Die Herkunft und die Ausbreitung des '''''tetraploiden Nacktweizens'''''
Kompakte Darstellung von Jacomet 2007, Stefanie: Neolithic plant economies in the northern alpine foreland (Central Europe) from 5500–3500 cal. BC.
Middle Neolithic (Kap. 14.3.2: 5000 – 4300 cal.BC; S. 236) Nur 2 Siedlungen erscheinen repräsentativ. Einkorn und Emmer überwiegen, Nacktweizen kommt gegenüber früheren Zeiten nun aber öfter vor.
Late Neolithic (Kap. 14.3.3: 4300–3500 cal BC)
- Insgesamt 46 Siedlungen, 10 am Trockenen (Niederbayern, Neckar) und 36 in Seeufersiedlungen oder Torfsiedlungen (Französischer Jura über gesamtes Schweizer Plateau bis Bayern); diese Siedlungen gehören zu unterschiedlichen kulturellen Gruppen.
- In Bayern: 4 Siedlungen (3 Münchshöfener Kultur, 1 der späteren Altheiner Kultur).
- Münchshöfener Kultur: vorrangig Einkorn und Emmer, kein Nacktweizen
- 1 Altheimer Siedlung (Ergolding; später als 3800 cal BC): kein Nacktweizen
Tabelle: Umfassende Nachweise zum Nacktweizens (p. 239: Table 14.4, cont.)
- Viel Nacktweizen wurde nachgewiesen bei Schussenried; Pfyn; Egolzwil; Zürich (Kl. Hafner); Zürich-Seefeld; Cortaillod
- Keine Nachweise bei Münchshöfen und Altheim.
Bodensee und östliche Schweiz (S. 243 f.)
- Es gibt 4 Seeufersiedlungen aus 1. Hälfte des 4 Jt. v. Chr. (3900 – 3500 cal BC): v.a. Hornstaad-Hornle IA: dominant ist dort der tetraploide Nacktweizen.
Zentralschweiz (S. 244)
- Insgesamt 16 Seeufersiedlungen;
- davon 4 vor 4000 cal BC: Egolzwil und frühes Cortaillod mit Stationen Egolzwil, Kleiner Hafner und Zugersee;
- die übrigen 12 Siedlungen datieren 4000–3600 cal BC: Jene vor 3800 cal BC gehören zur westlich beeinflussten klassischen Cortaillod-Kultur. Danach werden die Siedlungen zur Pfyn-Kultur gerechnet, die sich vom Osten her verbreitete.
- In den 4 ältesten Siedlungen dominierte tetraploider Nacktweizen vor Einkorn. Auch in den 12 anderen Siedlungen ist tetraploider Nacktweizen prädominant.
Westschweiz und Französischer Jura (Bielersee, Neuenburgersee und franz. Jura; S. 245)
- In vielen dieser Stationen ist tetrapoloider Nacktweizen dominant.
Kap. 14.4 Discussion
Zur Herkunft des tetraploiden Nacktweizens schreibt Jacomet: „Es ist wahrscheinlich, dass Triticum turgidum / durum von Südwesten her in unser Gebiet eingedrungen ist, zusammen mit vielen anderen Einflüssen, die in den archäologischen Artefakten sichtbar sind.“
Es ist offensichtlich, dass sich der tetraploide Nacktweizen nicht auf die Einflusssphären der west-basierten Kulturgruppen z.B. Egolzwiler und Cortaillod-Kultur beschränkte, sondern rasch bis zum Federsee und den östlich-orientierteren Kulturen wie der Pfyn-Kultur kam. Hier zeugen nicht nur das Vorkommen von Kupfer sondern auch Schmelzöfen für den starken Ost-Einfluss.
Ich habe noch keine unproblematische Erklärung dafür, warum sich der tetraploide Nacktweizen nicht weiter nach Osten ausgebreitet hat, aber westliche Einflüsse im archäobotanischen Material verschwinden allmählich östlich von Oberschwaben. Auch scheint Niederbayern in den jüngeren Phasen des Spätneolithikums ein „Spelzweizen-Gebiet“ zu bleiben.
Es gibt weitere Anzeichen für einen mediterranen Einfluss in den Siedlungen nach 4000 v. Chr. Funde von Pflanzen mediterranen Ursprungs wie Petersilie, Dill, Sellerie und Melisse, die erstmals um 4000 cal v. Chr. auftauchen, beschränken sich auf die Regionen, in denen tetraploider Nacktweizen die vorherrschende Weizenform ist.