Deterministische vs. stochastische Altersangaben

Die diesbezüglich am meisten erhellende graphische Darstellung bringen → Maurer und Krondorfer in ihrer Veröffentlichung in "Fines Transire" 2019, S. 219 (siehe nebenstehende Abbildung).

14C-Altersangaben geben aufgrund der physikalischen Untersuchung deterministisch ("bestimmt") das Alter von Proben mit einem zugehörigen Wahrscheinlichkeitsbereich (± x Jahre; in Form einer Glockenkurve) an. Vgl. hierzu in der Abbildung die Kurve des rot eingefärbten Radiokarbonalters.

Der CO2-Gehalt der Atmosphäre unterlag im Zeitverlauf natürlichen Schwankungen. Die blaue Kurve gibt den Zusammenhang zwischen dem Radiokarbonalter und dem Alter in Kalenderjahren an, wie er in der Abbildung abzulesen ist.

Man erkennt z.B. auch, dass der CO2-Gehalt um 2.820 v.Chr. gerade so hoch war, dass bis zum Jahr 2.600 v.Chr. gerade so viel Kohlenstoff radioaktiv zerfallen ist, dass man heute nicht entscheiden kann, von welchem der beiden Jahre die Probe stammt: Das Radiokarbonalter wird in beiden Fällen mit 4.100 Jahren angegeben.

Das physikalisch ermittelte Alter der Probe samt deren Verteilung um diesen deterministischen Wert ist nun mit diesen schwankenden CO2-Kurven des Zeitraums zu "verschneiden".

Der physikalisch ältest-mögliche Bereich von 4.210 Radiokarbon-Jahren entspricht 2.880 Kalenderjahren v.Chr., aber nur mit einer recht geringen Wahrscheinlichkeit. Der physikalisch jüngst-mögliche Bereich von 4.100 Radiokarbon-Jahren entspricht 2.830 Kalenderjahren v.Chr. - oder eben auch 2.620 Kalenderjahren v.Chr. Das Minimum der CO2-Kurve bei 2.830 Kalenderjahren v.Chr. liegt außerhalb des physikalisch möglichen Zeitraums.

Hieraus ergeben sich für die einzelnen Kalenderjahre bestimmte stochastische Wahrscheinlichkeiten für ein bestimmtes kalendarisches Ursprungsjahr v.Chr. dieser Probe und damit die "gebirgige" Kurve, wie in der Abb. dargestellt ist. (Anm.: griech. "stochas" = "Vogelflug"; in Anspielung auf den nicht völlig geradlinigen, sondern mit Wahrscheinlichkeiten behafteten Verlauf.)



Kalibriertes Pfahlbauten-Alter (~3.800 v.Chr.) österreichischer Autoren

Antl-Weiser (1995): Kalibrierte 14C-Daten einzelner Stationen der Mondseegruppe

Antl-Weiser, Walpurga u. Holzer, Veronika:Neue Ergebnisse der Pfahlbauforschung in Österreich; Zs. des Vereins für Pfahlbau und Heimatkunde. Ausgabe 4/1995. S. 10–21. (Anm.: auch guter Überblick zu Textilien und Silexmaterial)

S. 10: „Einundzwanzig Stationen vom Mond- und Attersee gehören der jungneolithischen Mondsee-Gruppe an. Nur die im Jahr 1976 im Attersee entdeckte Siedlung Abtsdorf I stammt aus der Bronzezeit und wird anhand von 14C-Daten in das 16. Jh. v. Chr. datiert. Die Mondsee-Gruppe zählt heute zum jungneolithischen nordalpinen Kreis und ist für die österreichische und die neuere ausländische Forschung eine mit Altheim eng verwandte Gruppe. (Anm.: Diese von Ruttkay übernommene Meinung ist wenig belegbar; die Altheimer-Gruppe hat keine Beziehung zur Bewirtschaftung von Seen und deren hydrologische Beherrschung. Das einzige, was auch bei der Altheimer-Gruppe vorkommt, ist die Anlage von tiefen und langen Gräben - allerdings auf dem Trockenen rund um ihre Siedlungen.) Sie wird in drei Abschnitte unterteilt: einen älteren typologisch problematischen Abschnitt um 3.800 v. Chr., einen vollständig entwickelten Abschnitt von 3.700 bis 3.300 v. Chr. und einen dritten Abschnitt, der um 3.000 v. Chr. anzusetzen ist (Ruttkay 1981, Raetzel-Fabian 1986, 66, Obereder et al. 1993 (Abb. 2).“

Antl-Weiser bezieht sich bei ihrer Zeitstellung auf die Veröffentlichung von J. Obereder, E. Pernicka u. E. Ruttkay: Die Metallfunde und die Metallurgie der kupferzeitlichen Mondseegruppe. Ein Vorbericht. Archäologie Österreichs 4/2, 1993, S. 5-9. → (Heft um 6 €)


Dworsky (2004): kalibrierte 14C-Daten der Station Scharfling

Dworsky, Cyril u. Reitmaier, Thomas:Moment, da war doch noch was! Neues zur Pfahlbauarchäologie im Mond- und Attersee. 1854–2004: 150 Jahre Entdeckung der Pfahlbauten. Archäologie Österreichs 15/2 2004. S. 4–15.

Dworsky bezieht sich hier auf Pfahlproben aus der neuen Station Scharfling; es wurde versucht, neben 14C-Daten auch dendrochronologische Ergebnisse aus der Schweiz zu erhalten. Die acht Pfahlproben - fünf davon sind Fichte (Picea abies), drei Weißtanne (Abies alba) - weisen ein individuelles Alter von 25 bis 150 Jahren auf. Es konnte aber keine absolute Datierung vorgenommen werden. (Anm.: Dass von den Pfahlbauern Bäume mit einem Alter von 150 Jahren verwendet wurden, ist wenig glaublich: Fichten haben mit 150 Jahren Stammdurchmesser von 158 cm: Tannen/Weißtannen mit 150 Jahren Stammdurchmesser von 106 cm. [Quelle: → Baumportal.de).

S. 13 f.: „Aufgrund der gewonnenen 14C-Daten ist somit eine Zuweisung ins 38. und 37. Jahrhundert v. Chr. wahrscheinlich, womit neben dem dokumentierten Profil auch die naturwissenschaftlichen Ergebnisse klar eine Mehrphasigkeit der Station Scharfling fassbar machen. Trotz der vorerst ausbleibenden bzw. noch zu erwartenden endgültigen Resultate zeigt bereits die Analyse weniger Hölzer das hohe Potential der Dendrochronologie, und es gilt, noch weit mehr in diese Methode zu investieren und weiteres Probenmaterial zu entnehmen.“


Pernicka (2012): kalibrierte 14C-Daten der Mondseegruppe. Anm.: Zuordnung der VRI-# zu Stationen durch obige Liste

Pernicka, Ernst u. Frank Carolin:Copper Artefacts of the Mondsee Group and their Possible Sources. Chapter 5 in: Lake Dwellings After Robert Munro. pp. 113–132; Altersgrafik p. 114; viel Literatur pp. 132–138. Leiden 2012. → zweite Quelle

  • S. 114: Stationen der Mondseegruppe um Attersee und Mondsee (nach Dworsky und Reitmaier 2004, 4, Abb. 1)
  • p. 115: 14C-dates for the sites of Mondsee group compiled from Reiter (2008, 36), Dworsky and Reitmaier (2004, 13) and Breitwieser and Stradal (2001, 94) calibrated with Oxcal 4.1.7.

S. 115 (übersetzt): "Die absolute Chronologie der Mondseegruppe basiert hauptsächlich auf mehr als dreißig in der Literatur publizierten Radiokohlenstoff- und dendrochronologischen Daten, mit ausführlichen Datumslisten in Stadler (1995, 218) und der RADON-Datenbank von Rinne (2011). Die beigefügte Abbildung enthält dreißig mit Oxcal 4.1 kalibrierte Daten, die aus den oben genannten und anderen Publikationen zusammengestellt wurden.
In einer kürzlich veröffentlichten Zeittafel, die die neolithischen Kulturgruppen Ostösterreichs auf der Grundlage von Radiokarbondaten und stratigraphischen Überlegungen darstellt (Krenn-Leeb 2006), wurden die ersten beiden Horizonte der Mondseekultur (I und II) zwischen ca. 3.800 cal BC und 3.000 cal BC platziert, wobei Mondsee III - der jüngste Horizont - als regionale Manifestation der Chamer Kultur angesehen wird und auf ca. 3.000 cal BC bis 2.900 cal BC datiert wird."


Swierczynski et al.: Chronologie der Siedlungsnachweise am Mondsee

Swierczynski, Tina: → A 7000 yr runoff chronology from varved sediments of Lake Mondsee (Upper Austria). Diss. Univ. Potsdam, 2012. 153 Seiten.

Swierczynski, Tina et al. (Deutsches Forschungsinstitut für Geowissenschaften): → Late Neolithic Mondsee Culture in Austria: Living on Lakes and Living with Flood Risk?: Die Arbeit beinhaltet vorhandene 14C-Zusammenstellungen und neue 14C-Analysen von See-Ablagerungen). Climatic Past, 9, 2013; p. 1601–1612. (License: CC-BY)

Abbildung 3 (Seite 1606): "Chronologie der Siedlungsperioden am Mondsee. Zwölf publizierte AMS-Radiokarbondaten von drei neolithischen Pfahlbaufundstellen ("See", "Scharfling" und "Mooswinkel") wurden kalibriert und als Eingabeparameter für die Periodenmodellierung mit OxCal 4.1 (Ramsey, 2009) verwendet. Es können zwei verschiedene Siedlungsperioden unterschieden werden: Siedlungsperiode SP I von ca. 5800 bis 5250 cal. yr BP (Before Present - kalibriert) und Siedlungsperiode SP II von ca. 5400 bis 4700 cal. yr BP."

Swierczynski et. al. unterscheiden klar zwischen der Initialphase "Scharfling plus See/Mondsee" (SP I) und der späteren Phase "Mooswinkel" (SP II).

Aus der Abbildung ist auch zu entnehmen, warum es keine "exakten" Zeitpunkte auch nach Kalibrierung gibt, weil sich das 14C zu 12C-Verhältnis in der Vergangenheit auch kurzfristig stark geändert hat: damit gibt es diese "verwaschenen" Zeitpunkte für die einzelnen Proben.



Untersuchungen zur Gegend

Geologische Situation

Geologische → Karte des Wolfgangseegebietes ((Salzburg, OÖ: Benno Plöchinger; 1:25.000; 1973)

Geologische Karte des Wolfgangseegebietes: → Erläuterungen (Salzburg, OÖ: Benno Plöchinger; 92 Seiten, 16 Abbildungen, 2 Tafeln)

Archäologische Landschaftsanalysen

Baum, T.; Mainberger, M.; Taylor, T.; Tinner, W.; Hafner, A.; Ebersbach, R: → How many, how far? Quantitative models of Neolithic land use for six wetland sites on the northern Alpine forelands between 4300 and 3700 bc. Vegetation History and Archaeobotany (2020) 29:621–639. (CH, D, A: WEYREGG) ... Ernährung, Brennholz usw. OPEN ACCESS

Kowarik, Kerstin; Klammer, Julia; Seidl da Fonseca, Helena; Maurer, Jakob; Taylor, Timothy: → From lakeshore to hilltop. Investigating Copper Age landuse in the Attersee-Mondsee region. In: Hafner, A. et al.: Settling Waterscapes in Europe. The Archaeology of Neolithic and Bronze Age Pile-Dwellings. Open Series in Prehistoric Archaeology Bd. 1. Bern and Heidelberg: Propylaeum, 2020. pp. 233–250. [Inhalt: S. 233-236: Historie der Pfahlbauforschung in Österreich; S. 236-239: Forschungsgegend; S. 239-246: Landschaft, Sichtbarkeit, Wegbarkeit, Stationswahl; S. 247-250: Literatur.]

Längauer, Julia Maria: → Eine archäologische Landschaftsanalyse zweier Voralpenseen im Vergleich - die prähistorischen Fundstellen der nördlichen Attersee-Region, Oberösterreich und des Tegernsees. Masterarbeit, Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, 2019. (105 Seiten, 69 MB; Neolithikum, Bronzezeit, Eisenzeit, Hügelgräber)

(Leider) keine Volltext-Freigabe für die Masterarbeiten durch die Verfasser*in/nen:

  • Seidl Da Fonseca, Helena: Prehistoric lakeshore settlements’ landscape analysis - the cases of Attersee and Mondsee, Upper Austria. Masterarbeit Univ. Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, 2019. Betreuer: Timothy Taylor
  • Mayr, Andreas: Kupferzeitliche Fundstellen im Umfeld von Attersee und Mondsee - Modellierung und Entdeckung. Masterarbeit, Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, 2017. Betreuer: Timothy Taylor
  • Ries, Marie-Claire: Analyses and interpretation of human-environment interactions at the lacustrine Neolithic settlement of Weyregg II, Lake Attersee, Upper Austria. Masterarbeit, Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, 2018. Betreuer: Timothy Taylor

Fauna und Flora der Pfahlbauern

Reuss, A.: Über die alten Pfahlbauten der Schweiz und ihre naturhistorische Bedeutung. (Vorträge November und Dezember 1861) Lotos - Zeitschrift fuer Naturwissenschaften 1862. → Teil 1 und → Teil 2
==> ist kompakte Darstellung der ausführlicheren, nachfolgenden Veröffentlichung:

Rütimeyer, Ludwig: → Die Fauna der Pfahlbauten der Schweiz. 248 Seiten, Basel, 1861. [241 MB]
Inhalt: S.1-30: Einleitung; S. 31-155: Funde samt deren detaillierter Beschreibung; S. 156-223: Historische Veränderungen der Fauna bis heute; S. 224-229: Flora der Pfahlbauten; S. 230-244: Zusammenfassung; S. 247: Inhaltsverzeichnis.

Heer, Oswald: → Die Pflanzen der Pfahlbauten. 1865; 65 Seiten, Abbildungen. (Separatabdruck aus dem Neujahrsblatt der Naturforsch. Gesellschaft auf das Jahr 1866.)

Gentner, Georg: → Zur Geschichte unserer Kulturpflanzen. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft zur Erforschung der Flora, 1911, 13 Seiten.

Ranseder, Bärbel: → Die Pflanzenfunde der Pfahlbauten in See / Keutschach / Abtsdorf I / Seewalchen I (A) im Tabellenvergleich zu Robenhausen (CH) und Federsee (D). Ethnobotanik und Ethnomedizin, Univ. Zürich. 2016. 54 Seiten.

Die Fundstellen

BundesDenkmalAmt → Landeskonservatorat für Oberösterreich

UNESCO-Welterbestätten in Österreich

UNESCO - Prehistoric Pile Dwellings around the Alps; → Vol. II: Id-files of the component parts of the serial; Data Sheets of nominated 156 Component Parts: Austria pp.341-371

Die grüne Markierung zeigt den Standort des jeweiligen Pfahlbaus, die rote Linie die zugehörige Schutzzone. Jene Pfahlbauten, die von der UNESCO beschlossen wurden, sind hier unterstrichen angeführt.

Literatur dazu:

UNESCO → Prehistoric Pile Dwellings around the Alps

UNESCO → Prehistoric Pile Dwellings around the Alps World Heritage Nomination, 2231 pages. (Austria p. 931 and p. 1664)

UNESCO → Advisory Bodies Evaluations HHHQ (156 → 111)

UNESCO → Maps of inscribed serial elements - Prehistoric Pile Dwellings around the Alps (better quality); Austria p. 57 ff.

UNESCO → Decisions: 35COM 8B.35 - Cultural Properties - Prehistoric Pile Dwellings around the Alps (Switzerland / Austria / France / Germany / Italy / Slovenia)

Hafner, Albert: → Das UNESCO-Welterbe "Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen" im Kanton Bern: frühe Forschungen, aktuelle Situation und Chancen für die Zukunft. Jahrbuch des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern 2012. S. 237-253. (Schutzmaßnahmen S. 246).

Schlichtherle, H.: → Pfahlbauten rund um die Alpen. 1997. (ausgezeichneter Überblicksartikel)

Kuratorium Pfahlbauten

  • Forschungsprojekt Zeitensprung Unterwassergrabung Seewalchen (Dworsky, Seidl da Fonseca, Poppenwimmer); 49 Seiten.
  • „Informationsbroschüren zu Fundstellen und Projekten“ im Kuratoriums-Blog»Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen«: "Es konnten leider keine Blog Einträge gefunden werden."
  • Faltprospekt Abtsdorf I; 6 Seiten.
  • Faltprospekt Litzlberg Süd'; 6 Seiten.
  • Faltprospekt Informationen ankerfreie Zonen im Attersee; 8 Seiten.

Besiedlungs-Eignung bei niedrigem Wasserstand

Strandplatten bei Seewalchen, Schörfling, Kammer: die Fläche umfasst rund 1 km x ~300 m Breite ~ 30 ha

Im folgenden werden mit Google-Earth-Bilder die Fundstellen an Attersee und Mondsee entsprechend ihrer Eignung für Siedlungsflächen bei niedrigerem Wasserstand vorgestellt. Als besonders vorteilhaft zeigen sich die Bereiche am Nordende des Attersees wie Schörfling, Kammer, Kammerl, Seewalchen und ebenso Litzlberg Süd, gefolgt von der Region Aufham und hier vor allem der Bereich um die sogenannte Teufelsinsel. Günstige Bereiche bei Nußdorf könnten zwischenzeitlich durch den stark materialführenden Nässltalbach verschüttet worden sein; die nachgewiesene Siedlungsfläche zeigt Südstürmen eine besonders exponierte Angriffsfläche.

Es ist recht überraschend, dass die Siedlungen Misling und jene vom Mondsee bezüglich verfügbarer Flächen bei niedrigem Wasserstand nicht günstig erscheinen.

Bathymetrische Karte des Mondsees

Diese Verhältnisse am Mondsee bestätigen auch die Arbeiten von Trinks, Immo; Neubauer, Wolfgang; Taylor, Timothy; Wallner, Mario; Löcker, Klaus und Leskovar, Jutta: → Hochauflösende unterwasserarchäologische Prospektion oberösterreichischer Pfahlbauten und Seen mit Fächerecholot und Sediment-Sonar. Dreiländertagung der DGPF, der OVG und der SGPF in Wien, Österreich – Publikationen der DGPF, Band 28, 2019. Seite 235. (Vgl. hierzu die nebenstehende Abbildung.)

Die Siedlung Scharfling ist von steilen Felswänden, die direkt in den See abfallen, umgeben, sodass man zu Fuß von keiner Seite hinkommen konnte. Die Strandplatten bringen wenig bewohnbare Fläche, wenngleich hier die ältesten Siedlungsreste gefunden wurden. Andererseits bildet die Ebene zwischen den sie einschließenden felsigen Bergen eine günstig zu bewirtschaftende Fläche für z.B. Brandrodung und -wirtschaft.

Die Siedlung "See" zeigt eine für Ackerbau ungünstige Situation, wenn sie beidseits von recht steilen Hängen umgeben ist.

Welche Funktion "Mooswinkl" hatte, ist unbekannt. Lt. Offenberger ist sie die einzige Station, die im Wasser stand und hatte lt. Offenberger vielleicht etwas mit "Überfuhr" zu tun.

Pfahlbau-Ausstellungen

ATARHOF

Pfahlbauern-Tasse mit Furchenstich

ATARHOFMuseum ATARHOF in Attersee, Landungsplatz 1: "Der Verein Freunde der Archäologie des Attersees und seines Hinterlandes hat sich zum Ziel gesetzt, spannende wissenschaftliche Themen der Archäologie und neuere Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung aus der Region einem interessierten, größeren Publikum zu vermitteln. Er hält ständigen Kontakt mit wissenschaftlichen Instituten und Institutionen, lädt Fachleute zu Referaten ein, experimentiert selbst mit alten Kulturtechniken wie Keramikherstellung, Färben, Stein- und Holzbearbeitung und Kochen. Er gibt seine Erfahrungen in Workshops an Gruppen von Erwachsenen und Schülern weiter. Der Verein betreibt den ATARHOF mit wechselnden Ausstellungen und Workshops und betreut den Pfahlbau-Pavillon in Attersee, erweitert um einen prähistorischen Garten von Nutzpflanzen aus der Pfahlbau- bis zur Römerzeit." (Obfrau Prof. Dr. Helga Oeser)

Nachfolgend der → Link zu den Veranstaltungen im ATARHOF, Oesers gut schmeckende Pfahlbaugerichte und die Färbetechniken der Pfahlbauern.

Kataloge, Prospekte und Arbeiten des ATARHOF:

  • Rundgang durch die aktuelle Ausstellung: 26 Doppel-Seiten
  • Katalog zur Ausstellung "Versunkene Kulturen der Pfahlbauten" (Prof. Mag. Arnold Mörzinger, 110 Seiten): Pfahlbaufundstellen; Pfahlbauforschung; Erkenntnisse; Große und kleine Geheimnisse; Schaustücke
  • Katalog zur Ausstellung "Der Attersee, seine Fische und der Fischfang" Prof. Mag. Arnold Mörzinger; 61 Seiten).
  • Das Leben zwischen den Pfählen - ein Lese-Mal-Buch. (Prof. Mag. Arnold Mörzinger; 32 Seiten).
  • "Pfahlbauernleben" - von Prof. Dr. Helga Oeser
    • Prähistorische Nutzpflanzen und ihre Eigenschaften (41 Seiten; Ernährung, Heilkräuter, Färbepflanzen)
    • Färben mit Naturfarben (59 Seiten; Färbegut, Färbeprozess, Herstellung verschiedener Farben)
    • Von der Pfahlbauzeit inspirierte Gerichte (11 Seiten; Eintöpfe, Wildgerichte, Attersee-Sushi, Fleischlaibchen)
  • Prof. Mag. Arnold Mörzinger: Herstellung Pfahlbaukeramik - Urgeschichtliches Töpfern (17 Seiten)

Pfahlbaumuseum Mondsee

Pfahlbau- und Klostermuseum

Bilder aus dem Internet: → Culture du lac de Mondsee: → Pfahlbaumuseum Mondsee; → Die Topf-Vitrine; → typischer "Mondsee-Krug"

Heimathaus Vöcklabruck

Bernhart, Robert: Die Pfahlbausammlung des Heimathauses Vöcklabruck - Ihre Geschiche und ihr Bestand. (Beilage zu den Mitt. der Prähistorischen Kommission der Österr. AdW, Bd. XI-XII, 1963-1968.)

  • I. Die Geschichte der Pfahlbausammlung S. 1-24;
  • II. Der Bestand der Pfahlbausammlung (720 Stück) S. 25-34;
  • S. 35: Lageskizze der Pfahlbaustationen im Attersee;
  • S. 37 ff.: 34 Tafeln mit nach Ortschaften gegliederten Fundstücken.

Bilder aus dem Internet: → Vestiges de palafittes; → Ornaments; → Poteries; → Outils; → Angelhaken, Pfeilspitzen

Vergleich: Mondsee – Wauwil – Altheim – Schweiz


VIDEOs zu Pfahlbauten

Zs. SONIUS zu Pfahlbauern, Römern usw.

Anm.: Der Zugang zu allen SONIUS-Ausgaben erfolgt einfach durch Anpassung des Internet-Links "http://sonius.at/pdf/Sonius_01_WEB.pdf"von 01 bis 29 durch die Nr. des gewünschten Heftes.

SONIUS Nr. 18 (Welterbeausgabe), 2016. → http://sonius.at/pdf/Sonius_18_WEB.pdf

  • Kerstin Kowarik, Jakob Maurer, Timothy Taylor: Beyond Lake Villages. S. 3-5.
  • Cyril Dworsky: Über die Auswirkungen des Welterbes auf die Archäologie. S. 5-6.
  • Gerald Egger: Das Heimathaus Vöcklabruck … hat eine sehr bewegte Vergangenheit. (viel zu Pfahlbauten) S. 11-12.
  • 7000 Jahre Salz: Hallstatt – ein archäologischer Hotspot mit besonderen Herausforderungen. S. 13-15.

SONIUS Nr. 22, 2018. → http://sonius.at/pdf/Sonius_22_WEB.pdf

  • Timothy Taylor, Eric Biermann, Dominik Meyer und Jakob Maurer: Herrschaftszentrum mit Weitblick - Archäologische Ausgrabungen am Buchberg im Attergau. S. 3-5.
  • Kerstin Kowarik, Jutta Leskovar: Die Pfahlbau-Objekt-Datenbank. S. 7 f.
  • Carmen Löw, Cyril Dworsky: Auf Augenhöhe - Kommunikations- und Vermittlungsarbeit zum UNESCO-Welterbe der Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen in Österreich. S. 12-14.

SONIUS Nr. 23, 2019. → http://sonius.at/pdf/Sonius_23_WEB.pdf

  • Stefan Traxler: Römisches Erbe in Oberösterreich. S. 6-9

SONIUS Nr. 24 (Welterbeausgabe), 2019. http://sonius.at/pdf/Sonius_24_WEB.pdf

  • Henrik Pohl: Eine Brücke zwischen unseren jungsteinzeitlichen Vorfahren und der Zukunft. S. 3-8.
  • Henrik Pohl: „Pfahlbauten“. S. 10-11.

SONIUS Nr. 27, 2020. → http://sonius.at/pdf/Sonius_27_WEB.pdf

  • Barbara Hausmair: Das dunkle 6. Jahrhundert? Zum beginnenden Frühmittelalter in Oberösterreich. S. 10-13 (S.11 unten "BYZANZ")

SONIUS Nr. 28, 2021. → http://sonius.at/pdf/Sonius_28_WEB.pdf

  • Cyril Dworsky, Lieselore Meyer: Die jungsteinzeitlichen Pfahlbauten in Kärnten. S. 3-8.
  • Astrid Stollnberger, Felix Lang, Stefan Traxler, Franz Hauser: Der römische Gutshof von St. Georgen Königswiesen Kurzbericht zur Ausgrabung 2020. S. 9-12.
  • Stefan Traxler: Römer, überall Römer! S. 14-20. (u.a. Weyregg)

SONIUS Nr. 29, 2021. → http://sonius.at/pdf/Sonius_29_WEB.pdf

  • Vom Pfennig zum Taler: Zur Nominalstruktur des oö Geldumlaufs in Spätmittelalter und früher Neuzeit im Spiegel der Schatzfunde. S. 3-7.
  • Buch: Der Tassilo-Liutpirc-Kelch; S. 15
  • Buch: Helmut Ardelt, Oberösterreich in der Steinzeit. Eine archäologische Spurensuche. S.15

SONIUS Nr. 30, 2022 → http://sonius.at/pdf/Sonius_30_WEB.pdf

  • Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer zum Welterbetag (5. Juni 2022): „Die Kultur- und Naturschätze Oberösterreichs machen unser Land einzigartig. Die UNESCO hat drei besondere Orte in unserem Land in den Status des Welterbes erhoben: die Region Hallstatt-Dachstein/ Salzkammergut, die prähistorischen Pfahlbauten am Attersee und am Mondsee und den ehemaligen römischen Donaulimes. Alle Welterbestätten verweisen auf das große historische Erbe, auf dem unsere Kultur aufbaut.“
  • Ruth Pröckl (UNESCO Welterbe): Superlative des Kulturerbes. S. 4-6.
  • H. Reschreiter, D. Brandner, J. Rudorfer, K. Kowarik (NHM Wien): Alles Salz – 7000 Jahre lang. S. 7-9.
  • Cyril Dworsky & Fiona Poppenwimmer: Die Pfahlbauten – Ein Welterbe am Weg zur Reife. S. 10-14.
  • René Ployer: Der Donaulimes – westlicher Abschnitt. S. 14-16.
  • Circum Lauriacum: S. 17-32.
  • Circum Carnuntum: S. 33-35.

Literatur

Zur Vorgeschichte Oberösterreichs - Die Pfahlbauten

Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Band 6: Oberösterreich und Salzburg (1889); S. 55-62. → Zur Vorgeschichte Oberösterreichs – Die Pfahlbauten.

UNESCO

Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen in: → Wikipedia: Liste aller 111 UNESCO-Stationen

Jansa, Viktor: → Probleme und Lösungsansätze beim Monitoring unterwasserarchäologischer Fundstellen am Beispiel des UNESCO–Weltkulturerbes „Pfahlbauten“. Diplomarbeit Univ.-Wien, 2013. 137 Seiten. (S. 75: Fallstudie Seewalchen)

Pfahlbauforschungen am Mondsee

Janik, Vinzenz: → Die Pfahlbausiedlung See/Mondsee im Blickfeld landschaftlicher Forschung. Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines Bd. 114, 1 (1969). S. 181-200

Ruttkay, E., Mondsee-Gruppe. In J. Preuss, Das Neolithikum in Mitteleuropa 2 (1999) 75-78.

Ruttkay, E., Typologie und Chronologie der Mondsee-Gruppe. In: Das Mondseeland. Geschichte und Kultur, Katalog (1981) 269-294.

Kern Anton, Antl-Weiser Walpurga, Stadler Peter: → Nachruf Dr. Elisabeth Ruttkay. Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien, 2010, Band 112A, S. 55-66. → Veröffentlichungen

Wolff, Petra: → Die Jagd- und Haustierfauna der spätneolithischen Pfahlbauten des Mondsees. (stark gekürzte Dissertation); Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins, 1977, Band 122/1, S. 269-347.

Wolff, Petra: Die Jagd- und Haustierfauna der spätneolithischen Pfahlbauten des Mondsees. Diss. Univ. Wien, stark gekürzt im: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines Bd. 122,1 (1977) S. 269-347. → Teil 1; → Teil 2; → Abbildungen

Holzer, Veronika: → Textilfunde aus der Seeufersiedlung See am Mondsee. S. 14-48. S. 49-60: Faszinierende Tafeln von Offenberger. Mit Vorbemerkung: Pfahlbauforschung in See am Mondsee als Kontext zur wissenschaftlichen Erforschung der Textilreste. (S. 7-13). Prähistorische Forschung Online, Band 10. Verlag des NHM Wien, 2020. 60 Seiten. (Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ )

Grömer, Karina: → Vom Spinnen und Weben, Flechten und Zwirnen. Hinweise zur neolithischen Textiltechnik an österreichischen Fundstellen. Für Elisabeth Ruttkay. Zs. Archäologie Österreichs, 17/2, 2006; S. 177–192.

Walter Kunze: Keramik der Pfahlbauern. Berichte über Untersuchungen der jungsteinzeitlichen Töpferei am Mondsee. OÖMV

Reiter, Violetta: → Die Steinbeile vom Mondsee/Station See (OÖ) aus der Sammlung Much. Diplomarbeit, Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, 2011. (331 MB, 634 Seiten: Bd. 1 Text, 226 S.; Bd. 2 Katalog: Tafeln 1-99; Bd. 3: Katalog: Tafeln 100-199); online abrufbar for best quality im Bibliothekskatalog der Universiät Wien: → http://usearch.univie.ac.at

Reiter, Violetta: → Ressourcenmanagement im Pfahlbau, Technologie und Rohmaterial der Steinbeilklingen vom Mondsee. Mitteilungen der Prähistorischen Kommission 81, 2013.

Reiter, Violetta: → Ressourcenmanagement im Pfahlbau. Technologie und Rohmaterial der Steinbeilklingen vom Mondsee. Mitteilungen der Prähistorischen Kommission. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. Wien 2013. Band 81. S. 7–30: Einleitung, Fundort, Forschungsgeschichte, Sammlung Much, S. 16 Abb. 4: Fundort mit Tiefenlinien, Fundverteilung, S. 18 Zeitstellung 4.900–4.750 BP (3.700–3100 BC); Fundmaterial (12 Seiten mit Tabellen der Inventarliste) … Rest als Kaufexemplar.

Reiter, Violetta: → Aktueller Forschungsstand der Mondsee-Funde in der Studiensammlung des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien. Archäologie Österreichs 19/1, 2008 (Überblick samt Literatur)

Die Mondseekultur → in de-academic.com: gute Darstellungen und Beschreibungen ... Literatur ...

Mondseekultur im → Austria-Forum

Saile, Thomas: → Altheim – ein Jahrhundert Erdwerk. 23 Seiten, Bilder und Grafiken.

Driehaus, J.: Die Altheimer Gruppe und das Jungneolithikum in Mitteleuropa. Mainz 1960. (ist gegen Verbindung der Altheimerkultur mit der Mondsee-Gruppe)

Paret, Oscar: → Die Einbäume im Federseeried und im übrigen Europa. PrHist. 1930. AM MONDSEE 1927 NOCH 19 in BETRIEB; auch Attersee (S.111 u. 114/5) 10-12 m Tanne

Daxer, Chr.; Moernaut, #J.; Taylor, T.; Haas, J. and Strasser, M.: → Late Glacial and Holocene sedimentary infill of Lake Mondsee (Eastern Alps, Austria) and historical rockfall activity revealed by reflection seismics and sediment core analysis. Sciendo, Sept. 2018. P. 111-134. OPEN ACCES: licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 License. FELSSTÜRZE → 1500 n. Chr.

Pfahlbauforschungen am Attersee

Willvonseder, Kurt: "Die jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbauten des Attersees in Oberösterreich", 1968, Mitteilungen der prähistorischen Kommission, XI. und XII. Band; (Graz 1965, Wien 1968), 453 Seiten, 34 Tafeln, 5 Abbildungen.

Willvonseder, Kurt: → Eine bronzezeitliche Moorsiedlung in Gerlham bei Seewalchen. Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins, 1960, Band 111, S. 154-160

Danner, Peter: → Kurt Willvonseder (1903-1968). Ein Prähistoriker mit vielen Aufgaben zwischen 1938 und 1945. In: Daniel Modl - Karl Peitler (Hrsg.), Archäologie in Österreich 1938-1945. S. 266 – 303 (741 Fußnoten, > Literatur).

Ruttkay, E.: Archäologisches Fundmaterial aus den Stationen Abtsdorf I, Abtsdorf II und Weyregg I. – Fundberichte aus Österreich, 21 (1982): 143-156. – Wien.

Ries, Marie-Claire:Palynologische Untersuchung der frühbronzezeitlichen Ufersiedlung Abtsdorf I (Attersee); Bachelor-Arbeit der Universität Kiel, Nov. 2014. 101 Seiten. → nach unten scrollen!

  • 14C-Daten, Klima-Pollendiagramme usw. (bestuntersuchte Station am Attersee), Seespiegel-Oszillationen … Klimaschwankungen … ( > Literatur)

Breitwieser Rupert, Stradal Christian: → Neues zur neolithischen Pfahlbaustation Kammerl/Attersee. Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines, 2001, Band 146a, 87-95.

Monitoring → Abtsdorf I am Attersee:
Die Station Abtsdorf I ist eine seit 1963 bekannte Seeufersiedlung im nordwestlichen Bereich des Attersees in Oberösterreich. Neue Untersuchungen zeigen eine Datierung in den Übergang von der frühen zur mittleren Bronzezeit.

Die heute noch fassbaren Überreste der Seeufersiedlung Abtsdorf I befinden sich auf einer Untiefe am nordwestlichen Ufer des Attersees in einer Wassertiefe von 2,1 m bis 2,8 m. Diese Untiefe wird durch eine sich in den See hinausziehende Landzunge (genannt Teufelsbrücke) gebildet. Aufgrund des bisher postulierten prähistorisch niedrigeren Wasserstands, kann angenommen werden, dass sich diese Siedlung ehemals auf einer Halbinsel befand. Diese Halbinsel war zwar den Naturelementen stärker ausgesetzt, bot aber auch größeren Schutz gegenüber Feinden. An den Rändern der Untiefe wurden einige Pfähle entdeckt. Oberflächenfunde aus abgerollten Keramikfragmenten konnten im mittleren Bereich der Untiefe erkannt werden. In den Kratern, die durch Ankerketten von Segelschiffbojen verursacht werden, konnte mehrfach offen liegende Kulturschicht mit Hölzern und zahlreichen Funden beobachtet werden.

Einen deutlichen Aufschluss über die stratigrafischen Verhältnisse erbrachten die Sedimentkernproben. Die Bohrflucht 1 mit insgesamt elf Kernproben wurde entlang der Grundlinie, also im mittleren Siedlungsbereich angelegt. Das Niveau der Kulturschicht liegt zwischen 2,30 m und 2,55 m unter dem heutigen Seewasserspiegel des Attersees. Aktuelle Forschungsergebnisse erbrachten mit Hilfe der Radiokarbonmethode (C14-Datierung) eine Neudatierung der Siedlung in die Zeit um 1650 v.Chr.. Diese Zeit im Übergang von der Frühbronzezeit zur Mittelbronzezeit war z.B. im Mittelmeer geprägt durch die Hochkulturen auf Kreta sowie im Alten Ägypten. Außerdem ließen erste Auswertungsergebnisse der Pflanzenfunde ein breit gefächertes Kultur- und Wildpflanzenspektrum erkennen. Bisher eindeutig nachgewiesene Nutzpflanzen wie Dinkel oder Flachs sind charakteristisch für die frühbronzezeitliche Landwirtschaft. Darüber hinaus gehörte Holunder, Hasel und Brombeere zu den genutzten Pflanzen der bronzezeitlichen Bevölkerung am Attersee

Pfahlbauforschung am Keutschachersee (Hafnersee)

Klemun, Marianne: → Die Erforschung des vorgeschichtlichen „Pfahlbaus" - ein kontroversielles Kapitel der internationalen prähistorischen Forschung des 19. Jahrhunderts und Ferdinand Hochstetters Entdeckung der Keutschacher „Pfahlbauten" (1864). Carinthia II 185./105. Jahrgang S. 215-238 Klagenfurt 1995

Steinhügel im Ossiacher und Wörther See S. 272 in: Hochstetter Christian Gottlob Ferdinand: → Bericht über Nachforschungen nach Pfahlbauten in den Seen von Kärnthen und Krain. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, 1865, Band 51, S. 261-282.

Allgemeine Pfahlbauforschung in Österreich

Heinz Gruber: → Das Neolithikum in Oberösterreich - Ein Überblick zum Forschungsstand. Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern / West- und Südböhmen / Oberösterreich, 18. Treffen, 25.-28.6.2008 in Manching. Fines Transire 18, 2009, S. 133-143.

Gruber, Heinz: → Pfahlbauten - Österreichs neues Welterbe. Denkmal heute, 2011, 37–41.

Offenberger, Johann: → Probleme und Techniken der Pfahlbauforschung. Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines Bd. 116, 1 (1971). S. 9-21.

Offenberger, Johann; mit Beiträgen von Schatz Alfred; Vymazal Alfred: → Die österreichischen Pfahlbauten. Ein Arbeitsbericht. S. 105-138. Jahrbuch des OÖ Musealvereines Band 121a, (1976). Mit 7 Abbildungen (u.a. Tafel II: Weyregg: Grundschwelle)

Offenberger, Johann: Die 'Pfahlbauten' der Salzkammergutseen. In: Das Mondsee-Land. OÖ Landes-Ausstellung 1981: Das Mondseeland - Geschichte und Kultur. Katalog, 1981. S. 295–357.

Offenberger, Johann: Das Pfahlbauerbe – Brennpunkt Mondsee. Jungsteinzeitliche Seeufersiedlungen im Salzkammergut. Die Detaildokumentation und der Versuch einer Analyse. Historica – Austria, Jahrgang 2015, Band 13.

Berwerth, Fritz: → Pfahlbauten in den Ostalpen. (Vortrag mit Lichtbildern, 14.5.1907) Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins der Universität Wien, 1907, S. 126-127.

Spezielle Pfahlbauforschung in Österreich

Hafner, Albert; Schlichtherle, Helmut; Taylor, Timothy; Tinner, Willy: → International und interdisziplinär. Archäologie und Umweltwissenschaften heute (2016). (Wissenschaftliche Projekte gelten heute als besonders erfolgversprechend, wenn sich verschiedene Disziplinen zusammenschließen, um offene Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten … Es gibt derzeit noch keinen Volltext.)

Hafner, Albert et al. (Hrsg.): → Settling waterscapes in Europe: The archaeology of Neolithic and Bronze Age pile-dwellings. Heidelberg: Propylaeum, 2020 (OSPA – Open Series in Prehistoric Archaeology, Band 1). 290 Seiten. E-Book - 76 MB. S. 157: A new look at late Neolithic plant economy from the site of Zürich-Parkhaus Opéra; Timothy Taylor ...

Pernicka, Ernst: → The Development of Metallurgy in Western Anatolia, the Aegean and Southeastern Europa before Troy (and Mondsee). In: Western Anatolia before Troy. Proto-Urbanisation in the 4th Millenium BC? → Proceedings of the International Symposium held at the Kunsthistorisches Museum Wien OPEN ACCESS, Vienna, Austria, 21-24 November, 2012.

Menotti, Francesco: → Living on the Lake in Prehistoric Europe: 150 Years of Lake-Dwelling Research. Routledge 2004. E-Book.

Ruttkay, E., Cichocki, O., Pernicka, E., Pucher, E.: → Prehistoric lacustrine villages on the Austrian lakes: past and recent research developments. in: Menotti, Francesco. p. 50-69. (DOWNLOADABLE)

  • S. 56, 57 u.: mehrere Konnexe zu Schweiz: Bodensee und Zürichsee
  • S. 58 u.: Absolute Chronology of Mondsee: 3.700-3.100 BC (68%-Wahrscheinlichkeit) Ruttkay (1998), Tabelle 30.

Maurer, Jakob: → Die Mondsee-Gruppe: Gibt es Neuigkeiten? (KEINE Pfahlbauern) Ein allgemeiner Überblick zum Stand der Forschung. Vorträge des 32. Niederbayerischen Archäologentages, 2014, 145-190.

Accumulated Viewshed Analyses

Timothy Taylor: Case Study - Accumulate Viewshed Analyses As A Method To Value - → The Impact Of Dominating Landscape Features On Prehistoric Societies. (Project: Beyond Lake Villages, Austrian projectpart, FWF I-1693)

Julia Klammer, Kerstin Kowarik, Timothy Taylor: Accumulated Veiwshed Analysess: → Excellente Darstellung und Überblick zu den Pfahlbauten an Attersee und Mondsee. FWF- und BDA-Projekt; International Colloquium on Digital Archaeology in Bern, 4th – 6th February 2019: © Beyond Lake Villages (FWF I-1693)

Timothy Taylor, Julia Klammer: → Lake View Has Always Been An Issue; 2019, Poster Digital Archaeology Bern 2019

Abstracts:

Seidl Da Fonseca, Helena: Prehistoric lakeshore settlements’ landscape analysis - the cases of Attersee and Mondsee, Upper Austria. (Eine Landschaftsanalyse der urgeschichtlichen Seeufersiedlungen am Attersee und Mondsee in Oberösterreich) Masterarbeit Univ. Wien; 2019; 171 Seiten. (leider von Autorin nicht freigegeben; Betreuer: Timothy Taylor)
Abstract: Urgeschichtliche Seeufersiedlungen sind einzigartige Fundschätze und ein vielversprechendes Forschungsfeld für die Archäologie. Die Aufnahme 111 solcher Feuchtbodensiedlungen um die Alpen ins UNESCO-Welterbe zeigt deutlich welchen internationalen Wert diese Fundstellen nicht nur im Bereich der Wissenschaft sondern auch für die Öffentlichkeit hat. Seit 2011 ist auch Österreich mit 5 Fundstellen im Weltkulturerbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ vertreten. Durch die Ernennung zum UNESCO-Welterbe besteht nach einem 20 jährigen Stillstand der Forschung im Bereich der Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie erstmals wieder ein Anstoß zu neuen wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Forschungsfeld. Die vorliegende Master-Arbeit ist ein Beitrag zur Aufarbeitung der vorhergegangenen Forschungen in Oberösterreich und behandelt die bereits bekannten Seeufersiedlungen im Raum Attersee und Mondsee mit Hilfe aktueller Techniken in einem neuen Licht. Die Durchführung einer archäologischen Landschaftsanalyse setzt die Unterwasserfundstellen in Verbindung mit ihrem Hinterland. Mit Hilfe eines Geoinformationssystems (GIS/Arcmap) wurden bestimmte Geofaktoren innerhalb der direkten Einzugsgebiete der bekannten Fundstellen untersucht. Mittels solcher Umfeld-Analysen konnte die Landschaft in Verbindung mit Seeufersiedlungen statisch ausgewertet werden. Die Ergebnisse bieten Input für verschiedene Forschungsfragen im Bezug auf die Mensch-Umwelt Beziehung im Neolithikum und der Bronzezeit. Zudem führten die Analysen zu einer Definition von Siedlungstypen deren Standorte ähnliche Landschaftsmerkmale aufweisen. Die Eigenschaften des am häufigsten vertretenen Typs wurden als Parameter für die Erstellung eines Vorhersagemodells herangezogen das zukünftiger Forschungen dienlich sein soll. Die präsentierte Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam des internationalen D-A-CH Forschungsprojekt „Beyond lake villages: Studying Neolithic Environmental changes and human impact at small lakes in Switzerland, Germany and Austria“ (FWF - I 1693).

Längauer, Julia:Eine archäologische Landschaftsanalyse zweier Voralpenseen im Vergleich - die prähistorischen Fundstellen der nördlichen Attersee-Region, Oberösterreich und des Tegernsees, Bayern. Masterarbeit Univ. Wien, 2019, 105 Seiten. (Betreuer: Timothy Taylor)
Abstract: Die ersten Pfahlbauten am Attersee wurden 1870 entdeckt. Im Zuge des darauf einsetzenden „Pfahlbaufiebers“ konzentrierte sich die Forschung über lange Zeit fast ausschließlich auf die Seeufersiedlungen. Erst seit kurzem wird durch das internationale Projekt: „Beyond Lake Villages“ auch das Hinterland einiger Seen erforscht, sowie Lehrgrabungen der Universität Wien durch Timothy Taylor im Hinterland des Attersees durchgeführt. Ziele dieser Masterarbeit sind zum einen eine landschaftsarchäologische Analyse anhand ausgesuchter, geeignet erscheinender Geofaktoren, um potenzielle, diachron unterschiedliche, Siedlungssystematiken aufzuzeigen, zum anderen, die Möglichkeit, diese Ergebnisse auf einen bisher unerforschten See, den Tegernsee in Bayern zu übertragen. Es zeigt sich, dass im Hinterland des Attersees für das ausgewählte Gebiet ein deutlich unterschiedliches Siedlungsverhalten zumindest für das Spätneolithikum und die mittlere Bronzezeit festgestellt werden kann. Die Siedlungen der Mittelbronzezeit liegen im Schnitt höher im Gelände und näher am Attersee als die spätneolithischen. Ebenso wurden die großteils undatierten Hügelgräber bearbeitet, um mögliche Bezüge zueinander aufzuzeigen. Die Sichtachsen könnten hier eine chronologische Abfolge der Erbauung implizieren. Streufunde im ausgewählten Gebiet erwiesen sich nur als bedingt aussagekräftig und wurden nur bearbeitet, wenn sie durch ihre Lage und Bezug zu Siedlungen sinnvoll erschienen. Dabei konnte für die Urnenfelderkultur eine regelhafte Deponierung im Attersee mit Bezug auf die Siedlung am Buchberg herausgearbeitet werden. Ein Umlegen der Ergebnisse auf den Tegernsee stellte sich als schwierig heraus und ist nur bei gleicher Datenmenge und Qualität möglich. Dennoch konnten durch Begehungen rund um den Tegernsee einige potenzielle Siedlungsstellen entdeckt werden. Wünschenswert wäre, diese in Zukunft durch noninvasive Methoden wie geomagnetische Messungen zu untersuchen.

Brandfeldbau

Schier, Wolfram: → Extensiver Brandfeldbau und die Ausbreitung der neolithischen Wirtschaftsweise in Mitteleuropa und Südskandinavien am Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. PZ, 84. Band, S. 15-43, Walter de Gruyter 2009.

Brandfeldbau im Umfeld der voralpinen Seerandsiedlungen CC BY SA
Dipl.-Ing. F. Axel Berger, Institut für Ur- und Frühgeschichte Universität zu Köln
http://axel.berger-odenthal.de/work/Referat/
http://axel.berger-odenthal.de/work/Referat/Vortrag-Brandfeldbau.pdf HACK-BILDER
http://axel.berger-odenthal.de/work/Referat/Hout-Brandfeldbau.pdf
http://axel.berger-odenthal.de/work/Referat/Literatur-Brandfeldbau.htm

Landwirtschaftliche Praktiken bei neolithischen Seeuferstandorten _ Kultivierung der Auswahl OPEN ACCESS
How to cite this article: Amy Styring, Ursula Maier, Elisabeth Stephan, Helmut Schlichtherle and Amy Bogaard (2016). Cultivation of choice: new insights into farming practices at Neolithic lakeshore sites. Antiquity, 90, pp 95-110.

Literaturlisten

ETHZ-Suche

Uni Wien: → Literaturliste Pfahlbauforschung in Österreich

Ruttkay, E. in → Researchgate

Maurer, Jakob: → Literaturlisten Pfahlbauten (12.10.2018); → Veröffentlichungen

Pfahlbauten im → Austria-Forum

Pfahlbauern im → Austria-Forum

Pfahlbauten in: → Zobodat